05 - 04 - 2020

Von Nancy nach Toul (23. Mai 2012)

Wir stehen heute ohne die Unterstützung unseres Weckers um 6.00 Uhr auf und machen uns ein wenig frisch für das Frühstück, das ab 6.30 Uhr bereitsteht. Es sind noch nicht viele Gäste im Frühstücksraum, sodass wir uns einen freien Tisch nach Wahl aussuchen können. Nach einer ausgiebigen Stärkung packen wir unsere Ausrüstung ein und marschieren um 7.30 Uhr aus dem Hotel. Über die „Rue Jeanne d´Arc“ erreichen wir die „Rue de la Commanderie“, der wir gut drei Kilometer folgen. Dabei ändert die immer schmaler werdende öfter den Namen und erreicht allmählich ansteigend die äußeren Wohngebiete von Nancy. In einer Boulangerie kaufen wir noch zwei kleine Baguettes für die Mittagsrast und füllen noch einmal die Wasservorräte auf. Wir unterqueren die A 33, passieren die weitläufigen Sportanlagen des „Stade R. Bambock“ und erreichen das Wohngebiet Clairlieu. Unser Weg führt uns an den Nordrand der Siedlung und schließlich in den Foret Domaniale de Haye, den wir auf den nächsten zehn Kilometern durchwandern. Mitten im Wald machen wir an einem Kreisel mit einer Schutzhütte eine erste Rast und verspeisen einen Apfel.

Von Liverdun nach Nancy (22. Mai 2012)

Die Kirchenglocken wecken uns um 7.00 Uhr. Eigentlich wollten wir heute erst etwas später aufstehen, trotzdem machen wir uns fertig zum Frühstück. Es ist schon einiger Betrieb im Frühstücksraum. Wir suchen uns einen Platz, leider unmittelbar am Kaffeeautomaten. Morgen werden wir etwas zeitiger zum Frühstück erscheinen und einen günstigeren Platz erhaschen. Es gibt alles, was das Herz begehrt, halt auf Französisch: Brötchen, Croissants, Butter, Wurst, Käse, Marmelade. Im Fernsehen wird über das nächtliche Unwetter berichtet, das mit Schwerpunkt in der Region um Nancy hereingebrochen ist. Anschließend packen wir das Nötigste für heute ein. Da wir unser Zimmer auch für die kommende Nacht haben, nehmen wir nur meinen Rucksack mit.

Von Dieulouard nach Liverdun (21. Mai 2012)

Darauf habe ich mich schon lange gefreut: heute geht es wieder auf den Jakobsweg nach Frankreich. Im vergangenen Jahr bin ich mit Jörg bis Dieulouard gepilgert, etwa 20 Kilometer nördlich von Nancy gelegen. Ich stehe bereits um 5.00 Uhr auf, nehme ein kleines Frühstück ein und lasse mich von meiner Frau Susanne zum Bahnhof bringen. Pünktlich um 5.56 Uhr setzt sich der Regionalexpress in Richtung Saarbrücken in Bewegung. Knapp drei Stunden später treffe ich dort Jörg wieder. Wir müssen für ihn noch ein Bahnticket kaufen und fahren dann über Forbach nach Metz. Hier hat unser Anschlusszug etwa zwanzig Minuten Verspätung und fährt dann noch von einem anderen Bahnsteig ab. Im Zug treffen wir zwei Wanderer, die sich durch die Lektüre in einem Outdoor-Buch als Deutsche verraten. Sie fahren heute bis Toul und wollen von dort aus ihre Wanderung fortsetzen.

Von Pont-á-Mousson nach Dieulouard (18. Juni 2011)

Nach dem Frühstück checken wir im Hotel in Metz aus und begeben uns direkt zum Bahnhof. Der liegt nur rund fünfhundert Meter von unserer Unterkunft entfernt. Wir müssen nicht lange warten, bis unser Zug nach Pont-á-Mousson einfährt. Dort verlassen wir eine Viertelstunde später den Zug und bringen das Gepäck in das für die kommende Nacht ausgewählte Enzo Hotel. Das liegt cirka zwanzig Minuten vom Bahnhof entfernt auf der anderen Moselseite. Unterwegs holen wir uns im Tourist-Office einen Stempel für den Pilgerausweis. Eigentlich sind wir viel zu früh im Hotel, bekommen aber nach kurzem Warten trotzdem unseren Schlüssel. Die Rezeption befindet sich unmittelbar im zugehörigen Restaurant, das mit Formel-1-Utensilien ausgestattet ist. Blickfang ist dabei der Bolide und der Rennanzug von Adrian Sutil aus der vergangenen Rennsaison.

Von Metz nach Pont-á-Mousson (17. Juni 2011)

Heute werde ich alleine laufen. Jörg möchte sich lieber ausruhen und seine Füße nicht zu sehr belasten. Morgen will er dann versuchen, wieder dabei zu sein. Bevor es losgeht, nehmen wir zwei Stockwerke tiefer unser Frühstück ein. Es gibt hier im Hotel kein Frühstücksbüffet, jeder Gast bekommt ein Tablett auf den Tisch gestellt. Darauf befindet sich je nach Wunsch ein Kännchen Kaffee, Kakao oder Tee, ein Brötchen, ein Croissant und ein Schokocroissant. Dazu gibt es portioniert Butter, Honig und Marmelade. Auf den ersten Blick erscheint das sehr spärlich, aber nachdem alles vertilgt ist, stellt sich doch ein Sättigungsgefühl ein. Wir gehen anschließend in unser Zimmer und ich packe meinen Rucksack. Ich nehme heute nur das Nötigste mit. Am Abend werde ich ja von meinem Etappenziel mit der Bahn nach Metz zurückfahren, da wir dort eine weitere Nacht verbringen werden.

Von Kédange-sur-Canner nach Metz (16. Juni 2011)

Es ist gerade einmal 6:45 Uhr. Jörg und ich sind bereits wach, also machen wir uns auch fertig. Es schadet nichts, wenn wir etwas früher losgehen, denn bis Metz ist es eine etwas längere Etappe. Das Frühstück ist reichhaltig, es gibt Brötchen, Croissants, Kaffee, Milch, Tee und den üblichen Belag. Wir genießen das Frühstück und lassen uns dabei Zeit. Anschließend verpacken wir unsere Sachen, Jörg kümmert sich noch um seine Füße. Wir haben uns schon überlegt, die heutige Strecke etwas abzukürzen. Wir wären dann mit einer Eisenbahn, die nur noch für Touristen fährt, von Hombourg nach Vigy gefahren. Leider geht das nur an Sonn- und Feiertagen. Beim Auschecken bekommen wir noch einen tollen Jakobsweg-Stempel.

Von Schengen nach Kédange-sur-Canner (15. Juni 2011)

Wir haben heute Nacht viel Sauerstoff im Zimmer gehabt, denn wir haben die Tür zur Terrasse offen gelassen. Trotzdem  haben wir nicht sehr gut geschlafen und sind schon recht früh wach. Vielleicht liegt das auch am Vollmond, den man gestern Abend noch gut beobachten konnte. Wir packen jedenfalls unsere Sachen zusammen, die gestern gewaschene Bekleidung ist schon trocken. Eine Ausnahme bilden meine Socken, die klemme ich an der Außenseite des Rucksackes in eine Schlaufe, wo sie unterwegs trocknen können. Dann steht das Frühstück an. Das Büffet ist nicht sonderlich groß, aber deckt doch alle Bedürfnisse ab. Es gibt keine Brötchen, sondern Brot, aber das finde ich gar nicht mal so dramatisch. Nach dem Frühstück checken wir schon einmal aus und überraschenderweise bekommen wir an der Rezeption sogar einen Stempel mit Jakobswegmotiv. Wir gehen noch einmal auf unser Zimmer, ziehen die Wanderstiefel an und schultern die Rücksäcke. Um 9.15 Uhr stehen wir vor der Jugendherberge zum Abmarsch bereit.

Von Merzkirchen nach Schengen (14. Juni 2011)

Nun ist der Tag endlich gekommen, an dem ich meinen Jakobsweg in Richtung Santiago fortsetzen werde. Dieses Mal gehe ich nicht alleine, Jörg aus dem Odenwald wird mich begleiten. Wir kennen uns von den Pilgerrüstzeiten der evangelischen Militärseelsorge Koblenz und Mainz, sind beide schon dreimal mitgepilgert. Im vergangenen Jahr hatten wir ausgemacht, den Weg nach Frankreich hinein gemeinsam zu gehen. Jörg kommt gegen 9:15 Uhr in Koblenz an und kurz darauf gehen wir zum Bahnhof. Wir fahren mit dem Zug über Trier nach Saarburg. Dort müssen wir in einen Bus umsteigen. Nach einigem Herumfragen, wo denn die betreffende Haltestelle sei, finden wir uns am Schulzentrum ein und warten. Wir warten vergebens, denn es kommt kein Bus. Jörg ruft die auf dem Fahrplan angegebene Nummer an. Hier wird uns sehr nett geholfen. Der Bus hätte wegen einer Baustelle keine Möglichkeit gehabt, die Haltestelle anzufahren. Man würde uns aber einen Kleinbus schicken, der uns dann zu unserem Ziel bringe. So geschieht es dann auch. Nur wenige Minuten später sitzen wir in einem Neunsitzer und werden nach Merzkirchen gefahren.

Von Trier nach Merzkirchen (7. Juni 2010)

Der Mosel-Camino ist geschafft. Ich übernachte heute in der alten Römerstadt Trier im Warsberger Hof, habe aber nicht gut geschlafen. Spät am Abend haben Jugendliche im Haus einen Heidenlärm gemacht, sodass es mir zunächst schwerfiel, einzuschlafen. Nachts bin ich öfter aufgewacht und habe beschlossen, vor dem Frühstück zum Gottesdienst in den Dom zu gehen. Auf dem Weg dorthin werden auf dem Marktplatz schon die ersten Stände aufgebaut, Blumen oder Obst könnte ich bereits kaufen. Um kurz vor sieben Uhr betrete ich den Dom. Es sind alle Portale weit geöffnet, einige Menschen sind bereits auf den Beinen und in Gebete vertieft. Der Gottesdienst findet in der Ostkrypta direkt unter dem Hochaltar statt. Ich muss also den ganzen Dom durchqueren. Neben dem Marien-altar führt eine Treppe in die Krypta hinab. Bevor ich diese benutze, entzünde ich für meine Familie noch ein paar Opferkerzen.