Zufallsfund am Markt

Freitag, 22. Juni 2018: Vom Monte do Gozo nach Santiago de Compostela

Ich habe mich inzwischen an das frühe Aufstehen gewöhnt und da ich ohnehin schon um 5:30 Uhr wach bin, nutze ich halt die Gunst der Stunde und beginne mit den Abreisevorbereitungen. Ich öffne das Fenster weit und bitte die frische Luft der Morgendämmerung herein. Mein Schwerpunkt liegt beim systematischen Verpacken meiner Ausrüstung in den Rucksack. Etwas später ist auch die Zeit da, noch einmal unter die Dusche zu gehen.

Kurz vor 7:30 Uhr verstaue ich den Rucksack in einem Schließfach im Keller der Herberge und begebe mich völlig entspannt zur Kathedrale. Um 8:00 Uhr beginnt dort in der Capilla de Cristo de Burgos der deutschsprachige Gottesdienst, der für mich der Abschluss der diesjährigen Pilgerwanderung sein wird. Vorher besuche ich noch einmal Jakobus am Hochaltar und in der Krypta. Nach dem Gottesdienst gehe ich traditionell in die gegenüberliegende Hospederia Seminario Mayor San Martin zum Frühstück. Für sechs Euro bekommt man dort ein reichhaltiges und gutes Angebot. Gegen 10:00 Uhr beginnt allmählich das Leben auf der Praza de Obradoiro vor der Kathedrale, wo ich mich an einer Säule des Verwaltungsgebäudes hinsetze. Ich habe dort schon so manche Stunde verbracht und all die Menschen beobachtet, die hier ihren Camino beendet haben. Es macht einfach Spaß, die Menschen bei ihrem Ankommen zu sehen, wie sie reagieren, wie sie feiern, wie sie sich freuen. Man sieht aber auch oft genug Trauer und Schmerz in den Gesichtern. Dazwischen laufen aber auch Touristen herum, die manchmal sehr verwundert auf das Geschehen auf der Praza reagieren.

Nachdem ich fast zwei Stunden lang auf dem Platz verbracht habe, mache ich mich auf den Weg zu den Markthallen, durch die ich auch immer gerne bummele. Dabei fällt mir zufällig in der Auslage eines kleinen Ladens ein Körbchen mit selbst bemalten Jakobsmuscheln auf. Das ist eine Überraschung, damit hätte ich hier überhaupt nicht gerechnet. Eine gefällt mir besonders. Sie ist sehr einfach gehalten, passt daher sehr gut zum Camino Primitivo und wird prompt mein diesjähriges Pilgerzeichen. Die Muschel, die ich bereits gestern gekauft hatte, ist zwar auch sehr schön, aber war von Beginn an „nur“ ein Kompromiss. Außerdem kaufe ich auf dem Markt noch die gute Orangen-Schokolade, die ich als Mitbringsel nach Hause nehmen werde.

Dann mache ich mich allmählich wieder zur Herberge auf, um meinen Rucksack abzuholen. Unterwegs mache ich noch einen Boxenstopp in der Bar Bicoca und genehmige mir zum Abschluss ein leckeres Super Bock. Um 13:15 Uhr habe ich meinen Rucksack auf den Schultern und laufe die knapp 1,5 Kilometer bis zum Busbahnhof. Ich muss auch nur zehn Minuten warten, dann kommt auch schon mein Bus, der pünktlich um 13:50 Uhr in Richtung Flughafen abfährt.

Einchecken und Sicherheitskontrolle verlaufen entspannt, da noch nicht viel los ist. Kurz vor dem Boarding passiert dann doch noch etwas Unerwartetes: ich treffe Walter aus unserem Koblenzer Pilgerforum, der am Pfingstmontag auf den Camino Frances gestartet ist. Es ist erstaunlich, dass ich bisher in jedem Jahr irgendeinen Bekannten in Santiago getroffen habe. Der Flug wird heute planmäßig um 16:55 Uhr in Santiago rausgehen und um 19:15 Uhr auf dem Flughafen Hahn landen, wo ich von Susanne abgeholt werde.