Von Bacharach nach Bingen (14. Oktober 2013)

Der von unserer Projektgruppe selbst festgelegte Redaktionsschluss für den Pilgerführer des Linksrheinischen Jakobsweges rückt immer näher und ich bin die beiden letzten Etappen von Bacharach zum Gerhardshof und von dort nach Bingen immer noch nicht abgelaufen. Meine Mitautoren haben zwar schon eine grobe Beschreibung abgeliefert, jedoch möchte ich mir die Wegführung selbst anschauen, bevor ich sie beschreibe. So habe ich mir diesen Montag freigenommen, um die letzten 32 Kilometer zu absolvieren. Zunächst bringe ich unser Auto nach Lahnstein in die Werkstatt, es steht eine Inspektion mit Reifenwechsel an. Um 6:26 Uhr fährt mein Zug ab dem in der Nähe gelegenen Bahnhof über Koblenz nach Bacharach, wo ich um 7:30 Uhr bei völliger Dunkelheit aussteige.

Ich durchquere den noch verschlafenen Ort bis zur St. Peter-Kirche und steige die Treppenstufen bis zu den Ruinen der Werner-Kapelle hinauf. Hier versuche ich, einige Photos zu machen, die jedoch aufgrund der eigentlich nicht vorhandenen Lichtverhältnisse nicht sonderlich gelingen. Über weitere Stufen und einige Serpentinen gelange ich zur Burg Stahleck und gehe geradeaus durch das Burgtor. Hinter der Burg suche ich im Kegel meiner Taschenlampe verzweifelt nach Wegmarkierungen und lande schließlich auf einer etwas höher gelegenen Plattform mit Blick auf die Burg. Ich studiere noch einmal die Wanderkarte und komme immer noch nicht zu einer Lösung. Bevor ich mich jetzt verlaufe, gehe ich nochmal zurück zum Burgtor und entdecke in der Dämmerung eine nicht so günstig angebrachte Jakobsmuschel, die nach links weist. Also wende ich mich in diese Richtung und laufe unterhalb der Burg- und Stadtmauer entlang bis zu einem Wildschutztor. Dahinter erreiche ich eine Waldpassage und bleibe zunächst geradeaus auf dem breiten Hauptweg. Über einen aufwärts führenden Weg komme ich zur Villa Sonnenhöhe am Rande von Neurath, gehe nach links über einen Schotterplatz und anschließend am Waldrand entlang bis zu einem ersten Aussichtspunkt. Weiter geht es oberhalb von Weinbergen bis zur K 24, danach umrunde ich in einem weiten Bogen das Bombachtal. Schließlich befinde ich mich in Medenscheid und mache unterhalb der Kreuzung der K 24 mit der Bacchusstraße an einem Rastplatz mit einem Insektenhotel eine kurze Pause. Dort ist auch ein Weinautomat platziert, an dem man sich aus dem Angebot eines Winzers einen guten Tropfen gönnen kann.

Nun pilgere ich oberhalb der Hangkante, passiere einen weiteren Aussichtspunkt und eine Grillhütte. Anschließend umlaufe ich das Winzbachtal, stoße erneut auf die K 24 und biege kurz darauf auf das freie Feld nach rechts ab. Auf einem asphaltierten Wirtschaftsweg werde ich wieder zum Waldrand und der Hangkante bis nach Oberdiebach geleitet. Dort mache ich einen kurzen Abstecher zur St. Mauritius-Kirche, die jedoch verschlossen ist. Nach einem kurzen Stück auf einem Waldweg bewege ich mich abwärts nach Niederheimbach, wo ich erneut den Weg verlasse, um mir die Kirche Maria Himmelfahrt anzusehen. Tatsächlich ist sie offen, jedoch mit einem Gitter vor unbefugtem Betreten gesichert. Während meines Besuchs wird gerade die Orgel gestimmt.  Zurück am Dorfbrunnen, muss ich zunächst durch ein Wohngebiet, dann auf einem Märchenpfad mit zahlreichen Skulpturen, bis zur Burg Hohneck aufsteigen. Nach einer ausschweifenden Linkskurve wandere ich oberhalb einer Siedlung bis zum Ortsrand. Ich umlaufe das Erschbachtal und habe ab hier das anstrengendste Stück des Tages vor mir. Es geht beständig bergauf, zunächst bis zum Parkplatz der Burg Sooneck, danach über den steilen Martinspfad zum Aussichtsturm Siebenburgenblick. Danach laufe ich wieder durch Wald und erreiche an einer Schutzhütte die Kölschen Wiesen, die ich großzügig umrunde. Aus dem Wald höre ich an dieser Stelle lautes Knacken von morschem Geäst und Stimmen in einer mir fremden Sprache. Schließlich tauchen vor mir zwei ältere Herrschaften aus dem Dickicht auf, beide tragen jeweils zwei große, geflochtene Körbe, die bis über den Rand mit reichlich Waldpilzen gefüllt sind. Wenn mich nicht alles täuscht, ist es verboten, eine solche Menge mitzunehmen. Nur wenige Schritte später erreiche ich den Gerhardshof. Leider ist montags Ruhetag, sodass ich mich gar nicht lange aufhalte.

Zunächst geht es abwärts durch Pferdekoppeln auf den Waldrand zu, wo ich auf einem noch schmalen Pfad links in das Aderbachtal folge. Hier laufe ich entspannt leicht abfallend in das tief eingeschnittene, romantische Morgenbachtal hinein. Schließlich biege ich auf Höhe von einigen Häusern nach rechts ab auf den Eselspfad, einem kurzen, aber heftigen Aufstieg über Schieferstufen, der sogar an einer Stelle mit einem Stahlseil zur Unterstützung ausgestattet ist. Ab einem schief stehenden Markierungsstein mit der Gravur „1037“ folge ich einigen Serpentinen abwärts bis zur Burg Rheinstein. Über einen Pfad an der Burgmauer entlang steige ich allmählich wieder in die Höhe, vorbei an einem Aussichtspunkt, wo zwei Familien mit Kindern ihre Mittagsmahlzeit einnehmen. An der Waldgaststätte Schweizerhaus gehe ich erneut in den Wald hinein, überquere den Poßbach und erreiche die Kreuzung am Damianskopf, dem für heute höchsten Punkt. Etwa 200 m links davon befindet sich ein traumhafter Ausblick auf das Rheintal, den ich gerne genieße. Von nun an geht es eigentlich nur noch abwärts. Durch den Wald gelange ich zur Waldgaststätte Forsthaus Heiligkreuz und überquere den dortigen Parkplatz. Neben einer Hinweistafel führen einige Treppenstufen zu einem Waldweg, dem ich nach links in Richtung Bingen folge. Auf einem Waldpfad oberhalb der Fahrstraße werde ich zum Aussichtspunkt und der Schutzhütte Prinzenkopf geführt. Unterhalb der Hütte pilgere ich auf der Straße links weiter und passiere einen Gedenkstein für den Förster Peter Demmel, der hier 1920 erschossen wurde. Kurz dahinter laufe ich über ein paar Serpentinen durch den Waldhang und erreiche die Rhein-Nahe-Jugendherberge in der Bingener Herterstraße. Von hier ist es nicht mehr weit bis zum Bahnhof und der Innenstadt. Ich überquere die Nahe, gehe durch schmale Gassen bis zur Basilika St. Martin, die ich mir ausführlich ansehe. Auf dem Weg zur Burg Klopp besuche ich noch die modern gestaltete Kapuzinerkirche und biege am Heilig-Geist-Hospital rechts ab, um durch den Burggraben das Ende des Linksrheinischen Jakobsweges auf der Burg Klopp zu erreichen. An diesem Ort endet ebenso der Jakobsweg von Mainz und es beginnen der Rheinhessische Jakobsweg nach Worms sowie der Hunsrücker Jakobsweg nach Trier. Leider fehlt der hinterlegte Stempel für den Pilgerpass. Der Aufbewahrungsbehälter am Bergfried ist leer. Den hole ich mir schließlich in der Tourist-Information, die sich in der Nähe des Bahnhofs befindet. Gegen 16:00 Uhr besteige ich zufrieden den Zug in Richtung Lahnstein, um dort zunächst mein Auto von der Werkstatt abzuholen.