13 - 12 - 2018

Zufallsfund am Markt

Freitag, 22. Juni 2018: Vom Monte do Gozo nach Santiago de Compostela

Ich habe mich inzwischen an das frühe Aufstehen gewöhnt und da ich ohnehin schon um 5:30 Uhr wach bin, nutze ich halt die Gunst der Stunde und beginne mit den Abreisevorbereitungen. Ich öffne das Fenster weit und bitte die frische Luft der Morgendämmerung herein. Mein Schwerpunkt liegt beim systematischen Verpacken meiner Ausrüstung in den Rucksack. Etwas später ist auch die Zeit da, noch einmal unter die Dusche zu gehen.

Ein letzter Stempel

Freitag, 22. Juni 2018: Vom Monte do Gozo nach Santiago de Compostela

Der letzte Pilgertag bricht an. Gegen 6:00 Uhr werde ich durch das unruhige Verhalten von anderen Pilgern außerhalb unseres Zimmers wach. Ich beschließe, dann halt auch aufzustehen und nicht zwanghaft im Bett zu bleiben. Da ich am gestrigen Abend schon meinen Rucksack verpackt hatte, greife ich ihn mir, verlasse den Schlafraum und mache mich im Aufenthaltsraum in Ruhe fertig. Heute verstaue ich auch meine Stöcke, die ich auf den letzten fünf Kilometern nicht mehr benötigen werde. Um 6:40 Uhr verlasse ich die Herberge und marschiere ganz langsam den Berg hinab in das gerade erwachende Santiago.

Heute ein Pilgerkönig

Donnerstag, 21. Juni 2018: Von Arzúa zum Monte do Gozo

Heute Morgen bin ich sehr früh wach geworden. Ich greife meine Sachen und mache mich im Hof für den Abmarsch bereit. Um 6:45 Uhr bin ich auf der Straße. Es ist unglaublich, wie viele Menschen sich bereits unterwegs sind. Vor mir bewegt sich eine lange Pilgerschlange, die durchaus mit einer Volkswanderung vergleichbar ist. Schon bald erreiche ich die Bar in Pregontoño, deren Tische alle besetzt sind. Da es mir noch nicht nach Frühstück ist und die Schlange vor dem Verkaufswagen zudem eine beachtliche Länge hat, hole ich mir nur den ersten Stempel für heute ab.

Auf dem Boden der Tatsachen gelandet

Mitwoch, 20. Juni 2018: Von Ferreira nach Arzúa

Nach einem kleinen Frühstück geht es um 7:15 Uhr los. Heute Morgen dominiert wieder der Nebel, aber es ist angenehm, bei diesen Bedingungen auf der Straße zu sein. Außerdem habe ich heute eine Mammutetappe bis Arzúa vor, es erwarten mich rund 36 km. Das war so gar nicht vorgesehen, aber ich habe mir für meine Ankunft in Santiago de Compostela noch einmal Gedanken gemacht. Die nächsten Etappen sollten eigentlich bis Melide, Santa Irene und abschließend nach Santiago gehen. Mit diesem Plan würde ich am Freitagnachmittag meinen Camino beenden. Das ist mir erstens zu spät und zweitens bleibt mir aufgrund meines Rückfluges am Samstag kaum Zeit, mich in der Stadt „rumzutreiben“. Morgen möchte ich nun bis zum Monte do Gozo laufen, um am Freitag bereits gegen 8:00 Uhr vor der Kathedrale zu stehen.

Reise in die Vergangenheit

Dienstag, 19. Juni 2018: Von Lugo nach Ferreira

Ich habe meine Pläne für den heutigen Tag noch am gestrigen Abend ein klein wenig umgeworfen und werde statt dem regulären Weg zusätzlich einen kleinen Abstecher zu einer romanischen Kirche aus dem Mittelalter machen. Dadurch muss ich allerdings rund fünf Kilometer Wegstrecke auf die ursprüngliche Distanz addieren. Außerdem habe ich mir in Ferreira bereits ein Bett reserviert, so dass ich heute nicht unter Zeitdruck laufen muss. Um circa 7:15 Uhr geht es los. Der Himmel ist schon blau, das Wetter verspricht auch wieder gut zu werden - also alles ideal für einen guten Pilgertag. Der Rucksack ist heute wieder zwei Kilogramm schwerer, da ich aufgrund der zu erwartenden hohen Temperaturen und der Wegstrecke genügend Getränke eingepackt habe.

Lugo: rauhe Schale, süßer Kern

Montag, 18. Juni 2018: Von Castroverde nach Lugo

Das war wieder eine Nacht, wie man sie sich nicht wünscht. In meinem Schlafraum gab es erneut ein paar hochkarätige Schnarcher, die mich nicht zur Ruhe haben kommen lassen. Irgendwann habe ich es doch geschafft, einzuschlafen. Aber bereits gegen 4:30 Uhr bahnte sich die nächste nächtliche Ruhestörung an. Dann begannen nämlich die ersten, ihre Rucksäcke rücksichtslos zusammenzupacken und sich so auf den Weg zu machen, dass alle anderen mitbekamen. Da die meisten heute bis Lugo gehen wollen, bleibt es wohl ihr Geheimnis, warum man für eine Etappe knapp über zwanzig Kilometer schon mitten in der Nacht und im Dunkeln losmarschieren muss. Das Highlight ist allerdings eine spanische Familie mit ihren beiden Kindern, die fast eine ganze Stunde benötigen, um im Schlafraum geräuschvoll und unter Flutlicht ihre Rucksäcke zusammenzupacken. Immer mehr Pilger äußern ihren Unmut, ohne jedoch eine Reaktion zu erhalten.

You´ll Never Walk Alone

Sonntag, 17. Juni 2018: Von Fonsegrada nach Castroverde

Um 7:45 Uhr beginne ich meinen siebten Pilgertag. Marcel ist schon etwas früher losgegangen. Heute gibt es zwar keinen Nebel, dafür ziehen dunkle Wolken über das Land hinweg, die aber in circa zwei Stunden dann der Sonne entweichen sollen. Die Berge rund um mich herum sind heute nicht sichtbar, sondern mit einem dichten Wolkenband verhangen. Es ist wie in vergangenen Tagen noch etwas frisch, dazu weht ein leichter Wind, sodass ich wieder einmal mit einem langen Hemd starte.

Auf Wiedersehen Asturien, hallo Galicien

Samstag, 16. Juni 2018: Von Castro nach Fonsegrada

Heute Nacht habe ich wirklich sehr gut geschlafen, und auch sehr lange. Da ich mir für heute nur circa zwanzig Kilometer km vorgenommen habe, kann ich mir sehr viel Zeit nehmen und verlasse die Jugendherberge erst um 8:15 Uhr. Es scheint auch geregnet zu haben, draußen ist alles nass. Aktuell ist es sehr kalt, nur elf bis zwölf Grad. Der Nebel steht sehr tief, sodass ich lieber meine Wetterjacke anziehe, um mich vor dem leichten Niederschlag zu schützen.

Berg- und Talpilgern

Freitag, 15. Juni 2018: Von Berducedo nach Castro

Gestern Abend bin ich bereits sehr früh ins Bett gegangen und zunächst über meiner Lektüre eingeschlafen. Doch an einen guten Schlaf war in dieser Nacht nicht zu denken, denn sowohl rechts als auch links hatte ich kräftige Schnarcher in der unmittelbaren Nachbarschaft. Unmittelbar neben mir war das vor allem Fabrizio, ein achtzigjähriger Italiener mit zwei Hüftprothesen. Ich habe eigentlich selten Einschlafprobleme, aber gestern ging gar nichts. Die meiste Zeit lag ich halbwach im Bett und zählte Schäfchen.

Traumhafte Aussichten

Donnerstag, 14. Juni 2018: Von Borres nach Berducedo

Mein Rucksack ist heute deutlich schwerer wie noch am gestrigen Tage. Nach dem Abendessen habe ich mir noch eine große Flasche Wasser und ein Brot gekauft, da es heute keine Einkaufsmöglichkeit gibt. Um 7:15 Uhr bin ich abmarschbereit. Die ersten Pilger haben allerdings schon einige Zeit vor mir die Herberge verlassen. Zunächst geht es steil aufwärts, dann über einen Waldweg weiter bis zur Wegetrennung der beiden Routen. Ich habe mich bereits von Anfang an für die Routa de Hospitales entschieden, die zwar den direkten Weg über Pass und Berg nimmt, aber auch an drei Ruinen von historischen Pilgerhospitälern vorbeiführt.

Wassergräben und Schlammlöcher

Mittwoch, 13. Juni 2018: Von Bodenaya nach Borres

Das kann heute nur ein guter Tag werden. Um Punkt 7:00 Uhr werden wir mit einem „Ave Maria“ aus den Lautsprechern sanft geweckt. So allmählich kommt Bewegung in die Herberge, und auch ich stehe sofort auf und kümmere mich um meine Sachen. Zunächst gehe ich nach unten und finde dort in der sorgsam gefalteten, aufgereihten und vor allem sauberen Wäsche auch meine Kleidungsstücke, die ich gestern zum Waschen abgegeben habe. Nachdem ich meinen Rucksack verpackt habe, nehme ich ein kleines Frühstück zu mir. Um 7:45 Uhr bin ich abmarschbereit. Ich verabschiede mich von David, der anscheinend keinen seiner Gäste loslassen möchte. Es war mir eine sehr große Freude, ihn kennengelernt zu haben und in seiner Herberge übernachten zu dürfen. Hier lebt Camino-Atmosphäre, wie man sie sich wünscht. Der Aufenthalt in Bodenaya wird mir für die nächsten Tage Kraft und Motivation geben.

Morgens Katastrophe - abends Glückseligkeit

Dienstag, 12. Juni 2018: Von Grado nach Bodenaya

Der Tag beginnt genauso, wie der gestrige endete. Ich bin total begeistert. Um 5:30 Uhr stehe ich als einer der ersten auf, packe meine Sachen und gehe nach unten in den Aufenthaltsraum. Beim Verpacken meiner Ausrüstung stelle ich fest, dass nun auch mein zweites Handy verschwunden ist. Inzwischen füllt sich der Raum, da es ein kleines Frühstück gibt. Danach ist mir jedoch im Moment nicht zumute, ich habe ganz andere Sorgen. Mir gehen alle möglichen Gedanken wirr durch den Kopf und ich muss erst einmal wieder runterkommen. Das fehlt mir noch, wenn innerhalb weniger Stunden beide Handys verschwunden wären.

Unverhofft Vizemeister

Montag, 11. Juni 2018: Von Oviedo nach Grado

Die Nacht habe ich gut verbracht, auch wenn ich hin und wieder einmal wach geworden bin. Um 6:30 Uhr stehe ich auf und mache mich für den ersten Pilgertag fertig. Da es zurzeit noch recht frisch ist und der Himmel sich hinter grauen Wolken versteckt, bevorzuge ich ein langes Hemd. An der Rezeption hole ich mir meinen ersten Stempel und begebe mich auf den Weg zur nahe gelegenen Kathedrale San Salvador, die zwischen 1388 und 1539 erbaut wurde. Dort treffe ich auch schon den ersten Pilger, einen Spanier, den ich danach nie wiedergesehen habe. Er bittet mich, ein Foto von seinem Camino-Start vor der Kathedrale zu machen. Gerne erfülle ich ihm den Wunsch. Er bedankt sich, zieht flotten Schrittes von dannen und lässt mich in der Einsamkeit des großzügig angelegten Platzes vor der Kathedrale zurück.

Einmal quer durch Europa, bitte

Sonntag, 10. Juni 2018: Frankfurt - Madrid - Oviedo

Der Countdown für den diesjährigen Camino hatte für mich einiges zu bieten. Am Mittwoch stand ein Vorsorgetermin im Kalender, am Donnerstag hatte ich ein Belastungs-EKG und am Abend Pilgerforum. Freitags musste ich zum Augenarzt und nachmittags eine Laufveranstaltung leiten. Ganz beson-ders bewegend war der Besuch des Farewell-Konzertes der schottischen Folk-Rocker Runrig in der Kölner Lanxess-Arena, die sich nun nach 45 Jahren im Musikgeschäft von ihren treuen Fans verabschieden. Susanne und ich sind schon lange begeistert von den stimmungsvollen Songs und haben uns frühzeitig Tickets besorgt. Die drei Stunden Programm aus dem gesamten Repertoire der Band waren sehr emotional und bei vielen Songs kullerten Tränen aus den Augen. Ich hätte nicht gedacht, dass so ein Abschied schwerfallen kann.