Von Bonn nach Niederbachem (13. Juli 2014)

Unser nächster Pilgertag auf dem Linksrheinischen Jakobsweg steht an. Heute soll es vom Bonner Münster bis nach Niederbachem gehen. Unsere Koblenzer Gruppe trifft sich zunächst am Hauptbahnhof und fährt mit der Bahn in die ehemalige Hauptstadt. Unterwegs gesellen sich in Andernach noch weitere Pilger dazu. Vom Bonner Bahnhof sind es nur wenige Schritte bis zum Münsterplatz, den wir noch trockenen Fußes erreichen. Der Himmel ist trüb und mit grauen Wolken verhangen - ich bin gespannt was uns da noch erwartet. Vor dem Portal des Münsters warten schon einige Leute, die unschwer als Pilger zu erkennen sind, dabei auch einige uns bereits bekannte Gesichter von den ersten beiden Veranstaltungen. Unser erster Programmpunkt wird um 9.00 Uhr die Teilnahme am Gottesdienst im Münster sein, das wir nun betreten. Die Bänke sind noch spärlich besetzt, trotzdem sorgt unsere knapp 40-köpfige Gruppe für Aufsehen. Schließlich beginnt der Gottesdienst und wir sind schon beinahe enttäuscht, dass wir trotz vorheriger Ankündigung nicht begrüßt werden. Dafür spendet uns der zelebrierende Geistliche zum Abschluss den Pilgersegen und wünscht uns einen guten Weg.

Nach einer kurzen Ansprache von Franz an die Gruppe machen wir uns - inzwischen mit Regenkleidung versehen auf den Weg. Es nieselt leicht, als wir losmarschieren. Zunächst laufen wir am Poppelsdorfer Schloss vorbei auf den Venusberg, um am Kaiser- Wilhelm-Denkmal zum ersten Mal durchzuschnaufen. Der Regen hat sich wohl von uns vertreiben lassen, denn die Schirme und Jacken verschwinden in den Rucksäcken. Vom Venusberg haben wir einen wunderschönen, wenngleich leicht trüben Ausblick auf Bad Godesberg, das aber noch in einiger Ferne vor uns liegt. Unsere nächste Station ist am Dottendorfer Jugendkreuz, wo Michael einen Text verliest und die Gemeinde voller Inbrunst ein Lied zum Besten gibt. Ein Mitpilger war so lieb und hat eine Tarta de Santiago gebacken und verteilt diese an alle. Lecker - alle sind total begeistert.

Wir laufen nun durch ein längeres Waldgebiet und erreichen die ersten Ausläufer von Bad Godesberg. Ein Teil der Gruppe wagt den Aufstieg auf die Godesburg, wo wie einer Mitarbeiterin den Pilgerstempel zur Aufbewahrung und Nutzung übergeben. Die Zeit reicht noch, um den Durst mit einem kühlen Drink zu löschen und einen kleinen Mittagssnack zu sich zu nehmen. Beim Abstieg passieren wir die erst vor kurzem sanierte Michaelskapelle auf dem benachbarten Friedhof. Die barocke Kapelle erstrahlt in neugewonnener Schönheit und ist eine sehenswürdige Bereicherung des heutigen Tages. Weiter abwärts wartet der Rest der Gruppe an der Marienkirche auf uns. Unter der Empore erwartet uns der nächste Impuls von Michael, zum Auszug aus dem Gotteshaus lassen wir wieder unsere Stimmbänder vibrieren.

Bei einem kurzen, aber heftigen Schauer retten wir uns in der Fußgängerzone unter den schmalen Arkaden. Zum Glück zieht das Unwetter schnell vorüber, sodass wir unseren Weg fortsetzen können. Nur ein paar Schritte weiter reißt sogar der Himmel auf und die Sonne begrüßt uns zur Mittagsstunde. Am Draitschbrunnen verschwinden daher wieder sämtliche Regenutensilien in den Rucksäcken. Wir pilgern entlang des Godesberger Baches durch ein romantisches Tälchen, passieren dabei die evangelische Kirche. Nun erwartet uns der schwierigste Teil des Tages: ein langgezogener steiler Anstieg lacht uns hämisch entgegen – wir bezwingen ihn trotzdem, und zwar mit einem Liedchen auf den Lippen. Es geht entlang des Ortsteiles Heiderhof, am Waldfriedhof und schließlich an Ließem vorbei. Unsere nächste Station ist ein Heiligenhäuschen, von dem wir bereits unser Etappenziel Niederbachem sehen können. Hier werden wir bereits von Dr. Walter Töpner erwartet, der in der Region wohnt und schon einige Bücher zum Jakobsweg geschrieben hat. Das Heiligenhäuschen ist der richtige Ort, um ein schönes Gruppenphoto zu schießen. So verewigt sich die Pilgergruppe vor der malerischen Kulisse auf mehreren SD-Karten.

Der nun folgende Abstieg nach Niederbachem tut richtig gut. Nur noch zwei Straßenkreuzungen sind zu gehen, dann stehen wir vor der katholischen Pfarrkirche St. Gereon, wo wir von Pfarrer Josef Zeyen erwartet. Er feiert mit uns eine Abschlussandacht und erzählt dabei, dass er in jungen Jahren auch schon auf dem Jakobsweg unterwegs - allerdings mit dem Auto. Wer möchte bekommt noch den Pilgerstempel von Niederbachem in seinen Pilgerausweis gedrückt. Einer Mitpilgerin aus dem Ort übergebe ich den Stempel mit der Bitte, diesen im Hotel Dahl abzugeben. Pfarrer Zeyen versprechen wir einen weiteren Stempel für die Kirche. Dieser soll dann beim nächsten Pilgertag übergeben werden. Nach der Verabschiedung warten wir auf unser Fahrzeug, das uns in drei Schichten zum Mehlemer Bahnhof bringt. Die letzten haben leider das Pech, das es erneut zu heftig zu regnen beginnt. Trotz der Wetterkapriolen haben wir einen schönen Tag erlebt.