Von Bad Kreuznach nach Schlossböckelheim (6. Oktober 2016)

Auch heute lassen wir es gemütlich angehen. Nach einer sehr ruhigen Nacht und einem guten Frühstück treffen wir uns zu einem Stuhlkreis für die Morgenandacht. Alexander präsentiert zur Einleitung vier Postkarten mit je einem Schlagwort darauf, die ihm aktuell den Weg weisen. Dann holen wir unsere Vorstellungsrunde nach, in der jeder das zum Besten gibt, was im letzten Jahr für einen persönlich dankenswert war. Dabei nehmen wir die anfangs erwähnten drei Fragestellungen des ersten Tages als Grundlage für unsere Erzählungen live aus dem Leben. Alle sind sehr offen mit ihren Schilderungen - man kennt sich halt und hat keine Hemmungen. Ein paar Lieder, ein Vaterunser und der Tagessegen entlassen uns in einen hoffentlich schönen Tag.

Zunächst laufen wir hinab an die Nahe und durchqueren die Roseninsel. Anschließend  gelangen wir in den Gesundheitspark Salinental, in dem einige Gradierwerke stehen, die wir bewundernd umlaufen. Diese werden zur Erhöhung des Salzgehaltes von Wasser genutzt, das dann in die Thermalbäder eingeleitet wird. Zudem bilden die Gradierwerke mit einer Gesamtlänge von 1,1 km Europas größtes Freiluftinhalatorium.

Nachdem wir Bad Kreuznach verlassen haben, erreichen wir auf dem Uferweg an der Nahe entlang Bad Münster am Stein. Gegenüber von erhebt sich majestätisch die Burg Rheingrafenstein auf einer Felsnadel. Diese Stelle war unter anderem die Vorlage eines berühmten Gemäldes von William Turner. Wir gehen durch die Stadt und steigen dann auf einen mit Serpentinen gespickten, schweißtreibenden Weg den Felsen hinauf. Oben angekommen, haben wir einen atemberaubenden Ausblick aus 327 Metern Höhe vom Rotenfels nach Bad Münster und die Ebernburg. Die Burg erhielt im 16. Jahrhundert den Beinamen „Herberge der Gerechtigkeit“. Der damalige Burgherr Franz von Sickingen bot Martin Luther - auf dem Weg zum Reichstag nach Worms - auf der Ebernburg Asyl an, das dieser jedoch nicht annahm und stattdessen auf die Wartburg floh. Dafür waren andere verfolgte Reformatoren dort zu Gast.

Ein schmaler Pfad führt uns an der Hangkante entlang zum Aussichtspunkt Bastei, von wo man besonders gut die steil abfallende Felsformation betrachten kann. Dann ist es Zeit für die Mittagsverpflegung. Heute hat Jörg Schnitzelbrötchen und Federweißen im Angebot. Nach der erholsamen Rast geht es weiter - zunächst auf der Höhe, dann am Rande der etwas tiefer gelegenen Ortschaften Traisen und Norheim vorbei, um schließlich wiederum durch Weinberge nach Niederhausen zu gelangen. Wir bleiben weiterhin oberhalb des Tales und warten in der Nähe des Gutes Hermannsberg auf Jörg, der uns am Nachmittag mit Zwiebel- und  Streuselkuchen sowie Federweißem versorgt. Nun ist es nur noch ein kurzes Stück bis zu unserer Unterkunft, dem Niederthäler Hof, den wir über eine steile Treppenanlage mitten im Weinberg erreichen.

Bevor das Essen serviert wird, halten wir unsere Abendandacht, die Alexander noch einmal mit einem Satz des betagten Amerikaners einleitet: „Be modest. A lot was accomplished before you were born. (Sei bescheiden. Vieles war schon fertig, bevor du überhaupt geboren wurdest.).“ Nach dem Essen greifen sich Marco, Ralph und Kevin ihre Gitarren und spielen die Songs, die wir uns aus einem umfangreichen Repertoire wünschen dürfen. Highlight des spätabendlichen Chorgesanges ist unser Ständchen für eine Bedienung des Hauses. Erst spät am Abend, nach vielen musikalischen Leckerbissen, löst sich die Gesellschaft auf. Wir haben ja schließlich noch einen Tag auf Schusters Rappen vor uns.