Von Altwarmbüchen nach Hannover (9. Oktober 2012)

Heute kann ich gegen 16:00 Uhr mit der Stadtbahn über den Hauptbahnhof nach Altwarmbüchen fahren, wo ich meinen Weg von gestern Abend fortsetzen möchte. Am Bahnhof kaufe ich mir in einem Supermarkt etwas Obst und ein paar Würstchen für unterwegs. Nach einer guten halben Stunde Fahrt und einigen Metern Fußweg stehe ich genau an der Stelle, wo ich wegen der Dunkelheit den markierten Weg nicht gefunden habe. Heute habe ich zur Sicherheit meine Stablampe dabei, damit mir das nicht noch einmal passiert.

An einem Baum entdecke ich einen Muschelwegweiser, der mich nach rechts weist. Allerdings laufe ich hier nicht, wie im Führer beschrieben, in den „Locksweg“, den es wahrscheinlich gar nicht gibt, sondern in den „Soorenweg“. Zunächst geht es aber in die gleiche Richtung, aus der ich gestern gekommen bin. Bald biege ich aber schon nach links in den „Entenpfuhl“ ein. Hier passiere ich ein kleines Fischgewässer und erreiche ein paar Häuser. Dahinter komme ich in die Straße „In den Gärten“ und befinde mich in einer Wiesenlandschaft, die ich in einem leichten Rechtsbogen durchquere. Links von mir sehe ich eine Kleingartenanlage, an deren Zufahrt sich die Straße nach links fortsetzt. Hier stehe ich vor dem Ortsschild „Landeshauptstadt Hannover“. Halb versteckt lugt am Straßenrand ein Hinweisschild auf den historischen Postweg hervor. Ab hier wird es keine Muscheln mehr geben, denn die Stadt Hannover hat wohl einer entsprechenden Markierung nicht zugestimmt.

Es geht weiter über die Straße „Im Heidekampe“. Schließlich quere ich die A 2 und erreiche Lahe. Ich  biege aber sofort nach links in die Straße „Im Klingenkampe“ ein, vorbei an einem Gestüt mit zahlreichen Koppeln und ausschwitzenden Pferden. Es geht weiter entlang der kaum befahrenen Straße bis zu einer kleinen Brücke, an der ich erneut nach links gehe und dem „Lahrer Graben“ folge. Auch hier gibt es wieder einige Koppeln. Schon bald endet die ländliche Idylle, vor mir tauchen die ersten gläsernen Verwaltungsgebäude auf. Ich überquere die „Kirchhorster Straße“ und laufe geradeaus in den „Paracelsusweg“ in eine parkähnliche Anlage, wo ich wieder einmal Schwierigkeiten habe, den richtigen Weg zu finden. Doch dann rettet mich ein kleiner gelber Pfeil mit schwarzer Muschel an einem Laternenpfahl, dem ich munter durch die Unterführung der B 3 folge. Unmittelbar dahinter stoße ich auf Kloster „Maria Frieden“ der polnischen Mission, deren Kirche aber verschlossen ist. Ich frage mich zum Mittellandkanal durch und erreiche eine Brücke, die ich nutze. Hier verwirrt mich mein Führer: gemäß der gezeichneten Karte befinde ich mich auf dem Pilgerweg, beschrieben wird aber die Alternativroute.

Hinter der Brücke biege ich in die „Milanstraße“ ein und treffe auf ein kleines Karmeliterinnen-Kloster. Am liebsten würde ich klingeln und nach einem Stempel für den Pilgerausweis fragen, aber laut Schaukasten findet gerade ein Gottesdienst statt. Da möchte ich nicht stören. Der Führer schickt mich jetzt durch ein Wohngebiet ohne vernünftige Markierung. Es wäre einfacher und sinnvoller gewesen, von der Kanalbrücke aus auf der „Schierholzstraße“ zu gehen, denn genau da komme ich nach einigem Umweg wieder heraus. Am Ende der Straße unterquere ich die B 3 und stehe vor der evangelischen Matthiaskirche. Hier bemerke ich auch, dass es schon wieder dunkel geworden ist. Vor mir taucht zwischen den Bäumen in luftiger Höhe der beleuchtete Fernmeldeturm „Telemax“ auf. Über die „Groß-Buchholzer Straße“ gelange ich zur „Gehägestraße“ und wandere zum „Steuerndieb“. Dabei verzehre ich meine Einkäufe. Dann hole ich meine Stablampe aus dem Rucksack und studiere eine Übersichtstafel der „Eilenriede“, dem Stadtwald von Hannover. Hier muss ich durch, wo es  stockdunkel ist. Also Lampe anmachen und loslaufen. Zwischendurch überholen mich Fahrradfahrer oder begegnen mir Läufer mit Stirnlampen.

Es macht mir keine Schwierigkeiten, mich mit dem mir voranschreitenden Lichtkegel auf dem Waldweg zurechtzufinden. Nach circa drei Kilometern verlasse ich den Wald und laufe an der Hochschule für Musik und Theater vorbei. Über die „Königsstraße“ geht es in Richtung Zentrum von Hannover. Ich bin überrascht, dass so wenige Leute auf der Straße unterwegs sind. Erst hinter dem angestrahlten Opernhaus hasten vermehrt mit schweren Einkaufstüten beladene Menschen durch die Stadt. Ich biege in die „Ständehausstraße“ ein und erreiche am Ende der „Grupenstraße“ mein heutiges Ziel, die evangelische Marktkirche „St. Georgii et Jacobi“ aus dem 14. Jahrhundert. Verständlicherweise ist die Kirche zu dieser Zeit geschlossen, ich werde jedoch morgen bei der Fortsetzung meiner Pilgertour auf der Via Scandinavica mit einer ausgiebigen Besichtigung der Kirche beginnen. So bewege ich mich auf die nächste Station der Stadtbahn zu und fahre zu meiner Unterkunft. Dort mache ich mich frisch und schreibe noch einige Notizen zum heutigen Tage nieder.