Von Auxerre nach Cravant (3. Juni 2013)

Heute steht uns eine sehr leichte Etappe nach Cravant bevor. Deswegen lassen wir uns auch sehr viel Zeit, stehen spät auf und verpacken schon einmal unsere Ausrüstung. Um 8.30 finden wir uns in der Küche der Herberge ein, wo für uns der Tisch gedeckt ist. Das Frühstück ist in Ordnung, eben typisch französisch mit Baguette, Butter, Marmelade und Kaffee bzw. Tee. Damit kommen wir sehr gut zurecht, zumal das französische Baguette deutlich besser im Geschmack ist als bei uns in Deutschland. Gegen 9.00 Uhr verlassen wir die Herberge und gehen zurück an die Yonne. Von der Flussbrücke haben wir noch einmal einen traumhaften Blick auf die Kathedrale, die bereits um diese Zeit von der Sonne angestrahlt wird. Während Jörg noch einmal seine Stiefel auszieht und den Sitz seiner Stützstrümpfe korrigiert, nutze ich die Gelegenheit, um auf der Brücke noch ein schönes Photo zu machen.

Viel gibt es heute nicht zu berichten. Wir wandern eigentlich die ganze Zeit am zw. der Yonne entlang. Kurz vor Vaux werden wir von Gruppe Fahrradfahrern aus England überholt. Bevor der asphaltierte Leinpfad auf eine Landstraße stößt, macht die Gruppe einen kurzen Halt und wir werden von einem älteren Herrn angesprochen, führen eine nette Unterhaltung über unser Vorhaben und unsere Herkunft. Im Laufe der nächsten Kilometer haben wir auf dem Kanal in Form von zwei Booten Gesellschaft. Wir holen sie an den zahlreichen Schleusen immer wieder ein. Auf unserem weiteren Weg machen wir vor Vincelles auf einer Bank eine Pause und lassen Luft an unsere Füße. Ein kleiner Imbiss darf nicht fehlen. Hier werden wir letztmalig von den zwei Booten überholt. Gegen 14.00 Uhr treffen wir in Cravant ein. Vor dem Stadttor steht zum ersten Mal ein Hinweis auf unser diesjähriges Ziel Vézelay. Unsere Unterkunft, das Hotel St. Pierre, ist noch verschlossen. Es öffnet eigentlich erst eine Stunde später, doch durch einen Handwerkertermin erscheinen die Eigentümer heute etwas früher und wir können unser Zimmer beziehen. Wir werden von einem pastellfarbenen Raum überrascht und verfallen zunächst in unser tägliches Ritual: waschen, duschen, trocknen. Ich hänge meine nassen Sachen nach draußen, später bietet sich die deutsch sprechende Wirtin an, sie in den Trockner zu werfen.

Nach einer Ruhephase schauen wir uns Cravant ein wenig genauer an, bleiben aber an der nächsten Ecke an einer Bar hängen und genehmigen uns ein Bier und ein Eis. Dabei nervt uns eine Französin, die sich in Blickweite von uns mit einem Bekannten bei laufendem Motor ihres Rasenmähers eine geschlagene Viertelstunde unterhalten muss. Unser Abendessen nehmen wir im Hotelrestaurant ein. Außer uns sind noch ein schwedische Ehepaar sowie fünf weitere Gäste anwesend. Wir entscheiden uns für ein Menü, das verhältnismäßig preiswert und vor allem vielversprechend klingt: Cappuccino von Leberpastete und Gemüsecremesuppe garniert mit Sahne und Schokopulver; Törtchen von Lauchgemüse und Riesencrevettes; Rinderfilet mit Rotweinsauce, Tomaten, Zuccini, Karotten und Gratin aus violetten Kartoffeln; Melonenkugeln und Schokotaler mit Vanilleeis. Dazu trinken wir einen 2010er Chitry Vin Rouge. Die Speisen sind liebevoll angerichtet und schmecken toll. Die Wahl hat sich gelohnt, wir sind satt und müde. Morgen steht uns die Königsetappe mit rund 34 Kilometern nach Vézelay bevor. Wir möchten uns gerne früh auf den Weg machen und gehen deshalb nach dem Begleichen der Rechnung früh ins Bett.