Von Alken zum Klickerterhof (28. August 2012)

Vor dem Frühstück gehen Jörg und ich in eine Bäckerei und besorgen uns den Pilgerstempel von Alken. Das Frühstück selbst ist sehr gut und reichhaltig. Anschließend treffen wir uns mit gepackten Rucksäcken am Moselufer zu unserer Morgenandacht. Es ist ein schönes Bild: die Sonne beleuchtet die Szene, Karsten steht auf einem Betonpodest zwei Meter in den Fluss hinein und wird von Enten umkreist. Er erzählt von Jesus, der in Kapharnaum in der Synagoge predigte. Dort wurde er von einem  Besessenen gestört. Jesus erkannte, dass Satan die Ursache der Verwirrtheit des Mannes war und ihn versuchen wollte. Er befahl ihm: „Verstumme und fahre aus von ihm!“ Und der unreine Geist gehorchte ihm und verschwand. Karsten ermuntert uns zum Nachdenken, ob auch wir einen „unreinen Geist“ in uns haben, dem Gott einfach sagen kann: „Verschwinde“.

Mit Gesang und dem „Vater unser“ beenden wir die Andacht und verpacken danach alles, was nicht von uns selbst getragen wird, in das Begleitfahrzeug zu Friedhelm. Dann geht es los. In der Oberstraße treffen wir auf das „Fallertor“, dem Haupttor der mittelalterlichen Stadtbefestigung. Hier bitten wir einen Einwohner, von uns ein Gruppenbild zu machen. Wir folgen der „Oberstraße“, laufen aus Alken heraus und überqueren die Mosel nach Löf. Leider ist die Kirche St. Luzia momentan nicht zugänglich, denn es laufen die Vorbereitungen für eine Beisetzung. Unser Weg führt uns an der Uferstraße entlang, direkt dahinter fließt ruhig die Mosel. Am Ortsausgang von Löf wechseln wir auf einen Pfad hinter den Bahngleisen. Zunächst laufen wir durch Weinfelder, kurz darauf befindet sich rechts von uns eine langgezogene Schiefermauer. Zwanzig Minuten später erreichen wir Hatzenport, wo wir uns aber nicht lange aufhalten. Es geht ein wenig aufwärts in die Weinberge. Oben angekommen bietet sich uns ein phantastischer Ausblick ins Tal auf das bisher zurückgelegte Teilstück. Kurz bevor wir in einen bewaldeten Abschnitt eintauchen, spendiert Roland eine Runde Kekse. Die kurze Auszeit wird von jedem individuell genutzt: zum trinken, Shirt wechseln oder einfach nur zum verschnaufen.

Es geht noch ein wenig mehr in die Höhe in Richtung Lasserg. Dort befindet sich ein Startplatz für Paraglider. Wir durchqueren Lasserg und wandern durch landwirtschaftlich geprägtes Gelände. Ab dem Neuhof geht es endlich wieder abwärts bis zum Parkplatz der Burg Eltz, wo wir bereits von Friedhelm zur Mittagsrast erwartet werden. Heute hat er in seine „Wunderkiste“ Fleischwurst und Brötchen eingepackt, die wir uns mit Senf verfeinert gerne schmecken lassen. Nach der ausgiebigen Pause setzen wir den Weg fort. Es geht auf der Zubringerstraße zur Burg Eltz abwärts. Auf einer Mauer mit der Burg im Rücken machen wir ein weiteres Erinnerungsbild, das sehr gelungen ist. Bevor wir weitermarschieren, besorgen Jörg und ich den Stempel für unsere Pilgerausweise. Jetzt erwartet uns ein zwei Kilometer langer Anstieg aus dem Eltztal auf einem zunächst schmalen Pfad über den Grat eines Bergrückens. Dabei passieren wir einige Kreuzwegstationen, die am Wegrand vor langer Zeit aufgestellt wurden. Wir bleiben ein kurzes Stück auf der K 29 und biegen dann auf einen Wiesenweg ab, der uns auf den Buchsbaumwanderweg bringt. An den Schieferhängen über Treis-Karden befindet sich nämlich das größte zusammenhängende Buchsbaumvorkommen nördlich der Alpen. An der Feuerwehrhütte hoch über der Mosel bleiben wir zu einem Impuls stehen. Zunächst genießen wir aber den herrlichen Ausblick auf das Moseltal. Karsten erzählt wieder von Jesus, der sich im Augenblick vieler Aktivitäten in die Wüste zurückzieht. „Wo und wann sind die Situationen, in denen wir uns aus dem Alltag zurückziehen?“ stellt er uns die Frage.

Bis zu unserer Unterkunft auf dem Klickerterhof ist es jetzt nur noch ein Katzensprung. Wir werden von der Familie Ternes herzlich begrüßt und mit den Örtlichkeiten vertraut gemacht. Auch Friedhelm ist bereits auf dem Hof und verteilt die Gepäckstücke. Die Nacht werden wir im Heustadel verbringen. Nach einer ersten Liegeprobe haben Jörg, Dirk und ich einige Probleme mit der Staubentwicklung und verzichten lieber auf die Nacht im Heu. Wir genießen die Aussicht vom hoch über Treis-Karden angesiedelten Hof. Am schönsten Aussichtspunkt befindet sich der Grillplatz, den wir nach einer erfrischenden Dusche herrichten. Während einige aus frischen Zutaten einen Bauernsalat zubereiten, sind Roland und Jürgen damit beschäftigt, die Holzkohle in einen glühenden Zustand zu versetzen. Kühlen Getränke können wir uns aus dem Weinkeller der Familie Ternes holen und morgen bezahlen. Es wird ein sehr gemütlicher Abend an einem reizvollen Ort, der seinen Höhepunkt in einem atmosphärischen Sonnenuntergang hat. Die Steaks, Würstchen und der Salat waren sehr schmackhaft, und die Gespräche sehr tiefgreifend. Gegen 22:30 Uhr ziehen sich die ersten zurück. Jörg kann in einer kleinen Hütte schlafen, Dirk legt sich im Freien in seinen Schlafsack und ich finde ein Eckchen in unserem Frühstücksraum.