Von Hannover nach Laatzen (10. Oktober 2012)

Auch heute bin ich wieder zu einer günstigen Zeit in der Innenstadt von Hannover. Von der Stadtbahn-Station schlendere ich noch ein wenig durch die Fußgängerzone. Dabei komme ich an einer Einrichtung der katholischen Kirche (ka:punkt) vorbei und lasse mir deren Stempel in den Pilgerausweis drücken. Kurz darauf erreiche ich das frühere Rathaus und die Marktkirche. Im Hellen sehen beide Gebäude in ihrer Backsteinbauweise noch imposanter aus als am gestrigen Abend.

Die Kirche wurde Mitte des 14. Jahrhunderts auf den Fundamenten eines um 1125 entstandenen Vorgängerbaues errichtet. Im zweiten Weltkrieg wurde das Gebäude bei zwei Luftangriffen stark zerstört und ab 1946 wieder aufgebaut. Über dem Eingangsportal thronen zwei Skulpturen der beiden Kirchenpatrone Georg und Jakobus. Auf einem Taufbecken (vermutlich um 1500 entstanden) entdecke ich eine weitere Jakobusdarstellung. Das Innere der Kirche wirkt durch den fehlenden Putz und die nackten Backsteine zunächst recht ungewöhnlich, strahlt aber gerade dadurch eine gewisse Wärme aus. Ich lasse mich auf einer der vorderen Bänke nieder und verweile etwas für ein Gebet. Nach der Kirchenbesichtigung wird es Zeit, mich auf meinen heutigen Weg zu begeben. Ich laufe am Leineschloss vorbei, in dem heute der niedersächsische Landtag seinen Sitz hat,  unterquere den „Friedrichswall“ und stehe vor dem ersten Rätsel des heutigen Tages.

Die Beschreibung des Weges ist hier nicht ganz eindeutig, sodass ich mich einfach rechts der Leine halte und dieser in südlicher Richtung folge. Am Ende des herbstlich-bunten Weges erreiche ich eine breite Straße. Auf der gegenüberliegenden Seite kann ich das Fußballstadion von Hannover 96 erkennen. Ich passe einen guten Augenblick ab, flitze schnell über die verkehrsreiche Straße und biege in das „Karl-Thiel-Ufer“ ein. Schon stehe ich am nördlichen Rand des 2,4 km langen Maschsees. Ich gehe einfach auf dem Fußweg in der Nähe des Seeufers weiter. Der sonnige Spätnachmittag lockt zahlreiche Fußgänger, Läufer und Skater in das Naherholungsgebiet. An der „Schwienbrücke“ soll ich wieder die Leine überqueren, aber ich finde auch nach intensivem Studium meiner Wanderkarte nicht den richtigen Weg. Zu Hause hatte ich mir eine Karte der Via Scandinavica aus dem Internet ausgedruckt, die ich jetzt zu Rate ziehe und nach der ich weiterlaufe. In meinem Führer ist der von mir eingeschlagene Weg als offizieller Weg eingezeichnet, aber der Alternativweg wurde beschrieben. 

Jetzt erst bemerke ich, wie schnell ich aus dem Trubel der Landeshauptstadt herausgekommen bin. Um mich herum herrscht auf einmal eine ganz andere, naturverbundene Geräuschkulisse. An der „Döhrener Brücke“ entdecke ich in meinem Blickfeld einen gelben Pfeil, also bin ich wohl richtig gelaufen. Ich folge weiterhin dem Verlauf der Leine bis nach Döhren und passiere dort ein Brückenhaus. Es ist bereits 19:00 Uhr, und die Sonne scheint sich für heute verabschieden zu wollen. Über eine Holzbrücke gelange ich in den „Schwarzer Weg“, dem ich bis zur „Wilkenburger Straße“ folge. Auf der anderen Straßenseite sehe ich erstmals wieder zwei blaue Muschelwegweiser.  Ich bleibe weiter an der Leine, jetzt auf einem schmalen Pfad. Am anderen Ufer höre ich zahlreiche Kinder ausgelassen nahe einem Jugendgästehaus spielen, sehe sie aber nicht. Es geht weiter durch ein Naturschutzgebiet, das ich jetzt mit Hilfe meiner Taschenlampe durchlaufe. Bald erreiche ich die ersten Ausläufer von Laatzen. Dort biege ich in den „Leinerandweg“ ein, wo ich von zwei kläffenden Hunden begrüßt werde.

Am Ende der Straße geht es weiter über einen Trampelpfad entlang der Leine bis zu einer Brücke, wo ich meine heutige Etappe beende. Ab hier sind es nur noch ein paar Meter bis zur nächsten Station der Stadtbahn in Laatzen. In einem Supermarkt decke ich mich mit einem kleinen Snack ein, telefoniere noch mit meiner Frau und erwarte dann die nächste Bahn, die mich wieder zu meiner Unterkunft bringt.