Von Toul nach Montigny-les-Vaucouleurs (24. Mai 2012)

Um 7.00 Uhr nehmen wir unser Frühstück in einem Restaurant ein, das sich im Erdgeschoss des Hotels befindet. Jörg und ich haben beide nicht gut geschlafen. Die in Frankreich übliche große Matratze hatte in der Mitte eine Kuhle, sodass wir beide versucht haben, möglichst außen zu liegen, um nicht ständig nach innen zu rollen. Aber auch so eine Nacht haben wir einigermaßen hinbekommen. Man serviert uns ein Baguette, Butter und Marmelade und nach Wunsch Kaffee oder Kakao. Das hört sich zwar nicht viel an, reicht aber vollkommen aus, um satt zu werden. Anschließend packen wir unsere Rucksäcke ein. Ich verstaue darin heute auch meine Wanderstiefel wegen der Rötungen an den Waden, ziehe Socken und Sandalen an. Die Rezeption ist zu dieser Zeit unbesetzt, den Zimmerschlüssel werfen wir in einen dafür vorgesehenen Briefkasten. In einer Boulangerie besorgen wir uns noch zwei Ficelles, das sind dünne Baguettes. Dann marschieren wir über die „Rue Jeanne d´Arc“ und die Reste des gleichnamigen Tors aus Toul hinaus. Über den „Boulevard Pinteville“ und die „Avenue Maréchal Foch“ erreichen wir eine Kaserne, die wohl ein Transportregiment beherbergt. Aus dem Kasernentor rollt dann auch eine Kolonne mit schweren LKWs heraus. Kurz hinter der Kaserne befindet sich eine großflächige Kriegsgräberstätte, die wir uns etwas genauer betrachten. Dabei sehen wir nicht nur Grabmale aus dem ersten Weltkrieg, sondern auch aus dem Indochina-Krieg der 50er-Jahre. Hier ruhen neben französischen Gefallenen auch zahlreiche Kanadier. Auffällig sind die unterschiedlichen Kennzeichnungen der Gräber für christliche, muslimische und jüdische Soldaten.

Wir laufen jetzt an der D 11B entlang und überqueren einen Bahnübergang, den kurz vor uns noch ein Zug passiert hat. Hinter der nächsten Kurve erreichen wir das Dorf Choloy-Ménillot. Am Ende des Dorfes biegen wir nach links in die „Rue Marcel André“ und befinden uns am Beginn eines längeren Anstieges, der zum Glück durch den Wald führt. Allmählich kommt nämlich die Sonne raus und die Temperaturen steigen merklich an. Der Weg ist von dem Unwetter der letzten Tage in dieser Region sehr ausgewaschen worden. Ich muss mit meinen Sandalen an den Füßen gut aufpassen, dass ich nicht ständig auf lose Steine trete und umknicke. Aber zum Glück geht alles gut und auf der Höhe muss ich nicht mehr auf Steine aufpassen, sondern auf unzählige große und kleine Pfützen. Jörg geht voraus und lotst mich gut durch das Pfützenlabyrinth, sodass ich tatsächlich mit trockenen Füßen da durchkomme. Wir überqueren bald die Grenze zwischen den Departements „Meurthe-et-Moselle“ und „Meuse“. An dem Grenzstein machen wir ein Erinnerungsphoto. Ab hier geht es wieder abwärts, der Weg ist ebenfalls sehr ausgewaschen und mit tiefen Furchen durchzogen. Wir erreichen den Waldrand und beschließen, am Wegesrand unsere Mittagsrast einzulegen.

Wir ziehen unsere Hemden aus, legen sie zum Trocknen über einen Zaun und schmieren uns noch mit Sonnencreme ein. Danach verzehren wir die Ficelles und Salami und gleichen den Flüssigkeitsverlust aus. Nach einer guten halben Stunde geht es weiter parallel zum Waldrand, bis wir auf die D 960 stoßen. Nur wenige Schritte weiter sind wir in dem Dörfchen Rigny-Saint-Martin. Mit Interesse schauen wir uns die Kirche an. Diese ist als Rundbau errichtet worden und grenzt sich somit von allen bisherigen Kirchen deutlich ab. Die Innenausstattung ist sehr spärlich, aber trotzdem hat die Kirche ihren Reiz. Ich nutze die Gelegenheit zu einem kurzen Gebet. Es geht nun leicht aufwärts und wir überqueren die D 74. Schließlich erreichen wir das Dörfchen Chalaines und laufen weiter auf der D 960 nach Vaucouleurs. Wir befinden uns hier bereits in der Region der Jeanne d´Arc, deren Spuren in Vaucouleurs deutlich werden. Am Ortseingang werden wir mit einem großen Hinweisschild darauf aufmerksam gemacht. Im Zentrum sind ein Reiterstandbild der französischen Heldin sowie ein Museum. Dort bekommen wir auch einen Stempel. Leider gibt es hier keine Bar, denn wir würden jetzt gerne etwas Kaltes trinken. In einer Boulangerie werden unsere Gelüste erfüllt und wir kaufen uns jeder eine Flasche Cola. Anschließend besichtigen wir die Kirche Saint-Laurent aus dem 18. Jahrhundert und setzen dann unseren Weg fort, der uns an der alten Burgkapelle und dem „Porte de France“ vorbeiführt. Von hier an geht es weiter aufwärts, bis wir erneut die D 960 erreichen und überqueren, dann durch ein Stück Wald, immer leicht abwärts.

Nach circa drei Kilometern sind wir in Montigny-les-Vaucouleurs und finden recht schnell die „Villa Claudette“, unsere heutige Unterkunft. Wir werden sehr nett von Madame Lambert empfangen und mit einem kühlen Bier und Wasser versorgt. Die Verständigung ist nicht einfach, weil sie weder Deutsch noch Englisch spricht, aber wir bekommen alles geregelt. Unser Zimmer, das „La Marina“, ist ein Traum in Blau und hat eine Größe von 21 m² mit einem Badezimmer von 6 m². Hier fühlen wir uns direkt wohl. Wir nutzen die Gelegenheit und waschen unsere Wäsche, die im Garten aufgehängt werden kann. Madame Lambert macht dafür extra Platz für uns auf der Wäschekleine. Meine Waden sind immer noch leicht gerötet und mit kleinen Bläschen übersät, sodass ich, wie bereits gestern, kaltes Wasser in die Badewanne einlasse und meine Füße darin kühle. Die 25 Kilometer des heutigen Tages in Sandalen, für die wir gut fünfeinhalb Stunden unterwegs waren, haben mir keine Probleme bereitet. Ich glaube, das war die richtige Entscheidung. Anschließend nutzen Jörg und ich gerne die Möglichkeit und nehmen jeder ein Bad. Den ganzen Tag hatten wir schönes Wetter, Sonnenschein und blauen Himmel. Jetzt, kurz vor dem Abendessen ziehen Wolken auf und es wird dunkler. Über uns zieht ein kurzes, aber heftiges Gewitter hinweg. Das Abendessen nehmen wir mit je einem älteren Ehepaar aus Belgien und Frankreich ein. Es gibt Schweinebraten, Kartoffelgratin und Salat und schmeckt richtig gut nach Hausmannskost. Wir schaffen es tatsächlich, alle Schüsseln zu leeren. Doch damit nicht genug: Madame Lambert serviert noch eine Camembert-Torte mit Baguettes und als Dessert gibt es noch selbstgemachten Rhabarberkuchen. Leider spricht nur der Belgier etwas Deutsch, aber irgendwie kommt trotzdem eine Unterhaltung zustande und es ist ein netter Abend, der gegen 21.00 Uhr mit einem vollen Bauch endet.