Von Koblenz nach Rhens (14. August 2013)

Heute ist ein besonderer Tag. Ich bin um 9 Uhr am Startpunkt der nächsten Etappe des Linksrheinischen Jakobsweges, am Deutschen Eck, mit einer Redakteurin der Trierer Bistumszeitung „Paulinus“ zu einem Interview verabredet. Sie hat meine Website gesehen und war der Meinung, dass ich der Richtige für ein Portrait in der Zeitung wäre. Wegen eines Staus auf der Autobahn erscheint sie etwas später am Treffpunkt. Ich nutze die Zeit und schnitze ein wenig an meinem Pilgerstab. Wir unterhalten uns sehr nett und ich gebe gerne Antworten auf ihre gut vorbereiteten Fragen. Dabei schweife ich manchmal in sehr kleine Details ab und erzähle über meine Aktivitäten im Internet, meine Pilgerwanderungen im In- und Ausland sowie den Linksrheinischen Jakobsweg. Nach fast neunzig kurzweiligen Minuten auf den Stufen des Kaiser-Wilhelm-Denkmals hat die junge Frau einige Seiten mit Notizen beschrieben. Sie macht am ersten Muschelwegweiser in den Rheinanlagen ein paar Photos, danach verabschieden wir uns voneinander: sie besucht noch eine Studienfreundin, ich starte meinen Pilgertag in Richtung Rhens.

Koblenz - RheinanlagenZunächst geht es durch die Rheinanlagen, an der Talstation der Seilbahn zur Festung Ehrenbreitstein vorbei. Im weiteren Verlauf des Wegs am Rheinufer entlang unterquere ich die Pfaffendorfer Brücke, gehe am Weindorf und dem Kaiserin-Augusta-Denkmal vorbei. Kurz hinter einer weiteren Brücke nehme ich einen leicht ansteigenden Weg zu einer Eisenbahnunterführung und marschiere  dahinter in ein kleines Waldstück hinein. Hinter einer Holzbrücke biege ich nach rechts ab, überwinde ein paar Treppenstufen und nutze die Überquerungshilfe für Fußgänger über die stark befahrene B 42. Auf der anderen Seite schwenke ich nach ca. 300 m links in einen aufwärts führenden Pfad ein, der sich in Serpentinen steil nach oben zum Parkplatz der Gedenkstätte der Rittersturzkonferenz zieht. Dort habe ich einen ersten wunderschönen Ausblick auf das Koblenzer Becken. Es geht weiter durch den Wald bis zur Schutzhütte auf den Dommelsberg, einem weiteren Aussichtspunkt. Hier mache ich eine erste Rast und vertilge ein halbes Hähnchen, das ich in der Stadt gekauft hatte. Es folgt die Schutzhütte Weidgenhöhe und anschließend die nächste Herausforderung: der 500 m lange, sehr steile Anstieg zum Hasenberg. Oben angekommen, wende ich mich nach links in Richtung Stolzenfels. Unterwegs öffnet sich der Blättervorhang ein wenig und lässt einen Blick auf Schloss Stolzenfels zu. Der markierte Weg führt mich jedoch wieder in die Höhe, gemeinsam mit dem hier ebenfalls ausgeschilderten Mosel-Camino nach Trier.

Vogelnist- und Fledermauskästen mit gelben Pfeilen sowie etwas andere Muschelwegweiser zeigen unverkennbar den Verlauf dieses Jakobsweges an.  Hinter einer großen Kreuzung erreiche ich die Wegtrennung der beiden Pilgerrouten. Ein Schild auf der Rückseite eines Wildbienen-Hotels informiert über die entsprechende Richtung der Wege. Ich entscheide mich für die linke nach Bingen, marschiere durch Wald und lasse mich erst an einer „Sinnesbank“ am Waldrand zu einer Ruhepause überreden. Von hier aus laufe ich abwärts auf einem Grasweg erneut in Waldgebiet hinein und erreiche das St. Antonius-Heiligenhäuschen. Der weitere Verlauf führt mich durch Streuobstwiesen bis zur L 208 und kurz darauf dem alten jüdischen Friedhof von Rhens. Nur ein paar Schritte weiter biege ich hinter einem Sendemast scharf nach links ab und laufe in Serpentinen zum Teil steil abwärts über eine lichte Fläche. Von einer Bank aus habe ich einen wunderschönen Blick auf Rhens und im Hintergrund auf die Marksburg in Braubach auf der anderen Rheinseite. Nach einem kurzen Abstecher zum Königsstuhl endet meine Etappe am Viehtor in Rhens. Ich schaue mir noch die beiden Rhenser Kirchen an, St. Dinoysius mit einer Jakobusstatue sowie St. Theresia, und entzünde ein paar Kerzen. Am Bahnhof muss ich leider feststellen, dass mein Zug in Richtung Koblenz vor fünf Minuten abgefahren ist, der nächste fährt erst in knapp einer Stunde. So mache ich noch einen Spaziergang und kaufe mir eine große Portion Eis. Natürlich bin ich rechtzeitig wieder am Bahnhof und lasse mich nach Hause fahren.