Einmal quer durch Europa, bitte

Sonntag, 10. Juni 2018: Frankfurt - Madrid - Oviedo

Der Countdown für den diesjährigen Camino hatte für mich einiges zu bieten. Am Mittwoch stand ein Vorsorgetermin im Kalender, am Donnerstag hatte ich ein Belastungs-EKG und am Abend Pilgerforum. Freitags musste ich zum Augenarzt und nachmittags eine Laufveranstaltung leiten. Ganz beson-ders bewegend war der Besuch des Farewell-Konzertes der schottischen Folk-Rocker Runrig in der Kölner Lanxess-Arena, die sich nun nach 45 Jahren im Musikgeschäft von ihren treuen Fans verabschieden. Susanne und ich sind schon lange begeistert von den stimmungsvollen Songs und haben uns frühzeitig Tickets besorgt. Die drei Stunden Programm aus dem gesamten Repertoire der Band waren sehr emotional und bei vielen Songs kullerten Tränen aus den Augen. Ich hätte nicht gedacht, dass so ein Abschied schwerfallen kann.

Heute Morgen frühstücken wir noch zusammen, dann bringt mich Susanne zum Bahnhof. Mit dem ICE fahre ich nach Frankfurt, wo ich um 15:00 Uhr zunächst nach Madrid fliegen werde. Die Bahnfahrt verläuft ohne Probleme. Am Flughafen muss ich mit einem Shuttlebus zum Terminal 2 fahren. Dort dauert es einige Zeit, bis der Iberia-Schalter öffnet. Nach der zügigen Abgabe meines Rucksackes, der zum Glück nach Oviedo durchgecheckt werden kann, stehe ich am Ende einer gefühlt einhundert Meter langen Menschenschlange vor dem Sicherheitsbereich. Nach dreißig Minuten habe ich diese Hürde schneller bewältigt als gedacht und begebe mich zum Gate D24. Dort lehne ich mich im Wartebereich entspannt auf einem bequemen Sessel zurück und genieße einen kleinen Mittagssnack. Die Bäckerei Kamps hat sich mit meinem Käsebaguette eine Überraschung einfallen lassen: eine winzig kleine Schnecke zieht ihre Spur über die vor mir ausgebreitete Papiertüte…Guten Appetit!

Das Boarding beginnt pünktlich, doch wegen einem Fluglot-senstreik in Marseille kommt es in Südfrankreich zu Störun-gen im Flugverkehr. Das hat auch Auswirkungen auf meinen Flug, der erst um 15:50 Uhr in Frankfurt mit einer glatten Stunde Verspätung abhebt. Aufgrund des Streiks müssen wir statt dem direkten Weg in die spanische Hauptstadt eine Ausweichroute über London nehmen. Um 18:06 Uhr landen wir in Madrid. Der Flug war wegen ein paar Turbulenzen zu Beginn etwas holprig und im Landeanflug machten wir mal eben einen kleinen, aber deutlich spürbaren Satz abwärts. Ich muss noch ein paar Minuten im Terminal 4 warten, bis das Gate für den Anschlussflug nach Oviedo bekannt gegeben wird. Nach wenigen Augenblicken weiß ich, dass ich nur ein paar Schritte bis zu Gate K87 laufen muss. Wenn jetzt auch noch mein Rucksack im richtigen Flieger landet, bin ich für heute zufrieden.

Zur Abflugzeit um 19:40 Uhr stehe ich immer noch in der Boardingschlange. Der Schalter ist zwar besetzt, aber es pas-siert nichts. Um 20:20 Uhr heben wir endlich ab - erneut eine Auswirkung des Streiks in Südfrankreich. Zum Glück habe ich am Flughafen Asturias genug Zeit, bis mein Bus nach Oviedo fährt. Um kurz nach 21:00 Uhr landen wir und es regnet in Strömen. Mein Rucksack erscheint als eines der ersten Gepäckstücke auf dem Band, ist allerdings nass geworden. Ich nehme ihn aus der Transporthülle und verstaue diese in der Bodenklappe. Dabei stelle ich fest, dass sich der Reißverschluss des Staufaches für den Regenschutz nicht mehr schließen lässt. Da muss ich mir zukünftig etwas einfallen lassen.

Ich kann mich in Ruhe im Flughafen orientieren und finde schnell den Abfahrtsort des Busses. Mit wir wartet noch eine Handvoll weiterer Passagiere unter dem Dach der Haltestelle, das anscheinend nicht ganz dicht ist und Regenwasser durchlässt. Wenigstens fährt der Bus pünktlich um 22:30 Uhr ab. Während der Fahrt erhalte ich auf meinem Handy eine Nachricht mit guten Wünschen von Monica aus London, die ich letztes Jahr auf dem Caminho Português kennengelernt hatte. Durch das Anhalten des Busses in Oviedo werde ich aus einem leichten Schlaf geweckt. Vom Busbahnhof bis zur Pensión Romero in der Calle Uria sind es nur ein paar Minuten Fußweg. Ich finde die Straße ohne Schwierigkeiten finde und besorge mir nebenan zuerst zwei Burger, bevor ich einchecke.

Es ist 23:45 Uhr, als ich an der Rezeption stehe und den Schlüssel für das Zimmer mit der Nummer 14 erhalte. Das Zimmer ist klein, aber sauber und völlig ausreichend für eine „halbe Nacht“. Ich hänge alles nass gewordenen Teile im Badezimmer zum Trocknen auf, esse die beiden Burger und lege mich dann endlich ins Bett. Es ist Zeit zum Ausruhen von diesem doch anstrengenden Tag. Gute Nacht an alle daheim Gebliebenen.