Von Étourvy nach Tonnerre (31. Mai 2013)

Da wir heute nur 19 Kilometer vor uns haben, dösen wir trotz Wecker um 7.00 Uhr noch lange in unseren Betten vor uns hin und ruhen uns richtig gut aus. Wir gehen erst spät zum Frühstück, das bereits gestern bei unserer Ankunft bereit war. Es gibt ein Baguette, verschiedene Sorten Marmelade und Honig, Cerealien, Milch, Kaffee und Tee. Nach dem Abwasch machen wir uns fertig und verlassen um 10.15 Uhr unsere Unterkunft. Es ist kalt, grau und bewölkt. Ich trage heute Sandalen, um meine Füße ein wenig zu schonen und von weiteren Druckstellen zu verschonen. Nach rund 200 Metern müssen wir über einen Grasweg gehen, der klatschnass ist. Also wechsele ich in meine Wanderstiefel und verstaue stattdessen die Sandalen im Rucksack.

Der Grasweg führt uns zum Teil rechts steil oberhalb von Étourvy, das wir wegen aufsteigendem Nebel kaum sehen können. Ich bin froh, dass ich feste Schuhe an den Füssen habe, denn der Weg ist uneben, matschig und damit auch rutschig und nass. Wir erreichen die D82, auf der wir nur ein kurzes Stück bleiben und hinter einer Schutzhütte leicht bergab weiterwandern. Auf dem Bergrücken zwickt es in meinem linken Schuh. Ich kontrolliere die Stelle vorsichtshalber, kann aber nichts feststellen. Nachdem die Socke etwas zurechtgerückt wurde und ich wieder marschbereit bin geht es weiter. Wir befinden uns auf einer Hochebene und laufen gefühlt im Zickzack durch Getreidefelder, die außergewöhnliche Abmessungen haben. Inzwischen regnet es mal wieder so stark, sodass unsere Ponchos zum Einsatz kommen. Nachdem wir eine Stunde später in Mélisey ankommen, lässt der Regen nach und verstauen die Ponchos in den Rucksäcken.

Hinter Chamelard sollen wir laut unserem Führer nach links durch ein Tal zu einem Bauernhof gehen, doch die Niederschläge der vergangenen Tage haben den Zugang derart unter Wasser gesetzt, dass an ein Durchkommen nicht zu denken ist. Selbst die angrenzende Wiese ist knöchelhoch mit Wasser gefüllt. Wir haben keine Lust auf nasse Stiefel und entscheiden uns nach Kartenstudium, weiter geradeaus zu laufen. Das ist eine gute Idee gewesen, denn wir kommen genau an dem beschriebenen Bauernhof heraus. Leider regnet es wieder in Strömen, schlimmer als heute und die Tage zuvor. Hinter einem zweiten Bauernhof stoßen wir auf die D944, der wir ein Stück folgen und schließlich überqueren, um in einen Wald zu gelangen. Allmählich steigt die Nässe die Hosenbeine hoch, die Stiefel stehen unter Wasser und unter dem Poncho ist es auch nicht mehr trocken. Trotzdem genehmigen wir uns eine kurze Auszeit, um eine Kleinigkeit zu essen. Vor uns tut sich eine Ortschaft auf, die wir zielstrebig ansteuern: Épineuil. Wir marschieren durch die menschenleere und für uns vernachlässigt wirkende Hauptstraße bis zum fließenden Übergang nach Tonnerre. Gegen 15.00 Uhr sind wir bei unserer heutigen Unterkunft, der „Ferme de la Fosse Dionne“ in einer kleinen Gasse. Unmittelbar davor rauscht nur noch das Wasser aus einer Karstquelle, um die 1758 ein Waschhaus errichtet wurde. Der Regen hat aufgehört.

Der Hausherr zeigt uns unser Zimmer, das wir erschöpft und erwartungsfroh beziehen. Endlich können wir uns der nassen Bekleidung entledigen und nehmen eine heiße Dusche. Anschließend drehen wir sämtliche Wärmequellen auf, die unser Zimmer hergibt, und hängen Jörgs Wanderstöcke mit Hemden, Hosen und Socken darüber. Selbst unsere Wanderstiefel müssen dran glauben und werden direkt über einem Heizkörper platziert. Wir sind voller Hoffnung, dass morgen früh alles trocken ist. Wir sind sehr zufrieden mit der Unterkunft. Schade, dass wir wegen des schlechten Wetters keine Gelegenheit haben, im Hof einen Drink zu uns zu nehmen. Das verlegen wir halt in die Schankstube, die stilvoll mit zahlreichen antiquierten Grammophonen ausgestattet ist. Auf Empfehlung des Wirtes trinken wir ein Bier aus Burgund. Es schmeckt 03lecker. Tja, wir sind jetzt im Burgund, haben die Champagne hinter uns gelassen, und nicht ein Glas des edlen Getränkes zu uns genommen, Hammer! Leider können wir im Haus kein Abendessen bekommen, (obwohl es bestellt war), denn die Küche wird renoviert. Der Wirt gibt uns ein paar Tipps, wo man gut essen kann. Diese Häuser sind uns jedoch etwas zu gehoben. Wir schauen uns die Stadt an und sind überrascht von den riesigen Ausmaßen des Hotel Dieu, einem Hospital aus dem Jahre 1293.

Schließlich kehren wir gegen 18.30 Uhr in einer unscheinbaren Pizzeria ein. Neben Bier und Cola bestellen wir uns als Vorspeise einen Salat, der frisch zubereitet wird und üppig ausfällt. Die Bestellung der Pizza gestaltet sich etwas schwierig. Jörg möchte auf seiner Pizza zusätzlich Sardellen haben, was wir dem Wirt leider nicht erklären können. Als auf meinem Salat Sardellen auftauchen, frage ich ihn einfach, wie man sie in Frankreich nennt: anchois. Und so bekommt Jörg auf seine Pizza doch noch Sardellen. Wir haben uns mit unserer Auswahl etwas übernommen und sind richtig satt, als wir nach einem kurzen Verdauungsspaziergang um 21.00 Uhr unsere Unterkunft erreichen.