Von Rhens nach Bad Salzig (13. März 2016)

Nachdem wir gestern in der Koblenzer City-Kirche einen sehr emotionalen Aussendegottesdienst mit rund einhundert Teilnehmern aus nah und fern gefeiert haben, steht heute der 9. Pilgertag der Regionalgruppe Mittelrhein der St. Jakobus-Gesellschaft Rheinland-Pfalz-Saarland an, den ich federführend vorbereitet habe. Mein Sohn Christian fährt mich nach dem Frühstück zum Startort Rhens, wo sich bereits einige Pilger in froher Erwartung vor der katholischen Pfarrkirche St. Theresia eingefunden haben. Die Begrüßung untereinander fällt wie immer sehr herzlich aus. Nach und nach treffen immer mehr Mitpilger ein und wir begeben uns in die Kirche, wo wir am Gottesdienst teilnehmen werden. Mit unserer rund fünfzig Personen umfassenden Pilgergruppe ist die Rhenser Kirche heute sehr gut besucht.

Unsere Gruppe wird von Kaplan Joseph in seiner Einleitung herzlich begrüßt und am Ende der Messe erteilt er uns noch den Pilgersegen. Nach dem obligatorischen Gruppenbild geht es gegen 11 Uhr los. Zunächst statten wir Jakobus in der benachbarten St. Dyonisius-Kirche auf dem Friedhof noch einen Besuch ab und verlassen dann Rhens. Unterwegs passieren wir einige Insektenhotels, worüber unser Pilgerbruder Karl-Heinz Jung sehr erfreut ist. Er ist ein Vorreiter in Sachen Artenschutz und setzt sich intensiv für die Erhaltung der Schöpfung durch den Bau und die Bereitstellung von Nistkästen, Fledermausquartieren und eben besagten Insektenhotels ein. Auf meinen Camino Inglés im Juni werde ich zwei Minihotels mitnehmen, die dann hoffentlich in Herbergen am Weg platziert werden können. Es geht weiter durch Brey, wo wir nach rechts abzweigen und einen ersten anstrengenden Anstieg bewältigen müssen. An einer Schutzhütte machen wir eine kurze Pause und warten, bis alle eingetroffen sind.

Der weitere Weg führt uns auf den Jakobsberg, wo wir den markierten Weg verlassen und einen Abstecher zur ehemaligen Klosterkapelle machen. Dort trägt Michael einen Text zum Nachdenken vor. Wir laufen nun weiter durch den Wald, immer noch leicht ansteigend bis zur Engelseiche. Von hier aus ist es nicht mehr weit bis zum Vierseenblick, wo wir unsere Mittagspause einlegen. Vom Aussichtspunkt kann man auf das Rheintal schauen und sieht dabei vier Abschnitte des Rheins, die wie kleine Seen wirken. Wir lassen uns an zwei Bänken nieder und vertilgen unsere mitgebrachten Speisen. Ich lassen mir ein Stück spanischen Schafskäse, eine Salami und einen französischen Rotwein schmecken. Dreißig Minuten Rast sollen ausreichend sein, und so packen wir alles zusammen. Wir haben einen ortskundigen Führer dabei, der uns den Abstieg anstatt über die asphaltierte Fahrstraße über den Kyffhäuserpfad empfiehlt. Der Tipp ist gut und geht bequem auf einem schmalen Waldpfad in Serpentinen abwärts ins Mühlental, wo wir über den Kronprinzenpfad an die Talstation des Sesselliftes gelangen.

Wir pilgern nun am Rhein entlang zur Karmeliterkirche, wo es einen weiteren Impuls gibt. Anschließend schlendern wir weiter zur Basilika St. Severus. Hier trägt ein Mitpilger noch ein Gebet vor. Das brauchen wir anscheinend auch, denn nun steht uns ein richtig anstrengender Anstieg bevor. Über zahlreiche Serpentinen erklimmen wir eine Anhöhe, die viele Schweißtropfen kostet. Zum Glück befindet sich oben eine Schutzhütte, die zu einer Rast genutzt werden kann. Die haben einige Mitpilger nötig, denn ihre Gesichter zeigen vor lauter Anstrengung durchweg eine rötliche Färbung. Nun ist es nicht mehr so weit bis zu unserem Tagesziel. Es geht nun ein längeres Stück an der Hangkante entlang mit schönen Ausblicken ins Tal. Am Ende dieses Pfades gelangen wir auf einen breiten Wirtschaftsweg, von dem wir eigentlich kurz darauf wieder nach links abzweigen sollten. Aber auch hier kommt der Rat eines ortskundigen Mitpilgers zur rechten Zeit. Wir bleiben auf dem Weg und erreichen das Friedenskreuz von Bad Salzig, wo wir ein gemeinsames Lied anstimmen.

Schließlich erreichen wir unter dem Geläut der Glocken der katholischen Pfarrkirche St. Ägidius nach einem kurzen steilen Abstieg Bad Salzig. In der Kirche werden wir von Burkhard Höhlein, dem Vorsitzenden des Pfarrgemeinderates empfangen. Kaplan Keller feiert mit uns noch eine schöne Schlussandacht und segnet die neuen Pilgerstempel, von denen einer in einem selbst gebauten Holzkasten in der Kirche platziert wird. Den zweiten Stempel übergebe ich anschließend Herrn Halfer vom Hotel Perle am Rhein, wo wir uns noch zum Abschluss eines sehr gelungenen Pilgertages zu einem gemütlichen Beisammensein treffen.