Von St. Goar nach Bacharach (6. September 2013)

Allmählich neigt sich meine Wanderung auf dem Linksrheinischen Jakobsweg dem Ende zu. Es sind nur noch drei Tagesetappen, die ich allerdings an zwei Tagen schaffen möchte. Auch heute fahre ich unmittelbar nach dem Dienst zum Start nach St. Goar. Auf einem Parkplatz in der Nähe der Rheinfähre stelle ich mein Auto ab und mache mich auf den Weg zur Stiftskirche und zum Bahnhof. Dahinter gehe ich durch eine Unterführung und sehe den ersten Anstieg mit zahlreichen Treppenstufen vor mir. Ich passiere ein Hinweisschild zu einem Natur- und Erlebnispfad und einen Turm mit Verlies aus früheren Tagen. Über einen schmalen Pfad mit Stahlgeländer gelange ich zur Kretsch-Hütte mit einer völlig neuen Perspektive von St. Goar. Auf der anderen Rheinseite lacht mir die Schwesterstadt St. Goarshausen mit der Burg Katz entgegen.

Hinter der Hütte laufe ich am Rand einer Ackerlandschaft und biege an einer eingezäunten Streuobstwiese nach links ab. Es geht auf einem Feldweg am Rande und kurz darauf durch ein Feld bis zum Aussichtspunkt am Bankeck. Danach bleibe ich an der Hangkante und erreiche den Aussichtspunkt Loreleyblick. Eine Informationstafel erzählt alles, was man schon immer über die Loreley wissen wollte. Wenige Schritte hinter einer weiteren Station mit einer Sinnesbank zweigt der Weg nach links über flache Stufen in den Wald ab. Nach der kurzen Abwärtspassage verläuft der Weg nach der Überquerung des Seelenbaches ordentlich aufwärts. Der Untergrund wird nun etwas felsiger. Schließlich erreiche ich den Aussichtspunkt „Maria Ruh“ mit einem Denkmal für die Väter des Loreley-Liedes (Clemens Brentano, Friedrich Silcher und Heinrich Heine). Leider ist das ansässige Gasthaus zurzeit geschlossen, eine Zapfstelle bietet mir die Möglichkeit, meine Trinkwasservorräte aufzufüllen. Rechts vom Denkmal geht der Weg durch eine Pergola bis zu einer Fahrzeugsperre weiter. Dort stoße ich auf einen asphaltierten Weg, dem ich nach links an der Hangkante folge. Hinter einer Bank gehe ich nach rechts und an einer Kreuzung mit Kopfsteinpflaster nach links abwärts. Von einer Schutzhütte aus kann ich am Horizont bereits Oberwesel erkennen. Vor einem verschlossenen Tor eines Weinbergs geht es am Zaun entlang nach rechts oben, wo ich nach links durch die Weinlage „Urbarer Beulsberg“ laufe und ein kleines Kapellchen passiere. Dahinter befinden sich am abwärts führenden Schotterweg drei Metallskulpturen, die auf mich einen verlorenen Eindruck machen und nicht so recht in die Landschaft passen. Kurz darauf überquere ich die K 95 und setze meinen Weg fort, der an verschiedenen Stellen mit Trollen aus Metall von verschiedenen Künstlern bereichert wurde. Schließlich treffe ich erneut auf die K 95 und gelange zum Günderodehaus am Aussichtspunkt „Sieben Jungfrauenblick“. Das 200 Jahre alte Fachwerkhaus wurde in Seibersbach im Hunsrück abgetragen und an seinem jetzigen Standort für Filmaufnahmen zum Sechsteiler „Heimat 3“ aufgebaut. Nach Abschluss der Dreharbeiten 2005 wurden hier ein Filmmuseum und eine kulturelle Begegnungsstätte eingerichtet.

Es geht jetzt abwärts  durch den Weinberg, der mit kleinen Bäumen übersät ist. Beim näheren Hinsehen entdecke ich darin unzählige rot-gelbe Früchte, Weinbergpfirsiche. Da schlage ich unverblümt zu und bediene mich. Die Pfirsiche sind zuckersüß und schmecken köstlich. Schließlich stoße ich auf die „Koblenzer Straße“, der ich geradeaus nach Oberwesel hinein folge. An einer Pizzeria steige ich rechts einige Treppen zum höchsten Punkt der Stadt zur im Volksmund bezeichneten „Weißen Kirche“. Um 1350 wurde mit dem Neubau der Martinskirche begonnen, der sich sehr stark an der Architektur der Liebfrauenkirche im Ort orientierte. Der Turm wurde im Laufe der Zeit zu einem Wehrturm ausgebaut und war Bestandteil der mittelalterlichen Befestigungsanlage von Oberwesel. Ich setze meine Wanderung auf der gegenüberliegenden Seite auf einem schmalen Pfad oberhalb der mittelalterlichen Stadtmauer fort und erreiche an deren Ende eine kleine Kapelle, vor der es  jedoch nach rechts aufsteigend weitergeht. An der „Chablisstraße“  biege ich nach rechts auf einen Fußweg ab.  An einem hölzernen Tor mit der Aufschrift „Elfenley-Weg zur Burg“ beginnt der Aufstieg zur Schönburg. Vorher mache ich aber noch einen Abstecher zur Liebfrauenkirche mit einem Jakobusfresko, das den Pilgerheiligen in schmuckem Ornat vor der Kathedrale von Santiago zeigt. Vor ihm kniet eine kleine Pilgerschar und bittet ihn: „O heilliger Sant Iacop byt gott vor vns areme pilgerum“ (O heiliger Sankt Jakob, bitte Gott für uns arme Pilger). Der Baubeginn der spätgotischen Kirche konnte durch eine Jahreszahl auf einem verloren gegangenen Glasfenster auf 1308 datiert werden. Zu früheren Zeiten zogen die Pilger durch Oberwesel nach Nordspanien und wurden hier durch eine Bruderschaft betreut.

Nach dem Kirchenbesuch gehe ich zurück zum „Elfenley-Weg“ und erklimme den Felsenpfad bis zur Schönburg, die ich mir kurz von innen anschaue. Unmittelbar hinter der Zugbrücke führt mich ein Pfad zur K 90, der ich bis zum Aussichtspunkt „Tempelchen“ folge. Nur wenige Schritte weiter biege ich links in einen Wirtschaftsweg ein und umlaufe das Engebachtal durch Weinberge und Wald. Kurz darauf bin ich auf einem schmalen Trampelpfad am Straßenrand der K 89 unterwegs zur Schutzhütte „Pfalzblick“, dem nächsten Aussichtspunkt. Ich passiere eine Grillhütte, durchlaufe zwei weitere tief eingeschnittene Täler und sehe von der Höhe aus mitten im Rhein die Burg  Pfalzgrafenstein, die mich eine Zeitlang auf meiner Wanderung an der Hangkante entlang begleitet. Hinter einer langgezogenen Rechtskurve der K 21 verläuft der Jakobsweg nun an Weiden, Feldern und Weinbergen vorbei bis zum „Heinrich Heine-Blick“. Von hier aus habe ich eine tolle Aussicht auf den heutigen Zielort Bacharach. Über einen schmalen Pfad und Treppenstufen gelange ich mittels  Serpentinen ins Tal. Im unteren Bereich lasse ich den Spitzen Turm links liegen. Dort wird zurzeit gebaut und ich werde über eine alternative Streckenführung mit Stahlseil-Unterstützung geradewegs steil den Hang hinab gelotst. Am Postenturm, den man auch besteigen kann, kommt mir eine Touristengruppe entgegen. Alle Teilnehmer an dieser Stadtmauerführung balancieren mit einem mehr oder weniger vollen Weinglas und versuchen dem Tempo des Führers nachzukommen. In der  Blücherstraße erreiche ich das Steegertor und wende mich nach links ins Zentrum von Bacharach. Leider habe ich heute keinen Blick für das romantische Städtchen mit seinen schmucken Fachwerkhäusern, da ich den Zug nach St. Goar erwischen möchte, was mir auch tatsächlich gelingt.