Von Elmstein-Iggelbach nach Trippstadt-Unterhammer (10. Mai 2012)

Auch heute ist das Frühstück sehr gut, es lässt nichts zu wünschen übrig. Jörg und ich packen unsere Sachen zusammen und werden zum Hotel der anderen Teilnehmer gefahren. Bevor es mit dem Wandern losgeht, gilt die Aufmerksamkeit unserer Morgenandacht mit Gesang und Gebet. Leider verabschieden wir schon wieder eine Teilnehmerin, die nicht mehr weitergehen kann. Wir haben bereits gestern Abend entschieden, nicht wieder nach Elmstein zu verlegen und dort im Tal zu laufen, sondern eine Abkürzung durch den Wald zu nehmen. Nachdem wir Iggelbach mit einem wunderschönen Ausblick verlassen, tauchen wir in ein Waldgebiet ein. Es geht beständig bergan bis zu einem Parkplatz an der K 17. Dort werden wir von Jörg B. mit dem Versorgungsfahrzeug überrascht und tauschen noch einmal die leeren Getränkeflaschen gegen volle aus. Dann verpassen wir nur wenige Schritte weiter den eigentlich ausgewählten Weg, der uns bis nach Erlenbach bringen sollte. Erst sehr viel später bemerken wir, dass wir in die falsche Richtung laufen. Hier haben wir aber keine Verbindung mit dem iPhone ins Internet und können daher nicht feststellen, wo wir tatsächlich sind. Wir laufen weiter in nördliche Richtung und erreichen schließlich den Weiler Speyerbrunn. Hier befindet sich übrigens die Quelle des Speyerbachs. Leider ist die dortige Kirche verschlossen und so folgen wir den hier wieder vorhandenen Jakobsmuscheln.

Es geht zunächst parallel entlang der L 499, der „Johanniskreuzer Straße“. Nach 1,5 Kilometern biegen wir nach links in den Wald ein und verlieren wieder einmal die Markierungen aus den Augen. Anhand einer Wanderkarte können wir uns aber schnell orientieren und steigen allmählich zum Johanniskreuz hoch. Dort kehren wir in einem sehr touristisch angehauchten Gasthaus ein. Der Wirt verkündet vor versammelter Mannschaft die heutigen Empfehlungen, die meisten nehmen eine Eierpfanne oder einen Salat. Auch die Preise sind auf den Massenandrang ausgerichtet, und so halten wir uns gar nicht lange auf. Wir haben schließlich noch ein bisschen Strecke vor uns. Bevor wir in ein wildromantisches Tal hinabsteigen, statten wir der unmittelbar am Weg befindlichen Kapelle einen kurzen Besuch ab. Nach einer guten Stunde durch beinahe unberührte Natur gelangen wir an die L 500. An einer Straßenkreuzung befinden sich einige wenige Häuser. In einem Fenster erblicke ich eine Jakobsmuschel, und bei genauerem Hinsehen noch weitere Artikel mit Bezug zum Jakobsweg. Auf mein Nachfragen erhalten wir hier einen Stempel für unsere Pilgerausweise. Leider gibt es am Pfälzer Jakobsweg nur ein einheitliches Motiv, ohne einen Bezug zum jeweiligen Ort.

Nur wenige Schritte weiter befindet sich in der Nähe eines Pilgersteins und einer Informationstafel zum Pfälzer Jakobsweg der Zugang zur Karlstalschlucht, einem der schönsten Täler im Pfälzer Wald. Gesäumt von Felsen, Geröll und altem Baumbestand windet sich das Bächlein Moosalb. Auf Höhe der „Klug´schen Mühle“ öffnet sich das Tal ein wenig und bietet Platz für Wiesen und Ansiedlungen. Wir wandern noch im Schatten der Bäume am Rande des Waldes bis zum „Gesundheitszentrum Unterhammer“ und fassen den Beschluss, den heutigen Tag hier ausklingen zu lassen. Einige unserer Mitpilger sind müde, und bevor wir noch weitere Ausfälle beklagen müssen, lassen wir uns hier lieber von Jörg B. zum Seehotel am Gelterswoog fahren. Das geschieht in zwei Schichten. Ich bin bei der zweiten mit dabei. Wir nutzen die Wartezeit noch für ein kaltes Getränk. Schon bald beziehe ich mein Zimmer, wiederum mit Jörg, und versorge meine Ausrüstung. Bis zum Abendessen dauert es noch ein wenig, und so erkunde ich die Umgebung und versuche noch irgendwo einen Stempel für die Ausweise zu besorgen, leider erfolglos. Nach dem Abendessen treffen wir uns auf einer kleinen Terrasse am See etwas abseits vom Hotel und halten unsere Abendandacht. Im Mittelpunkt steht heute das Gleichnis vom Reich Gottes (als Synonym für den Himmel) als Weizen unter dem Unkraut. Die Himmelsfanatiker wollen den reinen Weizen (Fundamentalisten aller Art). Jesus aber sagt: Es wächst Unkraut unter dem Weizen, und das geht nicht anders. Es gilt das hinzunehmen und auch im eigenen Leben ist längst nicht alles himmlisch, aber manches Unkraut trägt auch schöne Blüten. Die Ernte aber, also den Weizen, wird Gott ernten. Jeder solle sich im Klaren sein, dass es in jedem bewussten Leben etwas zu ernten gibt. Nach der Andacht sitzen wir noch lange zusammen und gehen nach angeregten Unterhaltungen im Hotelrestaurant erst spät ins Bett.

Gelterswoog (11. Mai 2012)

Nach dem ausgiebigen Frühstück heißt es wieder einmal packen. Wir werden heute zunächst nur einen kleinen „Spaziergang“ rund um den Gelterswoog machen und dann auf der anderen Seite des Sees auf dem noch freien Parkplatz des Seebades einen Gottesdienst feiern. In seiner Predigt spricht Alexander zum 1. Brief des Apostels Paulus an Timotheus (Kapitel 3 Vers 16). Darin wird Jesus als der von Gott verherrlichte Gottessohn beschrieben und der Unterschied zu uns deutlich gemacht. Er ist im Himmel und wir sind auf der Erde. Für uns heißt das: unser Leben spielt sich zwischen Erde und Himmel ab, wir sind in der Mitte zu Hause. Hier gilt es sich zu bewähren - in  Tat und Glaube. Und Gott traut uns zu, Frucht zu bringen, so wie die Saat des Weizens. Er glaubt an uns! Und sein Heiliger Geist will und soll uns beistehen, wenn es gilt, den Glauben zu behalten und die richtigen Entscheidungen zu treffen.

Im Anschluss an den Gottesdienst verteilt Jörg B. an jeden Teilnehmer eine Urkunde und einen bronzenen Schlüsselanhänger in Form einer Jakobsmuschel. Auch meine Pilgerausweise wechseln noch die Besitzer. Schließlich laufen wir noch einige wenige Kilometer ohne Gepäck nach Hohenecken. Dort kehren wir in der „Burgschänke“ ein und nehmen noch ein rustikales Mittagessen ein. Danach heißt es Abschied nehmen bis zum nächsten Mal. Bevor wir jedoch wieder gen Mainz fahren können, sorgt Jörg B. noch für Aufregung: er sucht den Schlüssel für sein Fahrzeug. Zum Glück wird er, nachdem beide Autos auf den Kopf gestellt wurden, vor der „Burgschänke“ auf dem Fußweg gefunden. Jörg bringt mich abschließend vom Mainzer Militärpfarramt zurück zum Bahnhof nach Gustavsburg. Ab hier fahre ich wieder mit dem Zug nach Koblenz. Dabei lasse ich die letzten Tage noch einmal Revue passieren und komme zu dem Schluss, dass es dank der phantastischen Vorbereitung von Alexander und Jörg B. wieder eine ereignisreiche und tiefgründige Pilgerrüstzeit war. In zehn Tagen geht es weiter für mich weiter. Dann werden Jörg und ich unsere Pilgerwanderung durch Frankreich aus dem letzten Jahr fortsetzen.