Von Rhens nach Bad Salzig (16. August 2013)

Zum dritten Mal in dieser Woche begebe ich mich auf eine Etappe des Linksrheinischen Jakobsweges. Heute fahre ich ausnahmsweise einmal mit dem Auto zum Start in Rhens. In der Nähe der historischen Stadtmauer und dem Viehtor stelle ich das Auto ab und schon geht es los. Zunächst muss ich in die höheren Gefilden von Rhens aufsteigen - dies geschieht überwiegend über mehrere steile Treppenabschnitte. Oben angekommen, laufe ich zunächst gerade, finde aber keine Wegzeichen mehr. Also kehre ich um zur letzten Muschel und muss feststellen, dass ich den Abzweig nach links in einen Wiesenweg verpasst habe. Dieser verläuft oberhalb der Häuser und an Obstbäumen vorbei bis zur Josefskapelle. Auch dort habe ich zunächst Schwierigkeiten, den richtigen Weg zu finden, werde sogar von einem Einwohner mit Hund zurückgerufen. Wir unterhalten uns ein wenig über die Wanderwege der Region, ich erzähle über „unseren“ Jakobsweg. Schließlich gehe ich in die korrekte Richtung und passiere auf dem abwärts führenden Pfad ein großes Insektenhotel. An der nächsten Wegkreuzung muss ich mich erneut nach den Markierungen umsehen, finde sie dann aber doch.  

Vor einer Rechtskurve werde ich auf einen nur 100 m entfernten Sauerbrunnen aufmerksam gemacht. Ich folge dem Hinweis und erfrische mich ein wenig, das Wasser schmeckt köstlich. Hätte ich meine Wasservorräte schon verbraucht, würde ich sie hier auffüllen. Ein leichter Anstieg bringt mich nach Brey, wo ich nach einem Stück Straße erneut ins Grübeln komme. Dabei habe ich anscheinend wieder einmal einen Wegweiser übersehen, blicke suchend in meine Wanderkarte. Das bleibt nicht unbemerkt und ein älterer Herr zeigt mir den richtigen Weg. Und siehe da - hätte ich die Augen aufgemacht, wäre mir die gelbe Muschel auf blauem Grund nicht verborgen geblieben. Ich hoffe, dass es heute so nicht weiter geht und ich den Rest des Weges ohne Probleme finde. Es geht jetzt durch einen romantischen Hohlweg mit weichem Untergrund. Immer wieder blinzelt die Sonne durch die dicht bewachsenen Ränder. Es herrscht eine angenehme Ruhe, die hin und wieder durch Vogelgezwitscher unterbrochen wird. Weiter oben gesellt sich von links kommend der Traumpfad Rheingoldbogen dazu und bringt mich zu einer Schutzhütte. Davor ist eine so genannte Sinnesbank platziert. Die ist  ergonomisch geformt, so dass man in einer halb liegenden Position den Ausblick genießen kann. Da ich jedoch noch nicht so lange unterwegs bin, halte ich mich nicht allzu lange auf. Unterwegs passiere ich ein Gedenkkreuz für einen im Jahre 1852 dort verstorbenen Pilger aus Koblenz sowie eine Grabhügelgruppe aus früher Vorzeit.

Zum Glück geht es überwiegend durch den kühlenden Wald, wenn auch noch ansteigend. Mitten im Hang, etwas unterhalb des Weges, befindet sich eine weitere Sinnesbank, auf der sich ein Mountainbiker zu einer Rast niedergelassen hat. Er bietet mir an, etwas Platz zu machen, doch ich möchte weiter. Ich genieße den ersten schönen Ausblick auf das Rheintal und mache ein Photo.  Hinter der nächsten Weggabelung erreiche ich zwei Ruhebänke und biege unmittelbar dahinter in einen schmalen Pfad abwärts ein. Ein Blick in die Wanderkarte macht mich unaufmerksam und ich knalle mit dem Kopf gegen den Stamm eines umgefallenen Baumes. Nach dem Einstieg zu einem Klettersteig komme ich zur Engelseiche und einer Schutzhütte. Links neben dem mächtigen Baum nehme ich den zunächst aufwärts führenden Pfad, der mich jedoch bald zu einer tiefer gelegenen Schutzhütte des Köhlervereins Boppard und einem abenteuerlichen Mountainbike-Parcour bringt. Kurz darauf bin ich an einer Gaststätte und am Vierseenblick. Von einer bestimmten Position sieht man vom Rhein vier einzelne Abschnitte, die diesem Ort den Namen gegeben haben. Nach wenigen Schritten auf einem schmalen Waldpfad gelange ich zu einem weiteren Aussichtspunkt mit Gasthaus - dem Gedeonseck. In unmittelbarer Nähe befindet sich die Bergstation des Sesselliftes nach Boppard.

Nun geht es steil mit alpinem Charakter abwärts. Unterwegs habe ich dauerhaft einen tollen Blick auf Boppard und über mir schwebt lautlos die Sesselbahn hinweg. Auf dem Weg zum Rheinufer gehe ich am St. Remigius-Heiligenhäuschen vorbei. Die Promenade ist schon sehr belebt. Zahlreiche Touristen haben sich in den Straßencafés niedergelassen und japanische Gäste suchen nach geeigneten Objekten zum Photographieren. Ich suche zunächst das katholische Pfarramt auf, um mir einen Stempel für den Pilgerausweis abzuholen. Dass mir die freundliche Pfarrsekretärin gleich den Stempel von Bad Salzig gibt, freut mich umso mehr. Wir unterhalten uns ein wenig, auch über den Linksrheinischen Jakobsweg. Danach besuche ich die St. Severus-Kirche und zünde dort ein paar Kerzen an. Für den weiteren Weg besorge ich mir auf dem kleinen Wochenmarkt vor der Kirche etwas Wurst und Käse gegen den eintretenden Hunger. Danach laufe ich durch die ganze Stadt, unterquere an der mittelalterlichen Stadtmauer die B 9 und biege hinter der Realschule Marienberg nach rechts auf einen Pfad entlang dem Schulgelände. Ein verfallenes Bild gibt dabei das von hier aus gut sichtbare ehemalige Kloster Marienberg ab, für das nach einigen Gerichtsverfahren statt einem Abriss eine Sanierung im Raume steht. Ich pilgere durch den bereits seit einigen Jahren der Öffentlichkeit zugänglichen Marienberger Park und habe dahinter einen kurzen, aber heftigen Aufstieg bis zu einer Schutzhütte vor mir. Hier habe ich einen schönen Ausblick auf die Stadt und verweile einige Minuten, um meinen Imbiss zu verzehren.

Gut gestärkt mache ich mich auf das verbliebene Stück Weg nach Bad Salzig. Ich bewege mich durch ein paar Kleingärten und an einem Hof vorbei und lande schließlich am Ausblick Thonethöhe. Auf meinem Weg an der Hangkante komme ich in unregelmäßigen Abständen an weiteren solcher Punkte vorbei. Besonders sehenswert ist eine Stelle mit Aussicht auf die auf der anderen Rheinseite liegenden Burgen Sterrenberg und Liebenstein. Dort befindet sich nämlich genau im Blickfeld ein geschnitztes Modell der beiden Burgen. Das Höhenplateau verlasse ich nach einem Abschnitt durch Streuobstwiesen nach links in den Wald hinein und verliere zunehmend an Höhe. Bald darauf erreiche ich die ersten Häuser von Bad Salzig und gehe zunächst nach rechts zur evangelischen Kapelle. Diese ist, fast wie erwartet, verschlossen, sodass ich umkehre und in den Ort laufe. Mein Ziel ist die katholische Kirche St. Aegidius, in der ich zwei Kerzen an der Pieta entzünde. Damit beende ich den heutigen Pilgertag. Bevor ich mit dem Zug nach Hause fahre, besorge ich mir in einer Bäckerei noch etwas zu trinken und einen leckeren Milchshake.