Von Sarstedt nach Hildesheim (15. Oktober 2012)

Die Anfahrten zu den Startorten meiner Pilgeretappen dauern immer länger, ich entferne mich inzwischen immer mehr von meinem „Stützpunkt“ Hannover. Mit der Stadtbahn fahre ich zunächst zum Hauptbahnhof, von dort mit der S-Bahn weiter nach Sarstedt. Ich habe auch heute wiederum Glück mit dem Wetter. Es bleibt trocken und der Himmel erstrahlt in einem leuchtenden Blau. Vom Bahnhof Sarstedt laufe ich zu dem Punkt, an dem ich gestern Abend die Etappe beendet habe. Von da aus finde ich gleich den markierten Weg, der mich zunächst zu der katholischen Heilig-Geist-Kirche führt, die aber verschlossen ist.

Weiter geht es durch die Innenstadt und eine Erhebung hinauf, auf der sich die evangelische Kirche St. Nikolai befindet, die im Jahre 1457 vollendet wurde. Ich freue mich, dass das Kirchenportal offen ist, allerdings ist der Zugang zur Kirche selbst wiederum verschlossen. Es reicht aber, um einen Blick  durch die Glastüren in den schön gestalteten, aber unbeleuchteten Innenraum zu werfen. Ich verlasse Sarstedt an einem Schießstand und einer Kleingartenanlage und folge der Innerste. Zu meiner Linken befinden sich vereinzelte Seen, ansonsten laufe ich durch abgeerntete Felder auf Ahrbergen zu. Vor der Ortschaft biege ich nach rechts ab zum Friedhof, um mir die katholische Kirche St. Peter und Paul anzusehen. Diese wurde 1745 fertig gestellt, der Kirchturm stammt bereits aus dem frühen 12. Jahrhundert. Die Kirche ist natürlich nicht geöffnet. Ich begebe mich zurück auf den Weg, der nun wieder als schmaler Pfad entlang der Innerste verläuft. Bisher sind mir unterwegs so gut wie keine Menschen begegnet, heute treffe ich einen Mann mit seinem Hund, die mir bereitwillig Platz machen.

Ich laufe jetzt am Straßenrand einer Kreisstraße entlang und an einem Klärwerk vorbei. Vor mir türmt sich in der ansonsten flachen Landschaft eine Kali-Abraumhalde eines früheren Bergwerkes auf. In diesem Moment geht die Sonne unter und versteckt sich hinter dem Hügel. Ich habe das Gefühl, dass die Temperatur schlagartig um einige Grad abgefallen ist. Auf einer Wiese links von mir hält sich eine größere Schafherde auf, die plötzlich auf Pfiff des Schäfers in seine Richtung rennt. Zwei Ecken weiter treffe ich auf die katholische Kirche St. Vitus, die sogar noch geöffnet ist. Diese Gelegenheit nutze ich aus, um sie mir anzusehen und für eine Weile zu einem Gebet zu bleiben. Erst jetzt stelle ich fest, dass der beschriebene Weg des Führers bereits vor dem Ort abzweigen sollte, was ich nicht verstehen kann, denn für einen Pilger sind Kirchen immer ein lohnendes Ziel. Also orientiere ich mich mittels meiner Wanderkarte und laufe weiter durch den Ort bis zur K 509, auf die ich nach der Beschreibung sowieso getroffen wäre.

Nach der Überquerung der Straße biege ich in einen Feldweg ein, passiere ein Wegkreuz und gehe direkt auf den Sportplatz von Hasede zu. Vor dem Sportlerheim schauen mir einige Mütter von Fußball spielenden Kindern gelangweilt zu, wie ich meine Taschenlampe aus dem Rucksack nehme. Es geht nun durch ein dunkles Waldstück, danach durch ein Naturschutzgebiet immer parallel zur Innerste. Nach circa drei Kilometern erreiche ich die „Mastbergstraße“, die ich überquere. Hier bin ich in Himmelsthür, wo es noch bis vor kurzer Zeit das „Himmlische Postamt“ gab, von wo aus Briefe an den Weihnachtsmann beantwortet wurden. Ich streife den Ort aber nur am Rande und gehe noch ein wenig weiter am Ufer der Innerste, bis ich schließlich in Hildesheim ankomme. Ein Blick auf die Uhr lässt mich das Tempo etwas erhöhen, denn in wenigen Minuten fährt mein Zug zurück nach Hannover. So kann ich mir heute leider nichts mehr von der Stadt ansehen. Kurz vor der Abfahrt steige ich in den Zug ein und bin froh, nicht noch ein Stunde auf den nächsten warten zu müssen.

Eigentlich wollte ich mir am übernächsten Tag Hildesheim ansehen und von dort weiterpilgern bis zum Kloster Marienrode und nach Diekholzen. Anhaltende Übelkeit in der Nacht war die Ursache für die Nichtdurchführung dieses Vorhabens.