Von Nancy nach Toul (23. Mai 2012)

Wir stehen heute ohne die Unterstützung unseres Weckers um 6.00 Uhr auf und machen uns ein wenig frisch für das Frühstück, das ab 6.30 Uhr bereitsteht. Es sind noch nicht viele Gäste im Frühstücksraum, sodass wir uns einen freien Tisch nach Wahl aussuchen können. Nach einer ausgiebigen Stärkung packen wir unsere Ausrüstung ein und marschieren um 7.30 Uhr aus dem Hotel. Über die „Rue Jeanne d´Arc“ erreichen wir die „Rue de la Commanderie“, der wir gut drei Kilometer folgen. Dabei ändert die immer schmaler werdende öfter den Namen und erreicht allmählich ansteigend die äußeren Wohngebiete von Nancy. In einer Boulangerie kaufen wir noch zwei kleine Baguettes für die Mittagsrast und füllen noch einmal die Wasservorräte auf. Wir unterqueren die A 33, passieren die weitläufigen Sportanlagen des „Stade R. Bambock“ und erreichen das Wohngebiet Clairlieu. Unser Weg führt uns an den Nordrand der Siedlung und schließlich in den Foret Domaniale de Haye, den wir auf den nächsten zehn Kilometern durchwandern. Mitten im Wald machen wir an einem Kreisel mit einer Schutzhütte eine erste Rast und verspeisen einen Apfel.

Bereits nach einer Viertelstunde machen wir uns wieder auf den Weg durch den kühlen Wald. Unterwegs begegnen wir einigen Waldarbeitern, die in einem biologischen Testgelände zu tun haben. Dieses Gebiet wurde nach einem verheerenden Sturm im Jahre 1999 eingerichtet, um die natürliche Regeneration des Waldes zu erforschen. Am Ende des Waldes stoßen wir auf die D 909, die zwar nicht stark, aber sehr rücksichtlos befahren wird. Nach rund drei Kilometern erreichen wir das Örtchen Villey-le-Sec. Im Zentrum, unmittelbar neben der Mairie, finden wir eine Bank vor, die uns ideal für die Mittagsrast erscheint. Heute gibt es zur Abwechslung mal Baguette und Salami, dazu kühles Wasser. Anschließend schauen wir uns die Befestigungsanlagen des örtlichen Forts an. Die imposanten Bauten sind für uns schon vom Beruf her interessant und wurden im Zeitraum 1874 - 1879 im Nachgang des deutsch-französischen Krieges als Schutz für Toul gebaut. Leider ist die Festung nur sonntags zur Besichtigung geöffnet. Wir laufen weiter entlang der Landstraße, weichen dann aber von unserem Führer ab und biegen nach links in ein Waldgebiet ein. So entkommen wir dem Autoverkehr der Straße und befinden uns in etwas kühlerem Terrain. Der Waldweg verläuft bogenförmig, fast parallel zur Straße, und lässt sich sehr angenehm laufen. Im Wald selbst entdecken wir die Ruinen mehrere Gebäude, die wohl zu früheren Zeiten als militärische Unterkünfte dienten.

Bisher bedeckten zahlreiche Wolken den Himmel, aber jetzt kommt doch noch die Sonne raus. Gleichzeitig stelle ich ein leichtes Brennen an meinen Waden auf Höhe der Oberkante meiner Wanderstiefel fest. Das gefällt mir gar nicht. Ich bin gespannt, was mich heute Abend beim Ausziehen erwartet. Nach rund vier Kilometern erreichen wir einen Vorort von Toul und haben einen tollen Ausblick von einer Anhöhe auf die Kathedrale. Es ist 15.00 Uhr, als wir nach der Überquerung der Mosel an der mittelalterlichen Stadtmauer mit Wassergraben entlangwandern. Über die „Rue Drouas“ betreten wir Toul, laufen durch eine kleine Grünfläche und befinden uns unmittelbar vor der Kathedrale, die wir zunächst besichtigen. Uns fällt die großzügige Räumlichkeit der im Jahre 1221 begonnenen und 1496 vollendeten Kirche auf. Während sich das Mittelschiff nach der Restaurierung in einem prachtvollen Zustand präsentiert, sehen die Seitenschiffe sehr vernachlässigt aus. Hier scheint einfach das Geld für weitere Sanierungsarbeiten zu fehlen. In der neben der Kathedrale befindlichen Tourist-Information werden wir von einer freundlichen Dame direkt auf Deutsch angesprochen und erhalten einen Stempel für unseren Pilgerausweis. Danach schlendern wir über die „Rue Michatel“ zum „Place de Trois Évéchés“, wo wir das von uns gebuchte „ABC Hotel“ finden. Zu unserer Überraschung ist das Hotel bereits geöffnet. Eigentlich sollte die Rezeption erst ab 18.00 Uhr besetzt sein. Das uns zugewiesene Zimmer ist zwar nicht sehr groß, für unsere Zwecke aber ausreichend. Der Mitarbeiter ist sehr bemüht und spricht gutes, verständliches Englisch.

Wie immer, kümmern wir uns zunächst um unsere Ausrüstung und dann um uns selbst. Als ich Stiefel und Socken ausziehe, brennt es immer noch und es kommen rote, schmerzende Flecken mit kleinen Bläschen oberhalb der Fersen zum Vorschein. Ich kann mir überhaupt nicht erklären, wo die Ursache hierfür liegt. Habe ich die Stiefel vielleicht nicht fest genug gebunden und die Füße und Beine schwammen darin? Morgen werde ich zur Schonung erst einmal in Sandalen losgehen und später die Stiefel anziehen. Jetzt lasse ich kaltes Wasser in die Badewanne ein und kühle meine Beine. Nachdem sowohl Jörg als auch ich ein Bad genommen haben und einige Kleidungsstücke auf der Wäscheleine hängen, suchen wir einen Supermarkt auf, den wir schon auf der Moselbrücke gesehen hatten. Wir kaufen unser Abendessen ein: französischen Weichkäse, Trinkjoghurt, Bier und eine kleine Melone. Die Einkäufe bringen wir zunächst in unser Zimmer und suchen uns noch eine Boulangerie, um Baguettes zu bekommen. Unterwegs nehmen wir in einer Straßenbar ein Bier zu uns, um den ersten Durst zu löschen. Den Rest des Abends verbringen wir auf dem Zimmer und verspeisen unsere Einkäufe bis auf die letzten Krümel und Tropfen. Bevor wir uns bettfertig machen, bildet ein Kapitel Hape den Tagesabschluss.