Von Speyer nach Haßloch (8. Mai 2012)

Nachdem wir in den letzten Jahren auf dem Lahn-Camino und dem Jakobsweg Rheinhessen mit der evangelischen Militärseelsorge unterwegs waren, wird auch in diesem Jahr vom Mainzer Militärpfarramt eine Pilgerrüstzeit angeboten, und zwar auf der Nordroute der Pfälzer Jakobswege. Um 7.06 Uhr fährt mein Zug vom Koblenzer Hauptbahnhof nach Mainz, dort muss ich umsteigen und mit der S-Bahn bis nach Mainz-Gustavsburg weiterfahren. Hier werde ich von meinem Kameraden und Pilgerbruder Jörg abgeholt, der aus Richtung Darmstadt nach Mainz fährt. Kurz darauf erreichen wir das Militärpfarramt und werden bereits von einigen bekannten Gesichtern erwartet. Aus den letzten Jahren sind wieder Ralf und Michael dabei. Besonders freuen wir uns auf das Wiedersehen mit Militärpfarrer Alexander und seinem Pfarrhelfer Jörg B. Wir verpacken unsere Ausrüstung in die bereitstehenden Fahrzeuge und machen uns auf den Weg nach Speyer.

Dort fahren wir unmittelbar an den Domplatz, laden das Gepäck in das Begleitfahrzeug und nehmen noch Getränke auf. Wir warten noch auf ein paar Mitpilger und dann ist die 13-köpfige Gruppe vollzählig. Dieses Mal sind auch wieder zwei Damen und ein kleiner Hund mit dabei. Bevor es richtig losgeht, statten wir dem Kaiserdom zu Speyer für eine kurze Besichtigung einen Besuch ab. Dabei ergattern Jörg und ich für die Pilgerausweise den ersten Stempel an der Kasse zur Domkrypta. Anschließend versammeln wir uns vor dem Dom und Alexander begrüßt alle Teilnehmer. Er hat sich als roten Faden für die kommenden Tage den Himmel ausgesucht und wird uns zu den Andachten immer einen anderen Aspekt des Himmels nahebringen. Dann geht es los, wir setzen uns auf der „Maximilianstraße“ in Bewegung. Schon nach wenigen Metern unterbrechen wir die Wanderung an der überlebensgroßen Pilgerskulptur für ein Gruppenphoto. Am Ende der Straße marschieren wir durch das 55 Meter hohe „Altpörtel“, dem westlichen Haupttor der mittelalterlichen Stadt. Wir verlassen das Zentrum von Speyer über die „Gilgenstraße“ und die Schützenstraße, dabei passieren wir die katholische St.-Josefs-Kirche und die evangelische Gedächtniskirche. Hinter einem Bahnübergang biegen wir nach links in die Holzstraße ein und folgen dem links fließenden Speyerbach. Vereinzelt finden wir bereits Wegweiser mit Muschelsymbolen. Hinter der Unterführung der B 9 geht es nach rechts bis zur B 39, die wir ebenfalls unterqueren. Wir laufen am Rande von Dudenhofen entlang und erreichen schließlich ein ausgedehntes Waldgebiet an der „Iggelheimer Straße“. Hier treffen wir auf eine Informationstafel zu den Pfälzer Jakobswegen mit den Wegstrecken der Nord- und Südroute. Daneben ist ein mächtiger Baumstumpf mit geschnitzter Jakobsmuschel platziert.

Nun geht es für eine Weile durch den schattigen Wald. An einer Schutzhütte werden wird durch ein Hinweisschild auf eine Besonderheit aufmerksam. Hier ist ein sogenannter Friedwald eingerichtet worden. Dabei handelt es sich um eine alternative Bestattungsmöglichkeit. Die Jakobsweg-Markierungen im Wald werden immer spärlicher und lassen uns dann völlig im Stich. Es kommt sogar soweit, dass wir uns mittels moderner Technik über unseren aktuellen Standort informieren müssen. Schließlich haben wir uns orientiert und erreichen in der Nähe eines Hofes unser Versorgungsfahrzeug, wo jeder von Jörg B. einen Verpflegungsbeutel überreicht bekommt. Nach einer guten halben Stunde Mittagsrast führt uns der Weg weiter durch den dichten Wald, inzwischen auch wieder parallel zum Speyerbach. Unterwegs erkennen wir am Horizont ein Gasthaus und freuen uns schon auf die Kaffeepause, doch leider ist ausgerechnet heute Ruhetag. Es bleibt uns nichts anderes übrig, als den Weg fortzusetzen. Mit zunehmender Dauer verschwindet die Sonne hinter einem grauen Schleier. Gegen 16.00 Uhr erreichen wir nach gut 21 Kilometern unsere Unterkunft, das Gästehaus Haßloch. Wir bekommen unsere Zimmer zugewiesen, traditionell sind Jörg und ich wieder zusammen. Nachdem wir unsere Ausrüstung und uns selbst versorgt haben, treffen wir uns auf dem großen Parkplatz vor dem Haus. Hier haben Jörg B. und einige andere Sitzgelegenheiten rund um einen kleinen Grill platziert, die Holzkohle beginnt bereits zu glühen. Bevor aber leckere Steaks und Würstchen vertilgt werden, lädt uns Alexander zu einer Abendandacht ein. Dabei singen wir dann auch erstmals das Lied „Weißt du, wo der Himmel ist…“, das uns in den nächsten Tagen ständig begleiten wird. Wo jemand Nähe wagt und auf den anderen zugeht, da ist auch der Himmel ganz nahe, so die Botschaft des Liedes. Untermalt wird das Thema durch ein Gedicht von Gudrun Zydeck, die den Himmel als stets veränderlich beschreibt - zum Guten und zum Bedrohlichen.