Vom Klickerterhof nach Beilstein (29. August 2012)

Ich habe auf dem Boden des Frühstücksraumes schlecht geschlafen. Es ist ungewohnt, im Schlafsack auf hartem Boden zu liegen. Bei jedem Drehen des Körpers wurde ich wach und versuchte in einer einigermaßen verträglichen Position weiter zu ruhen. Ich bin froh, dass es draußen hell wird und die Zeit gekommen ist, aufzustehen. Einige Pilgerbrüder sind bereits im Bad und machen sich frisch. Allmählich wird es im Frühstücksraum immer belebter und ich verlasse meine Schlafstätte in Richtung Bad. Nach der Morgentoilette verpacke ich meine Ausrüstung in den Rucksack und gehe zum Grillplatz. Dort habe ich einen wunderschönen Blick auf Treis-Karden. Die Sonne scheint bereits und über der Stadt liegt ein schmales Nebelband.

Wieder zurück im Frühstücksraum beginnen wir mit den Vorbereitungen für das Frühstück. Der Tisch wird eingedeckt und es wird Kaffee gekocht. Herr und Frau Ternes richten derweil das großzügige Büffet her. Dann lassen wir es uns schmecken und stärken uns für den heutigen Tag. Frau Ternes bestückt unsere Pilgerausweise mangels eines Stempels mit Aufklebern der Silhouette vom Klickerterhof. Nach dem Frühstück gibt uns Karsten noch Wegzehrung in Form eines Impulses mit auf den Weg. Er erzählt uns die Geschichte, wie Jesus einen Gelähmten heilt. Auch uns fesselt die Sünde und lähmt uns. Wir dürfen darauf vertrauen, dass Jesus an unserer Seite ist und uns ebenfalls von diesen Lähmungen befreit. Ein Lied und das „Vater unser“ beenden die kurze Andacht. Nach der herzlichen Verabschiedung von der Familie Ternes machen wir uns auf den Weg. Zunächst geht es auf einem schmalen Pfad in die Tiefe. Unterwegs haben wir atemberaubende Blicke auf Treis-Karden und die Mosel. Am Ende des Abstiegs lassen wir von einer Holländerin ein Erinnerungsphoto erstellen. Wir befinden uns nun unmittelbar vor der ehemaligen Stiftskirche St. Castor, die auch „Moseldom“ genannt wird. Da die Kirche zu der frühen Stunde offen ist, nutzen wir die Gelegenheit zu einer Besichtigung. Einige entzünden eine Kerze, andere lassen sich zu einem Gebet in einer Bank nieder. So richtig ins Laufen kommen wir aber immer noch nicht, denn nur wenig später legen wir am Bahnhof erneut einen Halt ein. Dort holen Jörg und ich in der Tourist-Information den nächsten Pilgerstempel. Dann überqueren wir die Mosel, werfen noch einmal von der Brücke einen Blick zurück in die Höhe zum Klickerterhof. Wir durchqueren den Stadtteil Treis und erreichen den Ortsausgang.

Das nächste Wegstück führt uns auf circa drei Kilometern etwas beschwerlich den Berg hinauf und wir sind recht schweigsam. Mitten im Wald erreichen wir den höchsten Punkt an einem Wegkreuz. Hier verschnaufen wir einen Moment und warten, bis alle an der Stelle eingetroffen sind. Roland erfreut uns wieder mit seinen Motivationskeksen und der Inhalt der einen oder anderen Wasserflasche rinnt die Kehlen hinunter. Ab hier geht es jetzt leicht abwärts und bald öffnet sich ein grünes Tal vor uns. Im Hintergrund befindet sich das Kloster Maria Engelport, wo wir unsere Mittagsrast einlegen. Am Rande des Weges hat Friedhelm auf den vorhandenen Tischen die Mittagsverpflegung bereitgestellt, über die wir uns hungrig hermachen. Einige nutzen die Gelegenheit, sich ein wenig im Schatten hinzulegen und die Augen zu schließen. Im Klosterladen bekommen Jörg und ich den nächsten Pilgerstempel. Hier im Klosterbereich möchten wir unseren Gottesdienst feiern. Wir finden einen stimmungsvollen, viereckigen Platz mit jeweils einem Baum in jeder Ecke. Zwischen den Bäumen sind Bänke aufgestellt und im Zentrum ist ein alter Mühlstein platziert, den wir als Altar nutzen. Aus zwei Pilgerstäben wird ein Kreuz, das mit einigen grünen Ästen und Blüten verziert wird. Im Mittelpunkt der Feier steht die Geschichte von Jesus, der mit einem Zöllner speist. Karsten erzählt die Geschichte in seiner eigenen, fesselnden Art. Gebet, Gesang und Abendmahl lassen unsere Pilgergruppe weiter zusammenwachsen. Anschließend mehren sich begeisterte Stimmen zu diesem sehr emotionalen Gottesdienst. Noch ganz ergriffen marschieren wir erneut über einen Berg bis nach Beilstein. Hinter einer Kurve haben wir eine traumhafte Aussicht auf das Örtchen, das auch als „Dornröschen der Mosel“ bezeichnet wird. Vor der Kulisse der ehemaligen Karmeliterkirche und der Burg Metternich gelingt uns trotz schwieriger Position des Fotographen ein weiteres tolles Erinnerungsbild.

Nach der Besichtigung der Klosterkirche lassen wir uns im Kloster-Café zu einer Erfrischung nieder und beschließen direkt, hier auch das Abendessen einzunehmen. Ich reserviere für 19:00 Uhr einen  Tisch für uns und besorge den Pilgerstempel. Dann begeben wir uns zum Hotel Burgfrieden, wo wir heute untergebracht sind. Traditionell haben Jörg und ich gemeinsam ein Zimmer, das wird sich wohl zukünftig auch nicht mehr ändern. Dafür kennen wir uns inzwischen so gut und die Abläufe am Ende eines Pilgertages sind bei uns eingespielt. Nur wenig später setzt Jörg seinen Bericht über seine Pilgerschaft nach Santiago anhand zahlreicher Photos fort. Ein Bericht, der Fernweh aufkommen lässt. Es gibt so viel zu erzählen, dass es mit der Zeit knapp wird. Wir eilen also zurück zum Kloster-Café. Wir sitzen direkt an einer Mauer mit Blick auf die Mosel und lassen uns nun verwöhnen. Das Essen ist reichlich und gut, die Unterhaltungen werden mit der Zeit immer intensiver und vertrauter. Während die Besitzer sich auf das Ende der Geschäftszeit vorbereiten, kommen wir mit ihnen ein wenig ins Gespräch. Als dann letztendlich Feierabend ist, gehen wir zurück ins Hotel und ich setze mich mit Karsten, Jörg, Roland, Jürgen, Holger und Jörg ins Restaurant und trinke ein letztes Glas. Es kommt dabei noch einmal zur Sprache, dass die Pilgertour eine tolle Idee sei. Neben dem Kennenlernen der schönen Landschaft und den Mitpilgern seien auch die geistigen Impulse und vor allem der Gottesdienst eine Bereicherung. Gegen 23:00 Uhr liegen wir nach einem erlebnisreichen Tag im Bett.