Erholungstour ins Künstlerdorf

Dienstag, 25. Juni 2019: Von Cluis nach Gargiless-Dampierre

Da wir heute nur eine sehr kurze Etappe unter die Füße nehmen, nutzen wir die Gunst der Stunde und stehen erst gegen 7 Uhr auf. Wir lassen uns sehr viel Zeit beim Zusammenpacken unserer Sachen und verzehren zum Frühstück die gestern Abend eigentlich als Dessert vorgesehenen, aber übrig gebliebenen Eclairs. Nach dem Eintrag im ausliegenden Gästebuch verlassen wir gegen 8:30 Uhr unsere kleine Herberge.

Schon bald erreichen wir die erste und einzige Attraktion der heutigen Etappe, einen rund 300 m langen Viadukt, von dem auch Bungeesprünge angeboten werden. Kurz darauf haben wir noch die Gelegenheit, einen Blick von unten auf die imposante Brücke zu werfen. Es geht es nun unspektakulär auf schmalen Landstraßen weiter, bis wir nach circa 8 km das Örtchen Pommiers erreichen. Laut unserem französischen Führer MiamMiamDoDo soll es hier einen kleinen Laden geben, indem man sich mit einem Kaffee und einem Snack verwöhnen lassen kann. Leider stimmt die Angabe nicht mehr - der Laden sieht ziemlich geschlossen aus. Die hier vorgesehene Pause lassen wir also ausfallen und entscheiden, weiter bis zu unserem Zielort Gargilesse zu laufen. In der Zwischenzeit haben wir nämlich per Mail die Zusage aus dem Rathaus für ein Zimmer in der dortigen Pilgerunterkunft erhalten. Zeitlich sollten wir es schaffen, während den Öffnungszeiten der Mairie den Schlüssel dort abzuholen.

Der verbleibende Weg führt uns weiterhin über kleine Straßen, die nur selten von Autos befahren werden. Hin und wieder geht es auch einmal durch schattige Waldgebiete. Das tut gut, denn die Temperaturen steigen auch heute weiterhin stetig an. Zum Abschluss der Wegstrecke geht es steil abwärts und gegen 11:45 Uhr stehen wir vor dem Rathaus des romantischen Dorfes, in dem ungefähr 200 Menschen leben. Auf diesem Steilstück begegnet uns mehrfach ein Radsportler, der hier Bergsprints trainiert. Wir bezahlen unseren Beitrag, bekommen Stempel und Schlüssel und gehen am Chateau de Gargilesse und der Église Saint-Laurent-et-Notre-Dame, die aus dem 10. und 12. Jahrhundert stammen, zum früheren Wirtschaftshof des Schlosses. Im oberen Geschoss ist die Herberge untergebracht. Wir haben das Zimmer 2 bekommen und finden dort allerdings nur ein Bett vor. Also laufe ich zurück zum Rathaus, wo man mir versucht zu erklären, dass ja ein zweites Bett herausziehbar sei.

Wieder zurück in der Herberge, zeige ich Jörg mit einem breiten Grinsen das zweite Bett. Allerdings erscheint uns das Zimmer mit seinen circa 3 x 3 m für zwei Personen schlichtweg zu klein. Da im Wohnbereich der Unterkunft zwei Schlafsofas stehen, wird Jörg dort seinen Schlafsack ausbreiten. Wir gehen rasch unter die Dusche und stecken die verschwitzte Wäsche in die vorhandene Waschmaschine. Danach gehen wir in die Auberge des Artistes, die wir schon im Vorbeigehen als geöffnet entdeckt haben. Auf dem Wege dorthin begegnet uns der Franzose, den wir auch schon vor drei Tagen in Le Châtelet getroffen hatten. Er wird heute ebenfalls hier übernachten. Wir bestellen uns das Tagesgericht und etwas Kaltes zum Trinken.

Der Nachmittag wird zum Ausruhen genutzt, denn bei Temperaturen um 31 Grad sollte man sich nicht großartig bewegen. Gargilesse ist ein hübsches kleines Nest mit rund zweihundert Bewohnern, in dem sich viele Künstler angesiedelt haben. Mehrere Ateliers und Galerien befinden sich auf kleinstem Raum. Ihnen ist es zu verdanken, dass der Ort von zahlreichen Neugierigen aufgesucht wird. Noch vor dem Abendessen erkunde ich die engen Straßen und versuche ein paar schöne Fotomotive zu erhaschen. Gleichzeitig nehme ich die romanische Kirche etwas genauer unter die Lupe. Sehenswert sind die original erhaltenen mittelalterlichen Fresken in der Krypta. Gegen 19 Uhr suchen wir noch einmal das Restaurant auf - wir haben uns bereits am Mittag für einen Burger entschieden und werden nicht enttäuscht. Auf dem Weg zurück zur Herberge probt vor dem Haus noch ein Seniorenchor ein paar Lieder, denen wir noch eine Weile auf der Schlossmauer sitzend zuhören. Da für uns inzwischen Zeit für die Nachtruhe gekommen ist, ziehen wir uns in die Herberge zurück. Für mich dauert das Abendkonzert noch etwas länger, denn die „Bühne“ befindet sich direkt unter meinem Zimmer.