Von Laatzen nach Sarstedt (11. Oktober 2012)

Mich erwartet heute die letzte Halbetappe auf der Via Scandinavica für diese Woche, die mich nach Sarstedt bringen wird. Wie immer fahre ich kurz nach 16:00 Uhr mit der Stadtbahn über den Hauptbahnhof zu meinem Startort. Ich muss allerdings zwischendurch umsteigen, da die Bahn einen Bogen um Laatzen macht. Zehn Minuten später fährt die richtige Linie an der Haltestelle vor und bereits drei Stationen weiter steige ich schon wieder aus. Ich gehe sofort zu der Brücke, an der ich gestern Abend meine Pilgerwanderung beendet habe.

Der markierte Weg führt mich unmittelbar an der Leine entlang, vorbei an einigen Fußballplätzen mit lautem Kindergeschrei und später an einigen blökenden Schafen. Schon bald bin ich in Grasdorf an einer Brücke, wo sich einige Boulespieler vergnügen. Hier mache ich einen kurzen Abstecher zur evangelischen Kirche St. Marien aus dem 18. Jahrhundert (allerdings ist der Kirchturm um einiges älter). Gegenüber liegt das Pfarrhaus mit Pfarramt, das heute bis 17:00 Uhr offen sein soll. Ich wittere die Chance, einen Stempel für den Pilgerausweis zu ergattern. Über mir öffnet sich ein Fenster und die Ehefrau des Ortspfarrers fragt nach meinem Begehr. Sie unterbricht extra ein Gespräch und gibt einem ebenfalls wartenden Vater eine Trinkflasche seines Kindes und mir das Pfarrsiegel. Ich bedanke mich herzlich und möchte mir gerne noch die Kirche anschauen. Auch das macht sie mir möglich, denn gerade ist eine Kindersingstunde in der Kirche zu Ende und sie weist an, die Kirche noch offen zu lassen. Ich nutze die Zeit für eine kleine Pause und ein Gebet.

Wieder zurück auf dem Jakobsweg überquere ich die Brücke und bleibe weiter an der Leine. Zu meiner rechten Seite befinden sich zahlreiche Weiden und Koppeln, teilweise auch mit Pferden darauf. Mitten auf einer Weide entdecke ich in luftiger Höhe ein heute verlassenes Storchennest. Am Zaun befindet sich ein dazu passendes Schild, auf dem die geschlüpften Jungen der letzten Jahre vermerkt sind. Der beschriebene Weg, der nun durch ein Wasserschutzgebiet verlaufen soll, wird mir durch ein mit einem Schloss versehenen Tor versperrt. Also umlaufe ich das Gebiet über eine großflächige Wiese und gelange so auf die andere Seite mit einem weiteren Tor. Ich wäre wohl besser links direkt an der Leine entlanggelaufen, das wäre kürzer gewesen. Ich überquere den Fluss und bleibe auf einem Fahrradweg durch abgeerntete Felder. Es ist jetzt auch die Zeit des Sonnenunterganges gekommen. Am Himmel entstehen aus dem Zusammenspiel von Sonne und Wolken bunte Bilder, die aber genauso schnell wieder verschwinden, wie sie entstanden sind.

Ich laufe unter der B 443 hindurch und befinde mich im Naturschutzgebiet „Leinemasch“. Ein gewalzter Fahrradweg führt durch die „Koldinger Seen“, einem ehemaligen Kiesabbaugebiet, das ein gutes Beispiel für eine gelungene Rekultivierung ist. Hier haben zahlreiche Tiere ein natürliches Rückzugsgebiet gefunden. Von einer Aussichtsplattform kann ich zwar viele Vögel hören, aber kaum welche sehen. Nach circa vier Kilometern erreiche ich das Dörfchen Ruthe. Jetzt laufe ich an der Innerste entlang, einem Zufluss der Leine. Jetzt muss ich wiederum meine Taschenlampe aus dem Rucksack holen und einschalten, denn ich kann kaum noch etwas sehen. Zum Glück bin ich rasch in Sarstedt und begebe mich direkt zum Bahnhof. Leider muss ich eine halbe Stunde auf den nächsten Zug warten, der mich schließlich zum Hauptbahnhof bringt. Mit der Stadtbahn fahre ich zu meiner Unterkunft und gerate sogar noch in eine Fahrkartenkontrolle.