Von Schlossböckelheim zum Disibodenberg (7. Oktober 2016)

Heute Morgen ist sehr trüb draußen und die nasse Straße zeugt von einem Regenschauer. Das schmälert allerdings nicht unsere gute Laune, die durch ein üppiges Frühstück sogar gesteigert wurde. Dann geht es los, zunächst auf der K 58 und nach der Überquerung der Bahnlinie steil aufwärts auf einer kleinen Fahrstraße durch den Weinberg nach Schloßböckelheim. Auf der Burg Böckelheim, heute nur noch als Ruine erhalten, setzte der spätere deutsche Kaiser Heinrich V. seinen damals regierenden Vater Heinrich IV. über die Weihnachtstage 1105 fest und bereitete damit seine eigene Machtübernahme vor.

Nach dem anstrengenden Aufstieg zum Ortsteil Schloß geht es über eine Treppe abwärts zum Ortsteil Tal, um gleich anschließend erneut einem aufwärts führenden Wirtschaftsweg in höhergelegene Weinberge zu folgen. Direkt vor uns kommt der Heimbergturm immer näher. Den Turm hatte wir bereits gestern von weitem im Visier gehabt und wollten ihn besteigen. Einige aus unserer Pilgergruppe setzen diesen Plan auch um und erklimmen den 29 m hohen Aussichtsturm. 144 Stufen weiter haben wir traumhafte Ausblicke in die Umgebung. Trotz dem etwas diesigen Wetter können wir in der Ferne die ehemalige Klosterkirche von Sponheim im Norden und den Disibodenberg im Südwesten erkennen.

Wir laufen weiter durch die Weinberge und gelangen allmählich wieder an die inzwischen deutlich schmaler gewordene Nahe. Der Weg führt uns an dem Fluß entlang an den Rand von Boos, wo wir zunächst entlang der Bahnlinie wandern. Während die Gleise in einem Tunnel verschwinden, müssen wir um den Distelberg herumlaufen. Schließlich gelangen wir an eine Draisinenstrecke, überqueren die Nahe und erreichen den Disibodenbergerhof. Hier treffen wir auch auf Ulrike Lindemann, die uns durch die ehemalige Klosteranlage führen wird. Doch zunächst serviert sie uns zur Mittagszeit ein Picknick, das wir aufgrund der Wetterlage im angegliederten Museum einnehmen.

Gestärkt sind wir dann bereit für den kulturellen Teil des Tages. Frau Lindemann nimmt uns mit auf die Reise in die Welt eines größeren Benediktinerklosters, in dem Hildegard von Bingen fast vierzig Jahre ihres Lebens verbrachte: zunächst mit ihrer Lehrmeisterin Jutta von Sponheim in einer Klause. Nach deren Tod wird Hildegard zur Magistra der inzwischen zu einem Kloster gewachsenen Gemeinschaft gewählt. Wir erfahren einiges aus dem Leben der Heiligen und der Entstehung des Klosters. Zunächst gründete der iro-schottische Wandermönch Disibod im 8. Jahrhundert ein erstes Kloster, das aber einige Zeit nach seinem od zerfiel. Zur Jahrtausendwende gründete der Mainzer Erzbischof ein Augustiner-Stift, das rund einhundert Jahre später von Benediktinern besiedelt wurde. Im 13. Jahrhundert übernehmen Zisterzienser das Kloster und erweitern es, bis die Anlage im Pfälzischen Erbfolgekrieg im 16. Jahrhundert zerstört und das Kloster aufgehoben wird.

An den Ruinen der ehemaligen Friedhofskapelle nutzen wir die Gelegenheit zu einer Abendmahlsfeier. Alexander führt dabei aus: „Es ist keine Wegeplanung für das Leben möglich, wenn man nicht weiß, wo man gerade ist. Auch im übertragenden, allgemeinen Sinn. Und dazu ist das Abendmahl gut: wir erfahren für einen Augenblick, dass wir zu Gottes Gemeinschaft dazu gehören - bei aller Unterschiedlichkeit. Das ist eine Standortbestimmung. Und das Abendmahl ist eine Erinnerung daran, wo es hin geht. Nämlich, wie ich es einmal irgendwo gelesen habe, immer nach Hause. Zu Gott nämlich. So bekommen wir einen Vorgeschmack darauf, was unsere Zukunft sein wird: aufgehoben sein bei Gott.“ Diese Worte an einem solch geschichtsträchtigen Ort und unter freiem Himmel haben eine besondere Wirkung auf uns, das merkt man jedem an. So ist diese Feier mit Sicherheit eines der Highlights der diesjährigen Pilgerwerkwoche.

Wir setzen danach unseren Spaziergang durch das Klostergelände fort, gehen durch die Klosterkirche, passieren den Kreuzgang, schauen uns in der Marienkapelle alte Grabplatten an und sind erstaunt über die Ausmaße der des Abteigebäudes mit dem verbliebenen Giebel. Die Zeit vergeht wie im Fluge, wir sind schon knapp zwei Stunden auf dem Areal unterwegs und es gibt immer noch etwas zu entdecken, wofür aber leider keine Zeit mehr bleibt. Wir sind dankbar für die kurzweilige Führung über den Disibodenberg und verabschieden uns ganz herzlich von Frau Lindemann.

Danach heißt es, fertig machen für die Rückfahrt nach Mainz. Dort angekommen, entladen wir die Fahrzeuge und müssen Abschied voneinander nehmen. Es war, wie in den vergangenen Jahren, eine erlebnisreiche Woche, die keiner im Jahreszyklus vermissen mag. Wir freuen uns schon heute auf ein Wiedersehen in 2017 und sind gespannt, auf wessen Spuren wir uns dann bewegen werden.