Von Andernach nach Koblenz (12. August 2013)

Ich gehe in meine zweite Urlaubswoche in den Sommerferien. Meine Frau muss an drei Tagen arbeiten, mein Sohn besucht einen Kurs für den Übungsleiterschein, ich gehe pilgern. Der Linksrheinische Jakobsweg erwartet mich dreimal in dieser Woche. Heute steht die längste Etappe an, die vor dem Mariendom in Andernach, am Pilgerstein des Eifel-Caminos, beginnt. Bevor es richtig losgeht, hole ich mir im Pfarramt gegenüber einen Stempel für den Pilgerausweis. Die Pfarrsekretärin möchte mir einen Flyer für den Weg in die Hand drücken, doch ich lehne dankend ab und offenbare mich als der Verantwortliche dafür. Anschließend gehe ich durch die Breite Straße quer durch Andernach bis zum Sport- und Freizeitzentrum. Ich nutze die Unterführung der K 47 und begebe mich an das Flüsschen Nette, dem ich an Maisfeldern und dem Gut Nettehammer bis nach Miesenheim folge.

In der Neuwieder Straße steht seit wenigen Wochen ein Insektenhotel, auf dessen Rückseite ein Hinweisschild zur Streckenteilung des Eifel-Caminos und des Linksrheinischen Jakobswegs befestigt ist. Weiter geht es über einen Spielplatz und mehrere kleine Brücken über die Nette. Bevor ich Miesenheim wieder verlasse, statte ich meinem Pilgerfreund Franz einen Besuch ab. Zum einen erhalte ich von ihm den Pilgerstempel von Miesenheim, zum andern ist er der Projektleiter des Linksrheinischen Jakobsweges und wir haben immer etwas darüber zu besprechen. So halte ich mich fast fünfundvierzig Minuten bei ihm und seiner Frau Agnes auf. Schließlich gehe ich zu dem Punkt zurück, an dem ich den markierten Weg verlassen habe. Dort gehe ich noch einmal über eine Brücke, überquere an einer Turnhalle einen Bolzplatz und habe weitflächiges Ackerland vor mir. Dieses wird jedoch schon bald durch Obstplantagen abgelöst. An einem Wegkreuz aus dem Jahr 1646 mit zwei Ruhebänken mache ich einen kurzen Halt, da es zu tröpfeln beginnt. Ich ziehe den Regenschutz über meinen Rucksack und gehe zwischen Holunder- und Zwetschgenbäumen nach Kettig. Am anderen Ende von Kettig laufe ich durch Streuobstwiesen und habe das Glück, mit reifen Zwetschgen,  Mirabellen und Kirschen meinen Hunger zu stillen. Solche Wegabschnitte sind mir immer herzlich willkommen. Blöderweise habe ich mir außer Wasser nichts zu essen mitgenommen. Eine Gelegenheit zum Einkauf gab es bisher noch nicht.

Blick auf KettigOberhalb von Mülheim-Kärlich verliere ich ein wenig den Überblick und laufe einfach weiter geradeaus. Da ich keine Wegzeichen mehr finde, entschließe ich mich, umzudrehen. Und siehe da - ich habe einen Abzweig verpasst. Hinter Mülheim-Kärlich geht es ein wenig aufwärts - natürlich durch Obstwiesen – und nach einer unübersichtlichen Kurve sehe ich am Horizont bereits den Kirchturm vom Koblenzer Stadtteil Rübenach. Auf dem Feldweg kommt mir ein riesiger Mähdrescher entgegen, der eine staubige Wolke hinter sich herzieht. Kurz vor mir biegt er auf ein Getreidefeld ein und macht sich über die Halme her. Ich sehe zu, dass ich hier wegkomme, bevor es noch staubiger wird. Bei der Durchquerung von Rübenach passiere ich mehrere Pilgersteine, die von einer Bürgerinitiative gesetzt worden sind. Dazu gesellen sich bereits einige Vogelnistkästen mit Wegzeichen darauf. Erneut kommt mir bei einem leichten Aufstieg ein Mähdrescher entgegen, jedoch verlangsamen gerade jetzt einige Kirschbäume mit leckeren Früchten mein Tempo. Ich gehe über eine Brücke, laufe an einem Reiterhof vorbei und biege schließlich auf eine lange Gerade ein, die mit zahlreichen Schlaglöchern versehen ist. Am Horizont vor mir sehe ich den Koblenzer Fernsehturm, der mir die Richtung vorgibt. An der Wand eines Gebäudes hängt ein Fledermauskasten, der allerdings mit der Wegmarkierung des Mosel-Caminos beklebt ist.

Blick auf Güls und die KarthauseAn den ersten Weinstöcken geht es endlich abwärts. Links davon habe ich von einer Grillhütte eine tolle Aussicht auf die Mosel und den Koblenzer Stadtteil Güls. Etwas oberhalb, beinahe im Wald versteckt,  befindet sich eine Kapelle. Auf dem Weg nach Güls komme ich an Kreuzwegstationen vorbei und erreiche schließlich an einer weiteren Kapelle den Stadtteil. An der Durchgangsstraße verlasse ich die markierte Route, um einen kurzen Abstecher zur katholischen Pfarrkirche St. Servatius zu machen. Dabei laufe ich an der alten romanischen Pfarrkirche vorbei, die in den nächsten Tagen nach einer umfangreichen Renovierung wieder geöffnet wird. Auf dem Rückweg kaufe ich mir in einem Supermarkt noch etwas zum Trinken und setze dann meinen Pilgertag über die Eisenbahnbrücke nach Moselweiß fort. Auch hier mache ich noch einen Abstecher zur katholischen Pfarrkirche St. Laurentius, die jedoch verschlossen ist. Das letzte Stück der heutigen Etappe gehe ich direkt am Moselufer entlang bis zum Deutschen Eck. Ich besuche noch kurz die St.-Kastor-Basilika und schlendere an der Jakobuskapelle vorbei. Nun steht mir noch der Heimweg quer durch Koblenz bevor. Unterwegs werfe ich einen Blick in die City-Kirche, der Heimat unseres monatlichen Pilgerforums. Dort treffe ich Pater Martin, mit dem ich mich noch ein wenig unterhalte.