Von Beilstein nach Zell (30. August 2012)

Heute bricht der letzte Tag unserer Pilgerwanderung an der Mosel an. Jörg und ich richten unsere Ausrüstung her. Die Wäsche von gestern Abend ist allerdings noch etwas klamm, aber das stört uns heute nicht. Nachdem wir selbst angezogen sind, begeben wir uns in den Frühstücksraum, wo uns ein reichhaltiges Büffet erwartet. Wir sind die ersten, doch der Rest trudelt nach einer Weile auch ein. Einige sehen nicht gerade frisch aus, könnten wohl noch ein wenig Schlaf gebrauchen. So zieht sich das Frühstück etwas in die Länge, was aber niemanden stört. Anschließend sammeln wir uns mit unserem Gepäck vor dem Hotel. Friedhelm hat bereits sein Fahrzeug geöffnet und verstaut das Gepäck. Unsere Zimmergemeinschaft bleibt weiter standhaft und behält den Rucksack auf dem Rücken. Bevor es wieder losgeht, singen und beten wir zusammen.

Zunächst bleiben wir an der K 42, die sich allmählich aufwärts schlängelt. Zum Glück ist die Straße heute Morgen kaum befahren, denn es gibt keinen Fußweg. Zur Sicherheit fahre ich hin und wieder meinen Pilgerstab aus, wenn ein Auto kommt.  Bald verlassen wir die Straße und biegen nach rechts in den Wald ein. Es folgt ein mühsames Stück über rutschigen Schiefer und aufgeweichten Waldboden, zudem gewinnen wir ordentlich an Höhe. In der vergangenen Nacht hat es wohl zum Teil heftig geregnet, jetzt sind die Himmelsschleusen erfreulicherweise geschlossen. Dennoch ist bei einigen die Anstrengung an den feuchten Spuren ihrer Oberbekleidung erkennbar. Endlich erreichen wir die L 200, der wir bis zu einer Kreuzung folgen. Dort biegen wir nach links ab, immer weiter auf dem Asphaltstreifen.

 An einer Schutzhütte verlassen wir die Straße auf einen Feldweg, der uns zunächst zu einem Schau-Bienenstock führt. Es geht weiter aufwärts, allerdings etwas gemächlicher als vorhin. Wir laufen durch Felder auf einen Wald zu, den wir auf einem kurzen Stück durchschreiten, bevor wir erneut die Straße erreichen. Wir überqueren sie und gehen jetzt parallel auf einem Wiesenweg auf das Lindenhäuschen zu. Hier werden wir bereits von Friedhelm erwartet, der uns mit belegten Brötchen und Obst verwöhnt. Damit hätten wir jetzt nicht gerechnet. Obwohl das Frühstück noch nicht so lange zurückliegt, wird fast alles gegessen. Es geht weiter auf breiten Waldwegen, die zum Teil von Wildschweinen zerfurcht sind. Nach circa zwei Stunden erreichen wir Bullay, wo wir zu Mittag essen werden. Jörg und ich besorgen den Pilgerstempel von Bullay, während die anderen schon zum Restaurant „Akropolis“ weitergehen. Das Lokal hat heute nur für uns früher als normal geöffnet, dafür gebührt ein großer Dank. Wir sitzen draußen im Biergarten mit Blick auf die Mosel.

Nach dem Essen brechen wir auf das letzte Stück Weg auf. Wir überqueren die Mosel über die kombinierte Auto- und Bahnbrücke und wenden uns nach rechts auf einen schmalen Pfad am Hang. Auf diesem gelangen wir wiederum in die Höhe zur Marienburg, wo eine Jugendbildungsstätte des Bistums Trier untergebracht ist. Von hier oben haben wir einen herrlichen Ausblick auf die Umgebung. Nach der Besichtigung der Jugendkirche warten Jörg und ich noch an der Rezeption, um einen Stempel für den Pilgerpass zu bekommen. Dann geht es auf dem Bergkamm wieder hinab, bis wir in einen Weg durch ein Weinfeld einbiegen. Auf der anderen Moselseite sehen wir bereits die ersten Ausläufer unseres Zielortes Zell, den wir über eine Fußgängerbrücke über die Mosel erreichen. Während die anderen sich ein Eis besorgen und dann zum vereinbarten Treffpunkt am Moselparkplatz gehen, müssen Jörg und ich unsere Pilgerausweise im katholischen Pfarramt mit einem Stempel versehen lassen. Anschließend gönnen auch wir uns ein großzügiges Eis und schlendern zum Parkplatz.

Und dann ist unsere Pilgerwanderung zu Ende. Wie immer ist das sehr schade, denn unsere Gruppe hat sich in den vergangenen Tagen gut zusammengefunden. Ein Blick in die Gesichter sagt mir, dass die meisten wohl noch die ein oder andere Etappe dranhängen würden. Zum Dank für die gemeinsamen Stunden bilden wir noch einmal einen Kreis, singen und beten zusammen. Ich teile an jeden einen Pilgerausweis aus, dann steigen wir in die bereitstehenden Fahrzeuge ein und fahren zurück nach Koblenz. Dort machen wir vor dem Militärpfarramt ein letztes Gruppenbild und verabschieden uns schließlich voneinander.

 „Und bis wir uns wiedersehen, halte Gott dich fest in seiner Hand…“