Von Haßloch nach Elmstein (9. Mai 2012)

Der heutige Tag beginnt mit einem guten Frühstück. Anschließend verpacken wir unsere Ausrüstung sorgfältig im Rucksack, denn Jörg und ich tragen unser gesamtes Gepäck auf dem Rücken. Wir nutzen diese Pilgerrüstzeit als Training für unsere Pilgerwanderung in Frankreich in zwei Wochen. Die anderen haben die Möglichkeit, ihre Sachen im Begleitfahrzeug zur nächsten Unterkunft fahren zu lassen. Leider wird uns heute ein Teilnehmer verlassen, da er sich gestern zahlreiche Blasen gelaufen hat und ein Weitergehen unmöglich ist. Nach der Morgenandacht machen wir uns auf den Weg. Der Himmel zeigt sich heute bewölkt, es ist auch noch etwas frisch. Wir wandern zunächst ein gutes Stück durch Wald und erreichen die A 65, die wir überqueren. Wir passieren bald einen jüdischen Friedhof und gelangen über die „Konrad-Adenauer-Straße“ ins Zentrum von Neustadt an der Weinstraße. Während die anderen sich in einem Straßencafé niederlassen, machen sich Jörg und ich auf die Suche nach einer Stempelstelle für unsere Pilgerausweise. Die Stiftskirche am historischen Marktplatz ist aufgrund von Renovierungsarbeiten für den Besucherverkehr nicht zugänglich. Jedoch zwei Ecken weiter finden wir das katholische Pfarramt St. Marien. Gerne drückt man uns dort das schöne Pfarrsiegel in die Pilgerdokumente. Nach der Rückkehr zu unserer Gruppe verabschiedet sich ein weiterer Teilnehmer wegen Blasen. Da waren es nur noch elf…

Dann wird es Zeit, die Füße wieder in Bewegung zu setzen. Wir laufen am Bahnhof vorbei, überqueren die Bahnlinie und erklimmen den „Alten Viehberg“. Über die Waldstraße gelangen wir zum Herz-Jesu-Kloster und steigen kurz davor wieder hinab auf Höhe der „Karolinenstraße“. Am Leibniz-Gymnasium geht es die „Hauberallee“ hinauf, bevor wir in ein Waldstück eintauchen. Plötzlich versperren uns schwere Baumaschinen den Weg, doch einer der Arbeiter erklärt uns eine mögliche Umgehung der Baustelle. So kommen wir in den Genuss, durch einen schön angelegten Waldgarten mit einem Ziegengehege zu gehen. Kurz darauf muss sich Ralf ein Blasenpflaster auf der Ferse anbringen, kann aber weiterlaufen. Von dieser Stelle haben wir einen guten Ausblick auf die gegenüber auf einem Felsvorsprung liegende Ruine Wolfsburg. Am Naturfreundehaus Heidenbrunnental stellen wir fest, dass wir seit einiger Zeit gar keine Wegzeichen in Form einer Muschel gesehen haben und kehren vorsichtshalber wieder um. Am Haus selbst entdecken wir dann doch noch eine Muschel, und die zeigt deutlich in die Höhe. Wir müssen hier auf den nächsten 1500 Metern einen Höhenunterschied von circa 150 Metern überwinden. Oben angekommen, wird zuerst einmal eine Trinkpause eingelegt, bevor wir uns an den Abstieg nach Lambrecht machen. Oberhalb des Örtchens mit wunderschönem Ausblick werden wir bereits von Jörg B. mit dem Mittagsimbiss erwartet. Heute gibt es Grillhähnchen. 

Ein paar Kilometer weiter erhoffen wir uns aufgrund der Beschilderung in Erfenstein ein Café. Doch auch das Befragen eines Einheimischen bringt nur die schlechte Nachricht, dass es hier schon seit Jahren keine geöffnete Gaststätte gibt. Enttäuscht ziehen wir weiter. Doch schon bald kündigt sich das Forsthaus Breitenstein an. Hier bekommen wir ein kühles Getränk, das tut gut, denn inzwischen haben sich Wolken verzogen und die Sonne kann ihre ganze Kraft zur Geltung bringen. Wir folgen dem Verlauf des Speyerbachs und des Kuckucksbähnels, einer Touristenattraktion, die leider nur an Wochenenden in Betrieb ist. Der mehr oder weniger schlecht markierte Jakobsweg führt glücklicherweise vornehmlich am Waldrand entlang, sodass wir nicht ständig der Sonne ausgesetzt sind. Auf Höhe des Schießplatzes von Elmstein bekommen wir Besuch von Jörg B., der einfach mal nachschauen wollte, wie es denn so läuft. Das ist die Gelegenheit für einige Teilnehmer, hier bereits einzusteigen und sich in die Unterkunft im etwas vom Weg abgelegenen Iggelbach bringen zu lassen. Der Rest beschließt, weiter bis nach Elmstein zu laufen. Am Sportplatz verlieren wir die Spur des markierten Weges, stehen plötzlich auf den Gleisen des Kuckucksbähnels. Da die Bahn heute nicht fährt, folgen wir einfach den Gleisen bis zur Endstation, wo wir von Jörg B. aufgenommen werden. Nach Beziehen der Unterkünfte folgt wie immer das gleiche Ritual: Schuhe lüften, Wäsche waschen, duschen. Wir sind zu dritt im „Pfälzer Hof“, der Rest im „Waldhotel Heller“. Dorthin fahren wir kurz darauf zum Abendessen, vorher hält Alexander die tägliche Abendandacht. Er spricht von Jesus, der Kinder in den Mittelpunkt stellte und sagte: „So müsst ihr sein, wenn ihr ins Reich Gottes wollt.“ Man solle sich nicht von allen Sachzwängen den Lebenshunger und die Suche nach dem Himmel hier auf Erden, seinem persönlichen Glück, zustellen lassen, sondern eher unbeschwert wie die Kinder in jeden neuen Tag gehen. Später fallen wir müde ins Bett. Der Tag war mit seinen 33 Kilometern und den Höhenunterschieden ein wenig anstrengend.