Von Miesenheim nach Koblenz  (19. April 2015)

Ich schlendere gemütlich bei  noch frischen Temperaturen aus dem Haus, es fröstelt mich und ich entscheide mich doch, meine dünne Jacke überzuziehen. Die Straßen sind noch leer an diesem Sonntagmorgen und gerade geht die Sonne am Horizont auf. Mein Weg führt zunächst zum Koblenzer Hauptbahnhof, wo bereits einige Pilger auf den Zug nach Miesenheim warten. Der hat heute zehn Minuten Verspätung. Ich kann mich an einem Gruppenticket beteiligen, das Ursula und Sigrid aus meinem Laufverein gelöst haben. Für heute haben wir den 7. Pilgertag auf dem Linkshreinischen Jakosbsweg vorbereit, der uns von der katholischen Pfarrkirche St. Kastor in Miesenheim bis zur Basilika St. Kastor nach Koblenz führen wird. Es erwartet uns ein umfangreiches Programm an den verschiedensten Orten.

In Andernach steigen weitere Pilger aus dem Bonner Raum zu und als der Zugführer den Führerstand gewechselt hat, geht es auch schon weiter bis zum Bahn Hof Miesenheim. Nur noch zwei Ecken weiter und wir treffen mit einer großen Pilgergruppe, die vor der geöffneten St. Kastor-Kirche auf uns  wartet. Bisher hatte ich noch keine Gelegenheit, die Kirche von innen zu sehen, sie war bei meinen Pilgertouren auf dem Eifel-Camino oder dem Linksrheinischen Jakobsweg stets verschlossen. Franz aus unserem Kompetenzteam wohnt jedoch in Miesenheim und hat dafür gesorgt, dass wir zur Begrüßung in die Kirche können. Michael, der Vizepräsident unserer Jakobusgesellschaft, wendet sich an die Pilgerschar mit einem ersten Impuls zum Thema des Tages „Der Pilgerweg ist ein Friedensweg“. Anschließend gibt Franz noch ein paar organisatorische Hinweise. Nach einem Gruppenfoto vor der Kirche macht sich die Gruppe auf den Weg in Richtung dem Flüsschen Nette. An einer Brücke zähle ich 47 Pilger, vier weitere werden auf dem folgenden Weg noch dazu stoßen.

Es geht zunächst leicht ansteigend durch Ackerland, wo sich unter zwei Aufschüttungen archäologische Ausgrabungsstätten aus grauer Vorzeit befinden. Franz hat als Einheimischer die passenden Erläuterungen parat. Nur ein paar Schritte weiter machen wir an einem Wegkreuz von 1646 Halt für eine weitere Station mit Impuls und einem Lied aus unserem neuen Liederheft. Mit wird es jetzt zu warm, ich entledige mich meiner Jacke und entferne die unteren Abschnitte meiner Wanderhose. Wir bewegen uns auf Kettig zu und ich führe einige interessante Gespräche, bei denen ich einiges zur Entstehung des Linksrheinischen Jakobsweges erzählen kann. Der Weg ist zu beiden Seiten gesäumt von Obstbäumen, die zwar noch wenig grüne Blätter an ihren Zweigen haben, dafür aber in einem strahlend weißen Blütenmeer versinken. Wir durchqueren Kettig und steigen wiederum ein wenig aufwärts, um auf den Streuobstwiesenweg zu gelangen. Es ist eine wahre Freude, an diesem herrlichen Frühlingstag die Kraft und Schönheit der Natur zu erleben. So höre ich um mich herum nur lobende Worte zum gewählten Termin. Das war uns auch ein besonderes Anliegen, diesen eigentlich tristen Abschnitt passend zur Obstblüte zu bewandern, um genau dieses Naturerlebnis zu genießen.

Inzwischen laufen wir oberhalb von Mülheim-Kärlich immer noch durch blühende Streuobstwiesen. Ein sehr steiler Anstieg bringt uns auf eine Höhe, von der wir einen ersten Blick auf den Koblenzer Stadtteil Rübenach erhaschen können. Ein besonders schönes Bild gibt der von blühenden Obstbäumen eingerahmte Turm der St. Mauritius-Kirche ab. Hinter der Autobahnbrücke befindet sich ein Basaltstein mit einer Infotafel, auf der Interessantes zum Jakobsweg und zu Rübenach zu lesen ist. Im vergangenen Jahr hatte ich die Tafel für die Rübenacher Bürgerinitiative entworfen, eine zweite wurde am anderen Ende des Ortes aufgestellt. Auf dem Weg dorthin gibt es noch ein paar Pilgersteine mit Muschelsymbol. Der Rübenacher Pilgerstempel liegt seit ein paar Tagen in einem weißen Briefkasten mit Muschelsymbol am Haus Keltenstraße 194 für vorbeiziehende Pilger bereit. Wir ziehen weiter bis zu einem eingezäunten Gelände, auf dem sich ein Pilgerkreuz sowie die zweite Infotafel befinden. Der Initiator Heinz Bengel, heute auch mit uns unterwegs, erläutert der Gruppe die Entstehungsgeschichte. Hier gibt es jetzt auch die Pilgerstempel von Miesenheim und Rübenach für die mitgeführten Pilgerausweise. Ein von Michael vorgetragener Text beendet den kurzen Aufenthalt in Rübenach und wir begeben uns auf den letzten kurzen Anstieg.

An der Grillhütte auf dem Heyerberg mit traumhaftem Blick auf Güls machen wir unsere Mittagsrast. Nach einer guten halben Stunde geht es abwärts, denn wir werden in der alten St. Servatius-Kirche von den Diakonen Bernhard Saxler aus Güls und Wolfgang Dröschel aus Nachtsheim zu einem kurzen Gottesdienst erwartet. Das Thema steht in Verbindung zu den bei der umfassenden Renovierung vor zwei Jahren gefundenen Bildern in den oberen Rundbögen, die die Seligpreisungen darstellen. Zu unserer Überraschung haben wir die Gelegenheit, auch die oberen Bereiche, die früher dem Klerus und den Ordensleuten vorbehalten waren zu einem gemeinsamen Gebet und Gesang aufzusuchen. Zu guter Letzt gibt es noch vier Pilgerstempel: den offiziellen vom Jakobsweg von Güls und Koblenz, einen der Stiftung Alte Kirche Güls sowie meinen eigenen. Dann zieht der Tross weiter über die Moselbrücke nach Moselweiß. Hier laufen wir entlang der Mosel auf dem Leinpfad bis zum Zusammenfluss mit dem Rhein am Deutschen Eck, wo wir uns noch einmal zu einem Gruppenbild auf den Stufen des Denkmals niederlassen. Im nahe gelegenen Ludwig-Museum im ehemaligen Deutschherrenhaus übergeben der Mitarbeiterin an der Kasse den Pilgerstempel von Koblenz mit dem Motiv der Basilika St. Kastor.

Nach dem Besuch der Basilika gehen wir nur ein paar Meter weiter zur Jakobuskapelle. Hier erwartet uns Pfarrer Ralf Staymann von der Altkatholischen Gemeinde Koblenz. Er erzählt uns ein wenig über die Geschichte der Kapelle und gestaltet eine kurze Andacht mit uns. Zum Abschluss treffen wir uns in der Heimat des Koblenzer Pilgerforums, der City-Kirche St. Johannes. Dort empfängt uns Pater Martin Königstein von den Arnsteiner Padres, der auch unser Forum spirituell begleitet, zu einer Dankandacht. Es war ein wunderschöner Tag mit großartigem Wetter, traumhaften Bildern und lieben Mitpilgern. An dieser Stelle noch einmal ein Dank an Diakon Saxler, Pfarrer Staymann und Pater Martin, dass sie sich Zeit für uns genommen haben und diesen unvergesslichen Tag mitgestaltet haben.