Von Eschershausen nach Silberborn (14. Mai 2014)   

Nach dem großzügigen Frühstück im Frühstücksraum im Nachbargebäude heißt es wie jeden Morgen, das Gepäck in das Begleitfahrzeug zu verstauen. Ich behalte allerdings, auch wie immer, meinen Rucksack auf dem Rücken. In diesem Jahr erlaube ich mir jedoch den Luxus, aufgrund der Witterung eine zusätzliche Tasche mit dabei zu haben. Die Morgenandacht gestaltet heute Ines auf der Holzterrasse, danach marschieren wir körperlich und geistig gestärkt und mit einem Tagesspruch aus der Pilgerapotheke los, zunächst durch Eschershausen. Wir folgen schließlich einem asphaltierten Weg in die Höhe und gelangen über ein kurzes Wiesenstück auf einen Weg entlang des Waldrandes. Es geht weiter aufwärts auf weichem Untergrund, bis wir auf dem 446 m hohen Strutberg auf den Sollingturm stoßen. Hier machen wir eine erste kurze Pause, erklimmen die zum Teil schmalen Stufen im Inneren des circa 30 Meter hohen Turmes. Der wurde von 1934 bis 1935 als Hitlerturm aus Stein errichtet und sollte als Anreiz für Touristen herhalten. Von der Aussichtsplattform hat man einen wunderschönen Ausblick, und das Wetter lässt einen solchen sogar zu. Allerdings pfeift mir der Wind ganz schön um die Ohren und so mache ich mich bald wieder an den Abstieg..

Wir machen uns wieder auf den Weg, der uns leicht abfallend wieder an den Waldrand bringt. Dabei führe ich ein sehr intensives Gespräch mit einem Seedorfer Kameraden, der sich nach dem Beginn des Ruhestandes ehrenamtlich in einem Hospiz engagiert. Es beginnt zudem wieder einmal mit einem leichten Niederschlag, sodass einige ihren Regenschirm aufspannen oder sich ihren Poncho überziehen. Am Lunauborn verlassen wir „unseren“ Weg und gehen auf einem Seitenweg weiter bis nach Schönhagen, wo wir in der Martin-Luther-Kirche eine Mittagsandacht halten und uns den nächsten Pilgerstempel sichern. Gegenüber der Kirche befindet sich am Eingang des Pfarrhauses ein Verkehrsschild, das vor einem eilenden Pfarrer warnen soll. Das ist eine gute Gelegenheit, unsere beiden Geistlichen dort zu einem Fototermin zu bitten. Mittels Wanderkarte suchen wir uns eine passende Route, die uns am Waldrand entlang bis zu einem Campingplatz bringt, an dem wir von Lothar und Jörg zur Mittagspause erwartet werden. Eine gute halbe Stunde später verlassen wir den Platz und gehen durch ein kleines Tal bis auf Höhe des Forsthauses Steinborn. Dort wenden wir uns nach links auf einen anspruchsvollen, aufsteigenden Waldweg. Das Wandertempo wird nun von jedem sehr individuell gestaltet und die Gruppe zieht sich deutlich auseinander. Nach dem Überwinden des höchsten Punktes geht es gefühlt genauso lange wieder abwärts. Rechts und links säumen Steinwälle die dahinter liegenden Weideflächen. Wir erreichen Neuhaus im Solling, orientieren uns kurz, laufen zunächst geradeaus in den Ort hinein und wenden uns dann nach rechts bis zur evangelischen Christuskirche.

In dieser Kirche sind Pilger willkommen. Es stehen Getränke und Sitzgelegenheiten im Nebenraum des Gotteshauses bereit. Spontan bilden wir einen Stuhlkreis und halten eine Nachmittagsandacht sowie eine Gesprächsrunde zu unserem Rüstzeitthema „Da wird weit werden deine Grenze“. Jeder hat hierbei die Gelegenheit, zu berichten, wo schon einmal die eigenen Grenzen weit geworden sind. Überrascht hat mich dabei die Offenheit unserer Pilgergemeinschaft, denn es wurden zum Teil sehr persönliche Geschichten preisgegeben. Gebet und Gesang runden die zusätzliche Pause ab, dann heißt es wieder, aufzubrechen. Der Pilgerpfad führt uns durch ein Waldgebiet entlang an einem Bächlein bis nach Silberborn, wo wir heute nächtigen werden. Während Jörg und ich in der Kirche noch den Pilgerstempel besorgen, laufen die anderen bereits zu unserer Unterkunft, dem „Landhaus Sollingshöhe“. Nach dem üblichen Prozedere genehmigen wir uns eine Mini-Auszeit und schließen für einen Moment die Augen. Dann wird es Zeit für die Abendandacht und ein üppiges Essen.