Von Remagen nach Brohl-Lützing (12. Oktober 2014)

Unsere Regionalgruppe Mittelrhein der St. Jakobus-Gesellschaft Rheinland-Pfalz-Saarland hat für heute zum 5. Pilgertag auf dem Linksrheinischen Jakobsweg eingeladen. Ich treffe mich mit Rudi, Michael und Robert am Koblenzer Hauptbahnhof, von wo aus wir mit der Bahn zum Startort Remagen fahren. Mir macht seit einiger Zeit meine rechte Schulter einige Probleme, und so kommt es mir gelegen, dass Robert mir eine Reiki-Behandlung anbietet. Obwohl er eigentlich eine normal temperierte Hand hat, macht sich eine angenehme Wärme in der Schulter breit. Nur zwanzig Minuten später erreichen wir Remagen und laufen noch zwei Ecken weiter bis zur katholischen Pfarrkirche St. Peter und Paul. Dort werden wir bereits von einigen Mitpilgern erwartet. Kurz darauf treffen auch unsere Pilgerfreunde aus dem Köln-Bonner Raum ein und wir begeben uns in den älteren Teil der Kirche aus dem 13. Jahrhundert, in dem sich auch ein Fresko des Jakobus aus dieser Zeit befindet. Die ehemalige Gemeindereferentin Luzia Waszewski hat es uns ermöglicht, um die frühe Morgenzeit bereits Zutritt zu der Kirche zu bekommen. Nach einem Impuls von Michael erteilt uns Diakon Wolfgang Dröschel aus Nachtsheim noch den Pilgersegen und dann geht es los.

Zunächst haben wir einen heftigen Anstieg vor uns, der uns auf eine Hochebene bringt. Dort tauchen wir in ein Waldgebiet ein und passieren einen alten jüdischen Friedhof. Wir sind in intensive Gespräche vertieft, dass wir erst nach ein paar hundert Metern bemerken, dass wir dem falschen Weg gefolgt sind. Nachdem wir diesen Fauxpas bereinigt haben, marschieren wir leicht abwärts auf schmalen und matschigen Pfaden gen Bad Bodendorf zu. Hier müsste noch die eine oder andere Wegemarkierung angebracht werden. An einem Wegkreuz warten wir einen Augenblick, bis die Gruppe wieder vollzählig ist. Nun umrunden wir den Ort, um schließlich noch einmal über einen rutschigen Weg in die Ortsmitte zu gelangen. Wir überqueren die B 266 und laufen an der Kriegsgräberstätte vorbei an die Ahr. Dieser folgen wir ein Stück und erreichen den Kirchplatz von Sinzig. Wir nehmen am Hochamt in der St. Peter-Kirche teil, das aber erst in einer halben Stunde beginnt. So nutzen wir die Gelegenheit, den Pilgerstempel von Sinzig in die Pilgerpässe zu drücken. Überraschend taucht dann Regina auf, von der wir uns den Stempel geborgt haben. Sie kann ihn direkt wieder mit nach Hause nehmen. Zu Beginn des Gottesdienstes wird unsere Gruppe von Pastor Achim Thieser herzlich begrüßt und am Ende erteilt er nicht nur uns einen Pilgersegen, sondern auch einer Gruppe Ministranten, die demnächst nach Rom pilgern werden.

Wir verlassen nach dem Gottesdienst Sinzig und erklimmen eine erste Anhöhe. Bei einem Marienmosaik warten wir auf die etwas langsameren, beten dann gemeinsam ein „Ave Maria“ und singen ein Marienlied. Es geht auf einem breiten Waldweg zur Mönchsheide, auf der sich heute ein Segelflugplatz und ein Gasthaus befinden. Schließlich geht es abwärts nach Oberbreisig, wo die St. Viktor-Kirche unser Ziel sein wird. Mit Unterstützung von Herrmann Josef Schmitz und Friedhelm Link bietet sich uns die Möglichkeit die beiden Kirchen von Bad Breisig mit Jakobusspuren zu besichtigen. Da heute in Oberbreisig Kirmes ist, müssen wir den markierten Weg ein wenig umgehen. Vor der Kirche werden wir bereits von einem Pressevertreter erwartet und stellen uns gerne zu einem Foto auf der Freitreppe zusammen. Danach werden wir vom stellvertretenden Vorsitzenden des Verwaltungsrates der Pfarrgemeinde, Theo Schmidgen, und dem Küster, Jürgen Ockenfels, begrüßt. Wir bekommen einen kurzen Vortrag zur Geschichte des Gotteshauses und eines mittelalterlichen Freskos mit der Darstellung einer Pilgerkrönung. Der zufällig sich auf der Kirmes aufhaltende Bürgermeister der Verbandsgemeinde, Bernd Weidenbach, lässt es sich nicht nehmen, uns ebenfalls noch zu begrüßen. In seiner Anwesenheit habe ich die Ehre, den Pilgerstempel für Oberbreisig mit dem Motiv der Kirche an die Gemeindevertreter zu überreichen. Danach haben alle die Möglichkeit, den Stempelabdruck in ihren Pilgerausweis zu bekommen.

Während einige Mitpilger noch ein gewisses Örtchen aufsuchen, genehmige ich mir im angrenzenden Dorfbackes eine Portion Zwiebelkuchen mit Federweißem. Dann wird es Zeit, zu unserem nächsten Fixpunkt loszulaufen. Die Marienkirche ist nur einen knappen Kilometer entfernt. Da die eigentliche Route noch durch eine Baustelle schlecht begehbar ist, bleiben wir halt auf dem Fußweg an der Hauptstraße. In der gotischen Pfarrkirche werden wir bereits von der Vorsitzenden des Pfarrgemeinderates, Christina Braun, erwartet. Sie erläutert uns kurz das Bauwerk und weist insbesondere auf die Jakobusdarstellung auf dem Antependium des rechten Seitenaltares hin. Auch am linken Seitenaltar ist ein Heiliger mit Pilgerattributen zu erkennen. Es handelt sich hierbei jedoch um den heiligen Rochus, der unschwer an der Wunde auf dem Oberschenkel und einem Hund zu erkennen ist. Beide werden recht gerne verwechselt. Michael übergibt den Pilgerstempel für Niederbreisig, der zukünftig in der Römertherme erhältlich sein wird. Franz drängt auf den Abmarsch, denn wir sollen bereits um 16:00 Uhr in Brohl-Lützing an der Kirche sein. Aufgrund der fortgeschrittenen Zeit verzichten wir hinter der Römertherme auf einen Aufstieg und bleiben auf der Straße. An der Wagram-Brücke über dem Vinxtbach erläutert uns Herrmann den historischen Bezug. Exakt hier war die die Grenze der römischen Provinzen Obergermanien (Hauptstadt Mainz) und Niedergermanien (Hauptstadt Köln). Die Brücke selbst wurde von Napoleon erbaut und am vierten Jahrestag seines Sieges über Österreich bei Wagram, dem 6. Juli 1813 eingeweiht.

Eigentlich ginge es jetzt steil bergauf in Richtung Burg Rheineck, aber die Zeit lässt den mühsamen Aufstieg nicht zu und so wird entschieden, auf der alten B 9 nach Brohl zu wandern. Das wiederum stößt bei einigen Kölner Pilgerfreunden auf Unmut - sie möchten lieber über die Höhe laufen. Ich biete mich als Führer an und so besiegen Nina, Hans Peter, Stefan und ich einige Höhenmeter und werden mit einem traumhaften Ausblick auf das Rheintal und Brohl belohnt. Wir halten uns nicht lange auf, sondern machen uns direkt an den Abstieg, der uns auf einem schmalen Pfad durch den Hang führt. Kurz nach 16 Uhr treffen wir an der Pfarrkirche St. Johannes der Täufer ein. Dort wird bereits ein Kurzvortrag über die Geschichte des Bauwerkes gehalten. Die Vertreter der Gemeinde, allen voran der Vorsitzende des Pfarrgemeinderates, Martin Schnitker, haben sogar zwei Kisten Getränke zur Verfügung gestellt. Franz übergibt den Stempel für Brohl, er wird später in Annemie´s Lädchen ganz in der Nähe erhältlich sein. Nach einem abschließenden Lied („Möge die Straße…“) bewegen wir uns allmählich auf den Bahnhof zu, damit wir unsere Züge in Richtung Bonn und Koblenz erwischen. Unterwegs treffe ich sogar noch einen ehemaligen Kollegen aus meiner früheren Dienststelle in Koblenz. Am Bahnhof trennen sich unsere Wege – einige Mitpilger stehen uns auf dem anderen Bahnsteig gegenüber und winken, andere besteigen ihr Autos und fahren nach Hause. Ich habe das Glück, dass mich Michael in Koblenz noch bis vor die Haustüre bringt, so spare ich zwei Kilometer Fußweg. So endet ein schöner Pilgertag auf dem Linksrheinischen Jakobsweg mit vielen guten Gesprächen - aber auch ein wenig Hektik durch die terminlichen Vorgaben. Das müssen wir zukünftig besser organisieren.