Von Silberborn nach Stadtoldendorf (15. Mai 2014)

Die Morgenandacht führen wir unmittelbar vor dem Frühstück durch, danach heißt es einpacken und loslaufen. Zunächst geht es ans Ende von Silberborn. An einem großen Holzkreuz mit Pilgerstab biegen wir nach links ab in ein Waldstück. Schon bald führen Holzstege nach links in ein Naturschutzgebiet, das Hochmoor Mecklenbruch. Von einem Aussichtsturm haben wir einen guten Überblick auf große Teile des Gebietes. Hinweistafeln erläutern das hochsensible Ökosystem des Moores, aus Baumstümpfen hat man Tierskulpturen gefertigt. Es geht weiter auf einem breiten Weg durch ein langgezogenes Waldgebiet. Unterhalb der Anhöhe Vogelherd erreichen wir den höchsten Punkt des Pilgerweges Loccum-Volkenroda, dargestellt durch die Inschrift auf einer Steintafel rechter Hand. Ab diesem Punkt beginnt eine Stunde des Schweigens, in der wir unsere Sinne öffnen und in uns hineinhören sollen.

Im Verlauf des weiteren Weges wundern wir uns, dass es, trotz des Hinweises auf den höchsten Punkt, immer noch aufwärts geht. Schließlich kommt Alexander mit der Karte angelaufen und wir stellen tatsächlich fest, dass wir an einem Abzweig vorbeigelaufen sind. Zudem geben uns Wegweiser nach Silberborn zusätzlich Sicherheit über die falsche Richtung. Glücklicherweise sind es nur rund 500 Meter, die wir zu viel gelaufen sind. Also drehen wir um, setzen unser Schweigen fort und laufen weiter leicht abwärts durch den Wald. Ein leichter Wind und das Gezwitscher von unsichtbaren Vögeln sind unsere Begleiter. An der Waldmühle müssen wir eine kurze Steigung überwinden und befinden uns dann in Schießhaus, einem Weiler mit elf Häusern. Am Zaun des Forsthauses machen wir Mittagsrast. Lothar und Jörg haben bereits die Bierbänke aus dem Begleitfahrzeug aufgebaut und servieren uns ein halbes Hähnchen, lecker!

Nach der Pause geht es weiter auf dem Waldweg bis nach Schorborn. Unterwegs begegnen uns einige Männer und Frauen, die auch auf dem Pilgerweg unterwegs sind. Mit meinem „Buen Camino“ können sie allerdings nichts anfangen. In Schorborn biegen wir rechts ab bis zum Waldrand und wandern weiter bis nach Deensen. Nach meinen Unterlagen gibt es in der dortigen evangelischen Gutskirche St. Nicolai aus dem beginnenden 16. Jahrhundert einen Pilgerstempel. Leider ist die Kirche verschlossen und die Anrufe bei den angegebenen Telefonnummern sind erfolglos. Irgendwie wollen alle aber genau diesen Pilgerstempel haben, warum auch immer. Ich sage dann zu, dass ich diesen einen „Stempel“ in die Pilgerausweise nach Vorlage des im Aushang abgebildeten Pfarrsiegels zeichnen würde. Wir setzen den letzten Abschnitt abseits des markierten Pilgerweges fort und gehen östlich nach Braak. Dort organisiert Kevin den Schlüssel für die kleine, schlichte Dorfkirche, die zudem noch über einen Gruppenraum und sanitäre Anlagen verfügt. Wir lassen uns eine Weile nieder und halten eine kurze Andacht mit Gebet, Gesang und Segen ab.

Über einen Feldweg durch ein Naturschutzgebiet gelangen wir nach Stadtoldendorf zur ehemaligen Kaserne, in der sich nach der Auflösung der Bundeswehrdienststellen einige Firmen und der Freizeitpark Mammut (für Freunde von Offroad-Fahrzeugen), unsere heutige Herberge, niedergelassen haben. Jörg und ich beziehen unsere Stube, die mit einer früheren Unterkunft für Soldaten nicht mehr viel gemein hat. Im Gegenteil, sie ist mit lediglich zwei Betten und zwei Stühlen noch spärlicher ausgestattet als der uns gut bekannte Standard für Soldaten. Inzwischen ist auch die Wolkendecke etwas aufgelockert und die Sonne kommt wärmend durch. Auf einer Bank vor dem Gebäude sitzend schmeckt das kühle Bier dabei umso mehr. Lothar und Jörg kümmern sich bereits um das Abendessen, heute wird gegrillt. Nach dem Essen versammeln wir uns im gemütlich eingerichteten Aufenthaltsraum, der mit einem Holzofen geheizt wird. Im Rahmen der Abendandacht kommt jeder noch einmal zu Wort und kann seine Eindrücke, aber auch Kritik an der Pilgerrüstzeit, vorbringen. Jörg verteilt an jeden Teilnehmer zur Erinnerung eine Urkunde sowie einen Silberanhänger in Form einer Jakobsmuschel. Zum Abschluss des Abends schauen wir uns gemeinsam das erste Relegationsspiel zur Fußball-Bundesliga zwischen Hamburg und Fürth an.