Von Montigny-les-Vaucouleurs nach Gondrecourt-le-Château (25. Mai 2012)

Da wir heute erst um 8.00 Uhr frühstücken können und eine relativ kurze Etappe von 18 Kilometern vor uns haben, schlafen wir etwas länger. Um 7.30 Uhr werden wir wach, draußen kräht ein Hahn. Am Frühstückstisch treffen wir wieder auf die vier anderen Gäste. Madame Lambert tischt erneut ordentlich auf. Wir können zwischen Kaffee, Kakao oder Tee wählen. Hierzu stehen uns größere Schalen zur Verfügung, die ich eher für Müsli nutzen würde. Aber gut, wir sind ja anpassungsfähig. Weiterhin gibt es Brötchen, Baguettes, Milchbrötchen, selbstgemachte Marmelade, Apfelsaft (wohl auch aus eigener Herstellung). Wir lassen es uns richtig gut gehen und es verbleiben fast keine Reste. Wir sind auf unserer Pilgerwanderung nun zum ersten Mal in einem Chambres d'Hôtes untergekommen, und wir sind begeistert. Trotz der Sprachbarriere gab es eigentlich keine Verständigungsprobleme. Irgendwie haben wir das ausdrücken können, was wir wollten. Besonders gut gefallen hat uns der familiäre Charakter der Unterkunft, das möchten wir zukünftig noch öfter erleben. Einen kleinen Dank an Madame Lambert haben wir aber in ihrem Gästebuch hinterlassen: „Un grand merci pour l'hébergement. Nous nous sommes sentis très à l´aise. Les pelerins St. Jacques d´Allemagne.”

Um 9.15 Uhr verabschieden wir uns abmarschbereit von Madame Lambert. Wir erhalten noch ein Lob für das gute Französisch im Gästebuch, geben aber direkt zu, dass wir ein Übersetzungsprogramm aus dem Internet genutzt haben. Dann geht es los, ich wieder mit Sandalen an den Füßen. Wir verlassen Montigny über die „Rue Sainte Anne“, laufen parallel zu einem kleinen Bach auf ein Waldgebiet zu. Der Weg selbst ist hier überwiegend mit knöchelhohem Gras belegt und aufgrund des kurzen Gewitters von gestern Abend noch feucht. Da werde ich wohl auf den nächsten Kilometern nasse Socken bekommen. Ich versuche jedenfalls, so wenig wie möglich durch das Gras zu laufen, was zusätzlich durch Pfützen und Matschlöcher erschwert wird. Wir durchwandern ein stilles Tal, in dem man der Natur zuhören und zusehen kann. Mitten in einer Talwiese, natürlich kniehoch und etwas feucht, ist die kleine gotische Chapelle Sainte Anne errichtet. Sie ist verschlossen und macht einen etwas vernachlässigten Eindruck. Bald darauf verlassen wir den Wald und laufen auf das Dorf Badonvilliers zu. Im Schatten der Kirche, die leider verschlossen ist, wechseln Jörg und ich unsere Socken und hängen diese am Rucksack zum Trocknen auf. Von nebenan werden wir von zwei Lamas beobachtet. Nach der kurzen Pause passieren wir einen Verkaufswagen, wo man eigentlich alles bekommen kann. Wir entscheiden uns für Apfel, Birne und Baguette.  Wir werden von der Verkäuferin in gutem Deutsch angesprochen. Anscheinend sieht man uns die Herkunft an. In dem kurzen Gespräch verrät sie uns, dass sie Deutsch von ihrer Großmutter gelernt hat.

Auf der D 193 geht es weiter nach Gérauvillier. Dort treffen wir erneut den Verkaufswagen und wieder reden wir ein wenig miteinander. Die einsilbige Frage nach unserem Ziel „Compostelle“ beantworten wir intensiv mit „ja“. Hinter dem Dorf führt unser Weg durch Ackerlandschaft, die Sonne scheint und es ist warm. Unsere Getränkevorräte neigen sich allmählich dem Ende zu. In der Ferne sehen wir einen Viadukt einer nicht mehr in Betrieb befindlichen Bahnlinie, den wir kurz darauf erreichen. Nach einem Kilometer sind wir in Abainville, wo wir freudig ein kleines, geöffnetes Geschäft vorfinden. Wir kaufen zwei Dosen Cola und lassen uns anschließend auf den Treppenstufen der örtlichen gotischen Kirche nieder. Bevor wir unsere Mittagsvesper halten, besichtigen wir die offene Kirche, die durch ihre helle Gestaltung sehr freundlich erscheint. Dann befreien wir unsere Füße von Socken und Schuhwerk und stellen fest, dass alles in Ordnung ist. Nach der Mahlzeit wird es wieder Zeit, das verbleibende Stück bis nach Gondrecourt zu absolvieren. Wir laufen durch ein kleines Gewerbegebiet entlang des Flusses „Ornain“ und tauchen am Ortsende in eine grüne Oase ein. Unterwegs passieren wir eine große Fischzucht und stehen gegen 14.45 Uhr vor unserem „Hôtel Central“.

Auch hier haben wir kaum Schwierigkeiten, uns verständlich zu machen. Ich nutze mein weniges Französisch und Jörg spricht Englisch. Da unser Zimmer noch nicht fertig ist, bestellen wir uns etwas zu trinken. Unser Durst ist sehr groß, unser Deckel weist anschließend vier Bier, eine Cola und einen Espresso auf. Zudem haben wir eine angenehme Unterhaltung mit dem Chef des Hauses, der uns gute Tipps für den morgigen Tag gibt. Dabei erzählt er, dass er schon einmal in Koblenz war! Das ist eine Überraschung und Grundlage für einen weiterhin guten Verlauf. Er empfiehlt uns, morgen ein Stück mit dem Taxi zu fahren, da die zu erwartende Strecke um die 35 Kilometer lang sein wird. Das Taxi würde er uns morgen bestellen. Dieses Angebot nehmen wir sehr gerne an, da wir sowieso schon mit dem Gedanken gespielt hatten, die morgige Tour etwas abzukürzen. Dann ist auch das Zimmer fertig, eine kleine Kammer unter dem Dach mit einem kleinen Bad mit Dusche dabei. Das reicht uns völlig und wir sind sehr zufrieden damit. Nach dem Duschen besichtigen wir die im 10. Jahrhundert erbaute romanische Kirche, die uns sehr ursprünglich vorkommt. Mir gefallen solche alten Kirchen sehr. Anschließend machen wir einen Spaziergang durch den Ort und erklimmen eine Anhöhe mit wunderschönem Ausblick und einem Turm aus dem 15. Jahrhundert, der jetzt ein Rittermuseum beherbergt. Auf dem Weg zurück zum Hotel kaufen wir in einem Supermarkt unseren Getränkevorrat für morgen ein, als Zugabe noch einen Viererpack „Magnum Pistazie“. Das Eis wird direkt auf einer Mauer am „Ornain“ vernichtet. Nach einer kurzen Pause in unserem Zimmer nehmen wir im Hotel unser Abendessen ein. Dabei sitzen wir unmittelbar über dem Fluss und können Schwäne und Forellen beobachten. Wir bekommen: entrecôte, frites, salade, fromage blanc avec rhubarbe und eine Flasche Medoc. Es schmeckt sehr gut und wir begeben uns anschließend zufrieden zur Nachtruhe.