Von Niederbachem nach Sinzig (12. Juli 2013)

Ich beende heute meine Dienstzeit etwas früher, um eine weitere Etappe des Linksrheinischen Jakobsweges abzugehen. Mit dem Bus fahre ich zum Bonner Hauptbahnhof, wo ich noch eine mögliche Wegvariante der vorherigen Etappe überprüfe. Anschließend nehme ich den Zug nach Mehlem, von dort geht es mit dem Bus nach Niederbachem. Nach einer guten Stunde habe ich meinen Startpunkt endlich erreicht. An der St. Gereon-Kirche geht es schließlich los. Das erste Stück Weg führt mich aufwärts zum Ortsausgang, jetzt auch endlich mit der üblichen gelben Jakobsmuschel auf blauem Grund markiert. Auf einer Kreuzung befinden sich eine Basaltstele und ein Hinweisschild zum Rolandsbogen. Hier beginnt auch das  Naturschutzgebiet Rodderberg. Ich gehe auf dem äußeren Kamm des erloschenen Vulkankegels entlang und komme zum Heinrichsblick, der historischen Richtstätte von Mehlem, und habe einen wunderschönen Ausblick auf das gegenüber liegende Siebengebirge.

01Kurz darauf überschreite ich die Landesgrenze von Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz. Von links gesellt sich der am Rolandsbogen beginnende RheinBurgenWeg. Der Rolandsbogen ist das wiederaufgebaute Überbleibsel der Burg Rolandseck und nur über eine sehr steile Straße erreichbar. Der wunderschöne Auslbick in das Rheintal entschädigt jedoch für den zusätzlichen Schweißfluss. Ich laufe weiter auf der Straße an Walnussbäumen und dem Rodderberghof vorbei, bis ich in einer Rechtskurve nach links in in einen Wald abbiege. Ich bleibe auf dem Hauptweg, abwärts durch das Rolandswerther Bach-Tal bis zu einem Teich. Dahinter nehme ich einen ansteigenden Weg, der an einer Zuliefererstraße des Arp-Museums endet. In dem Museum werden neben den Werken des Künstlerehepaares Hans Arp und Sophie Taeuber-Arp, beide bedeutende Vertreter des Dadaismus, Werke zeitgenössischer Künstler in Sonderausstellungen gezeigt. Weiterhin wird ein wechselndes musikalisches und literarisches Programm angeboten. Das Museum ist trotz der scheinbaren Nähe nicht unmittelbar vom Weg aus erreichbar. Der Zugang erfolgt über den Bahnhof Rolandseck. Es geht wieder einmal aufwärts, dieses Mal an einem Zaun entlang. Dahinter befindet sich der Wildpark Rolandseck und ich muss ein steiles Stück bewältigen. Es geht jetzt leicht wellig durch den Wald, wobei ich mit 228 Metern den höchsten Punkt des heutigen Tages erreiche. Schließlich bin ich am Sportplatz von Oberwinter und gehe am Rande der Häuser auf einem Grasweg entlang. Hier habe ich die Möglichkeit, mich zu verpflegen, denn am Wegesrand wachsen auf einem längeren Stück Walderdbeeren. Nach der Ernte bin ich stolzer Besitzer einer Hand voll kleiner Beeren, die mir sehr gut schmecken.

Von Oberwinter muss ich einen extrem steilen Pfad abwärts nach Bandorf nehmen und laufe unten angekommen an einem Bach auf dem St.-Josefs-Pfad entlang. Ich bleibe auf einem Weg parallel zu einer Kreisstraße und gelange so nach Unkelbach. Dort verlasse ich den markierten Weg, um mir die St. Remigius-Kirche anzusehen, die jedoch leider verschlossen ist. Bei der Fortsetzung des Pilgerweges stoße ich an einer Lichtung auf einen Hinweis, dass die Route aufgrund von Wald- und Forstarbeiten vorerst gesperrt sei. Eine Karte mit der Beschreibung der Umleitung hängt darunter. Ich lasse mich davon aber nicht abhalten, da ich die Beschilderung des Weges kontrollieren möchte. Zwischen einer Baumallee werde ich abwärts geleitet und lande im romantischen Taubental. Klar, dass ich hier wieder einen Anstieg auf einen Bergrücken vor mir habe. Weiter oben stoße ich auf einen See, der mit einer grünen Oberfläche versehen ist. Dahinter befindet sich an einer Landstraße der Wohnplatz Waldschlösschen. Ich wende mich nach links, passiere nach einigen Metern einen Marien-Bildstock und nehme in Scheitel der Straßenkurve einen Weg in den Wald hinein. Die Scharfenberger Hütte lasse ich rechts liegen und erreiche bald die Statue des Heiligen Franziskus mit einem herrlichen Blick auf die Apollinariskirche und das Rheintal. Über eine Treppe gelange ich zur Kirche und dem Konventgebäude. Die Kirchenbesichtigung nutze ich zu einer kurzen Pause und komme bei einem Geben ein wenig zur Ruhe. Die Kirche ist bis auf ganz wenige Fenster von nazarenischen Künstlern mit Ausschnitten aus dem Leben Jesu, Mariens und des Heiligen Apollinaris ausgestaltet worden und vermittelt eine gewisse Wärme und Geborgenheit. Leider ist es  mir nicht möglich, einen Stempel für meinen Pilgerausweis zu bekommen. Ich verlasse den Kirchplatz abwärts an Kreuzwegstationen vorbei und gelange zur Kapelle St. Maria in der Lee.

Da ich mir noch die Stadtkirche St. Peter und Paul mit einem Jakobusfresko aus dem 13. Jahrhundert ansehen möchte, biege ich links ab zur Unterführung der B9. In der Kirche suche ich das Bildnis allerdings vergebens, ich vermute es in dem nicht geöffneten älteren Teil. So gehe ich zurück zur Marienkapelle und stehe kurz darauf vor dem extrem steilen Victoriabergweg. Hier möchte ich nicht wohnen. Im Winter ist es sicherlich unmöglich, hier noch mit dem Auto zu fahren. Schließlich erreiche ich am Waldrand einen Parkplatz mit einigen Informationstafeln. Von hier ist es nicht mehr weit bis zu einer Straußenfarm. Ich gehe über den Parkplatz und verlasse den breiten Hauptweg auf Höhe eines alten Judenfriedhofes. Dafür stehen jetzt in unregelmäßigen Abständen am Wegrand Informationstafeln zur den ansässigen Bäumen. Es folgt ein weiteres Waldstück bevor es zum letzten Mal für heute deutlich bergab geht. Mich wundert, dass auf dem sehr schmalen Pfad auch schon ein Auto entlang gefahren ist, wie mir die Spuren verraten. Zunächst laufe ich oberhalb von und dann durch Bad Bodendorf. Ich überquere an der St. Sebastianus-Kapelle die Ahrtalstraße und erreiche den Soldatenfriedhof. Hier habe ich vor einigen Jahren während meiner Dienstzeit im benachbarten Bad Neuenahr die Gräber und Anlagen vor dem Volkstrauertag gepflegt. Der letzte Abschnitt führt mich an die Ahr und das Tiergehege Schwanenteich. Jetzt ist es nicht mehr weit bis nach Sinzig. Auf Höhe des Schlosses führt eine Treppe zu einem Kriegerdenkmal und weiter zur romanischen Pfarrkirche St. Peter. Dort findet derzeit ein Gottesdienst statt, den ich nicht stören möchte. Stattdessen besorge ich mir in einem Supermarkt eine Kleinigkeit zu essen und Trinken und warte anschließend am Bahnhof auf meinen Zug nach Koblenz.