Von Münster-Sarmsheim nach Bad Kreuznach (5. Oktober 2016)

Nach dem Frühstück halten wir auf der Hotelterrasse unsere Morgenandacht, die Kevin wieder mit der Gitarre begleitet. Gegen 9 Uhr machen wir uns auf den Weg nach Bad Kreuznach. Zunächst laufen wir durch Münster-Sarmsheim. Dabei müssen wir durch eine langgezogene Baustelle laufen - dafür haben wir aber Ruhe vor störenden Autos. Danach biegen wir an der Trollmühle von der Straße ab, unterqueren die A 61 und steigen ein wenig in höhere Gefilde auf, wo wir mit Blick auf die Nahe eine Weile auf einem Grasweg laufen und Laubenheim erreichen. Hier geht es noch ein Stückchen höher, mitten in die Weinberge hinein, die nun unsere ständigen Begleiter sein werden. Zurzeit läuft die Weinlese auf Hochtouren und überall sind kleine Traktoren oder Vollernter auf den Wirtschaftswegen unterwegs, die das kostbare Gut zur Verarbeitung nach Hause bringen.

An einer Schutzhütte, in deren unmittelbarer Nachbarschaft eine historische Weinpresse aufgebaut ist, machen wir eine kleine Rast. Im weiteren Verlauf treffen wir auf das Kanzelkreuz und ein kleines, kapellenartiges Gebäude. Kurz dahinter weichen wir vom markierten Weinwanderweg ab und nutzen eine Abkürzung. Schließlich erreicht uns die Nachricht von Jörg, dass er mit Oliver, der ihn heute unterstützt, mit der Mittagsverpflegung an der Sonnenberghütte auf uns wartet. Die liegt allerdings an der ursprünglichen Route und n icht an unserer Abkürzung, sodass wir ein kleines Stück zurückgehen müssen. Heute Mittag gibt es Fleischkäsebrötchen und reichlich frisches Obst - einschließlich roten und weißen Trauben.

Bevor wir weiterziehen, geben wir gesangstechnisch noch einmal unser Bestes und werden von einer kleinen Wandergruppe bestaunt. Ralph lässt es sich nicht nehmen, den Herrschaften, die inzwischen an einem Tisch Platz genommen haben, noch ein Ständchen mit Gitarre zu spielen. Wir ziehen weiter durch Guldental, wo der Fernsehkoch Johann Lafer sein Domizil aufgeschlagen hat. Ich schaue dort noch kurz in die katholische Pfarrkirche St. Jakobus und entdecke eine weitere Jakobusfigur.

Wir verlassen Guldental entlang des Guldenbachs und bewegen uns am Waldrand und an hoch aufragenden, roten Sandsteinfelsen entlang. An einem hofähnlichen Gebäude biegen wir nach rechts ab und stehen vor einer ehemaligen Felseneremitage (der einzigen nördlich der Alpen), die erstmals 1041 erwähnt wurde. Die wahrscheinlich schon als heidnische Kultstätte in den Fels gehauene und von den Römern bis ins 5. Jahrhundert als Mithras-Heiligtum verwendete Eremitenwohnung ist ca. 90 m2 groß und wurde bis 1827, als der letzte Bewohner starb, genutzt. Von dem Kirchenbau ist nicht mehr viel zu sehen, lediglich eine Wand und ein paar Säulen in einer Felsenhöhle.

Es geht nun ein Stückchen aufwärts zum höchsten Punkt des heutigen Tages. Zum Glück ist es nicht zu warm, dafür weht aber zuweilen ein kühler Wind. Auf das Signal von Jörg lassen wir uns an einer geraden, markanten Wegekreuzung nieder und lotsen ihn und Oliver mit seiner kostbaren Ladung - Kaffee und Kuchen - dorthin. Jetzt sind es nur noch gut 3 km bis zum Hotel Kauzenburg oberhalb von Bad Kreuznach. Unterwegs treffen wir auf den kuriosen Glockenturm der evangelischen Matthäuskirche, der seit 2015 neben seiner eigentlichen Aufgabe zugleich als Kletterturm fungiert. Nach einigen Straßenecken betreten wir den Schlosspark mit dem gleichnamigen Museum und ziehen in Serpentinen einen Hang hinauf, wo ziemlich genau um 18 Uhr das Hotel erreichen Zum Abschluss des Tages laufen wir noch ein paar Meter zum Burgrestaurant, wo wir unser Abendessen einnehmen. Statt der Abendandacht trägt uns Alexander einen Spruch eines 80-jährigen Amerikaners vor, der eine ganze Liste mit guten Ratschlägen für ein sinnvolles Leben zusammengestellt hat: „Rembember: No one makes it alone. Have a grateful heart and be quick to acknowledge those who helped you (Denk dran: Keiner schafft´s alleine. Hab ein dankbares Herz und zögere nicht denen Wertschätzung zu geben, die dir geholfen haben.).“ Das passt ganz gut zu einem weiteren Thema, nämlich dem Ernte-Dank-Fest, das erst in den vergangenen Tagen gefeiert wurde.