Von Koblenz-Stolzenfels nach Alken (27. August 2012)

Heute treffen sich in der Koblenzer Kaserne einige Pilger, die mit unserem evangelischen Militärpfarrer Karsten einige Tage auf dem Mosel-Camino verbringen möchten. Ganz besonders freue ich mich, dass mein Pilgerbruder Jörg dabei ist. Mit ihm bin ich im Mai durch Frankreich unterwegs gewesen, Jörg war anschließend in Santiago. Mit dabei sind noch Jürgen, Roland, Jörg, Dirk und Holger von meiner früheren Dienststelle sowie zwei weitere Kameraden, deren Namen mir aber leider entfallen sind. Um 9.30 Uhr finden wir uns in der „Arche“ zu einem gemeinsamen Frühstück ein. Dabei stellen wir uns kurz vor. Karsten stimmt uns danach auf die Pilgertage ein und verteilt an jeden ein Blatt mit dem Labyrinth aus der Kathedrale in Chartres. Labyrinthe dienten wohl im Mittelalter zu Bußübungen. Wir folgen dem Weg durch das Labyrinth wie einem Lebensweg bis zur Rosette in der Mitte, die als Symbol Mariens gilt. Dort ist aber nicht das Ende des Weges erreicht, denn man kann wieder zurückgehen zum Ausgangspunkt. Dazu gibt es noch einen kurzen Auszug aus dem Matthäus-Evangelium.

Nach dem Transfer nach Stolzenfels ist an der Zeit, die ersten Schritte aus eigener Kraft zu machen. Wir erklimmen einige Höhenmeter bis zur St. Menas-Kirche, von wo wir einen wunderschönen Blick auf den Rhein haben. Karsten berichtet über die Taufe Jesu im Jordan. Mit der Taufe zeigt uns der Herr, dass wir so akzeptiert werden, wie wir sind: „Du bist gut!“ Ich verlese danach den irischen Pilgersegen, und dann geht es weiter. Wir passieren das Schloss Stolzenfels und folgen den gelben Muscheln auf blauem Grund. Kurz darauf treffen wir auf die ganz frischen Markierungen des linksrheinischen Jakobsweges von Köln nach Bingen, der hier ein kurzes Wegestück die gleiche Route wie der Mosel-Camino nutzt. Schaut man in etwas luftigere Höhen, entdeckt man Vogelnistkästen mit den Muschelsymbolen. Hier wird Wegemarkierung in Verbindung mit Artenschutz großgeschrieben. Am „Schüllerhof“, einem früheren römischen Gutshof, trennen sich die beiden Jakobswege und wir folgen dem „Pastorenpfad“ nach Waldesch. Dabei lassen wir die Grundmauern des römischen Merkurtempels rechts liegen.

 Waldesch streifen wir schließlich nur am Rande und laufen mitten durch das Dörfchen Hünfelden. Hinter dem „Bruder-Tönnes-Hügel“, einem immer noch nicht erforschten Grabhügel aus der keltischen Eisenzeit, machen wir unsere Mittagspause. Pfarrhelfer Friedhelm versorgt uns mit Frikadellenbrötchen, Getränken, Obst und Riegeln. Bald geht es wieder weiter. Wir queren die B 327 und gehen auf den Sendemast des Südwestrundfunks zu, der mit 280 Metern noch heute das zweitgrößte Bauwerk in Rheinland-Pfalz ist. Ganz in der Nähe treffen wir auf ein Insektenhotel, ebenfalls mit Wegweisern versehen. Wir überqueren die A 61 und bewegen uns nun immer leicht abwärts durch den Wald. Hinter der K 71 erreichen wir die Wallfahrtskirche auf dem Bleidenberg, wo wir einen herrlichen Ausblick auf Burg Thurant mit Alken und das Moseltal. Erst vor wenigen Wochen wurde hier oben ein Pilgerstein eingeweiht. Nach der Besichtigung der Kirche erzählt uns Karsten wieder von Jesus, von Prüfungen in der Wüste.

 Es folgt nun der Abstieg nach Alken, es geht im Gänsemarsch über einen sehr schmalen Schieferpfad mitten durch eine Steillage. Nach kurzer Wartezeit erscheint auch die Inhaberin des Hotel „Roter Ochse“ und wir beziehen unsere Zimmer. Aus alter Tradition teilen Jörg und ich uns wieder einmal ein Zimmer. Und gleich befinden wir uns wieder in unserem „Pilgertrott“: wir machen kleine Wäsche und hängen diese zum Trocknen in die Abendsonne auf die Terrasse. Danach ist es Zeit für ausgiebige Körperpflege. Während Jörg sich frisch macht, reserviere ich in einem benachbarten Restaurant Plätze für das Abendessen. Schließlich treffen wir uns im Flur unserer Etage und Jörg und ich erzählen anhand von Photos von unserer Tour durch Frankreich. Morgen wird Jörg dann von seiner Reise durch Spanien berichten. Danach begeben wir uns nach nebenan in das Restaurant und verbringen noch einen schönen sommerlichen Abend unter freiem Himmel. Um 22.30 Uhr schlüpfen wir ins Bett.