Von Bonn nach Niederbachem (28. Juni 2013)

In den nächsten Wochen werde ich freitags auf dem Linksrheinischen Jakobsweg unterwegs sein. Das passt ganz gut von den Streckenlängen und dem mir zur Verfügung stehenden Zeitansatz. Die nördlichen Etappen kann ich gut von meiner Dienststelle in Bonn erreichen. Heute steht der Abschnitt von Bonn nach Niederbachem an. Eigentlich war angedacht, mit dem Bus zum Hauptbahnhof zu fahren, doch meistens kommt es anders… Mein Kamerad Thomas macht mir das Angebot, mich auf seinem Heimweg mit dem Auto mitzunehmen und am Bahnhof abzusetzen. Dadurch spare ich eine gute halbe Stunde Zeit. Vom Bahnhof gehe ich unmittelbar zum Bonner Münster. Dort hat erst vor ein paar Minuten im Hochchor das Mittagsgebet begonnen, dem ich, allerdings in einer unteren Bank sitzend, noch folge. Auf Nachfrage bei einer Aufsicht werde ich für den Empfang des Pilgerstempels in den Münsterladen geschickt. Diesen erreiche ich durch einen Seiteneingang, muss aber zunächst den Kreuzgang durchqueren, den ich mir natürlich auch noch gerne ansehe. Im Laden bekomme ich den Stempel und ein Faltblatt mit Informationen zum Jakobsweg in Bonn.

01Dann geht es los. Vorher werfe ich mir meinen Poncho über, denn wie bei meiner Ankunft in Bonn vor ein paar Wochen, regnet es. Ich würde mich auch einmal über einen sonnigen Pilgertag freuen. Ich beginne meinen Marsch am Pranger vor dem Münster und gehe durch den unterirdischen Bereich des Bahnhofes in die „Quantiusstraße“, um an der nächsten Kreuzung nach rechts in die „Poppelsdorfer Allee“ zu gehen, die beidseitig mit Kastanienbäumen versehen ist. Vor mir nähert sich allmählich das Poppelsdorfer Schloss, in dem sich das Mineralogische Museum und das Zoologische Institut der Universität befinden. Ich folge der „Meckenheimer Allee“ und passiere den Eingang zum Botanischen Garten, der hinter dem Schloss ansässig ist. Die Straße heißt jetzt „Clemens-August-Straße“ und ist mit kleinen Geschäften gesäumt. Ich entdecke hier die Wegzeichen des Rheinhöhenweges, der zum Teil identisch mit dem Linksrheinischen Jakobsweg ist. Daher lasse ich mich wider besseres Wissen verleiten, diesen Schildern in die „Rehfuesstraße“ zu folgen (eigentlich hätte ich erst zweihundert Meter weiter den „Nachtigallenweg“ nehmen sollen). Die Straße entpuppt sich letztendlich als schmaler, nicht befahrbarer Pfad zwischen Schrebergärten hindurch. So erreiche ich die Straße „Im Wingert“ halt links von einem Pflegeheim statt von rechts. Schräg gegenüber findet der „Nachtigallenweg“ leicht ansteigend seine Fortsetzung. An einer Realschule quere ich die „Robert-Koch-Straße“ und folge weiter dem „Nachtigallenweg“. Vor dem Haus mit der Nummer 54 muss ich nach links in den Wald gehen. Schon bald mündet der unscheinbare Pfad in eine Kreuzung. Ich wähle den Kiesweg, der mich in einer scheinbar langen Geraden aufwärts führt.

Am nächsten Abzweig bleibe ich auf dem Kiesweg in Richtung der auf einem Stein eingemeißelten „Gasselruhe“. Es geht weiter durch ein Waldgebiet bis zum „Kaiser-Wilhelm-Denkmal“, das ich links liegen lasse. Nach kurzer Zeit stehe ich erneut an der „Robert-Koch-Straße“, der ich in einem leichten Linksbogen folge. Ich bleibe links am Waldrand und bin an der Universitätsklinik angelangt. Hier gehe ich in Richtung „Auenbruggerhaus“ weiter und überquere einen Parkplatz. Einen Laternenmast hat der Eifelverein neben anderen Wegweisern sogar mit einer Jakobsmuschel beklebt. Es handelt sich hierbei aber um einen Jakobsweg von Bonn an die Mosel, der mit dem Linksrheinischen Jakobsweg nichts zu tun hat. Ich „erklimme“ sechs Treppenstufen und wandere auf einem Kiesweg am Rande der Klinikgebäude entlang. Ein Schild weist mich auf das Dottendorfer-Jugend-Kreuz hin, das ein paar Schritte abseits vom Weg an einem Aussichtspunkt errichtet wurde. Von hier hat man einen, bei schönem Wetter natürlich deutlich besseren, herrlichen Ausblick auf das gegenüber liegende Dottendorf, auf Bad Godesberg und am Horizont das heute vernebelte Siebengebirge. Ich bleibe auf dem Weg am Rande der Kliniken bis zu einem Unterstand, wo ich nach links einbiege. Nach einer kurzen S-Kurve erreiche ich zu meiner Rechten eine Weide. Vor mir tut sich eine lange, von Kastanien gesäumte Gerade auf, deren Ende ich noch nicht einsehen kann. Ich überquere eine Kreuzung mit einigen Hinweistafeln.

An einem kleinen Tümpel mit Holzzaun davor muss ich nach links in den Wald abbiegen. Der Weg ist von den vielen Regenfällen der letzten Tage sehr aufgeweicht und zum Teil mit Pfützen versehen. So muss ich öfters mal auch im Sprung die Seiten wechseln. Nach rund vierhundert Metern stoße ich auf einen Weg von rechts, auf dem ich bis zum nächsten Abzweig bleibe. Dort laufe ich abwärts auf einem durch die dauernden Regenfälle ausgewaschenen Waldpfad. Weiter unten treffe ich auf einen breiten Schotterweg, in den ich nach rechts abbiege. Ich gelange nach Bad Godesberg in den „Promenadenweg“ und folge diesem ich bis zum Ende. Es geht wieder aufwärts auf einem Fußgängerweg, der mit einigen Treppenstufen gespickt ist. Ober angekommen biege ich nach links in die Straße „Am Burgfriedhof“. Über der Friedhofsmauer ragt eine Kuppel hervor, die ich mir etwas genaue ansehen möchte. Es handelt sich dabei um ein früheres Mausoleum, das heute als Friedhofskapelle genutzt wird. Direkt davor ist ein Soldatenfriedhof mit einem Denkmal aus dem Ersten Weltkrieg. Ich halte mich hinter dem Friedhof links bergab und soll eigentlich wieder nach links in Richtung Godesburg gehen. Vor mir entdecke ich an der nächsten Straßenkreuzung die Marienkirche und schaue einfach mal nach, ob sie vielleicht offen ist. Nach einer kurzen Besichtigung und Besinnung kehre ich zurück zur letzten Abzweigung. In einer scharfen Linkskurve wende ich mich nach rechts in einen kleinen Pfad, der mich an drei Kreuzwegstationen vorbei und über eine Brücke in ein Einkaufszentrum bringt. Es ist jetzt um die 15 Uhr und es sind kaum Leute unterwegs. Ein Blick zurück auf die Godesburg birgt eine gewisse Enttäuschung: sie ist wie bei Christo eingepackt und wird zurzeit Sanierungsmaßnahmen unterzogen.

Am Ende der Passage treffe ich auf den Zugang zum Kurpark, wo ich nach rechts gehe. Hinter einer Kreuzung überquere ich die Straße nach Meckenheim und laufe über den „Redoutenweg“ in die Elisabethstraße. An der nächsten Gabelung zweige ich nach rechts in die „Drachenfelsstraße“ ab, auf der ich zunächst bleibe. Immer noch auf der „Drachenfelsstraße“, nachdem links die „Lohrbergstraße“ abgeht, befindet sich rechter Hand ein kleiner Torbogen. Durch diesen führt ein kleiner Weg abwärts auf die „Ölbergstraße“, an deren Ende ich nach rechts in den „Marienforster Steinweg“ gehe. Auf Höhe einer Scheune macht der Weg eine Linkskurve und ich sehe mit Schrecken die schnurgerade, steil ansteigende Route vor meinen Augen. Jetzt wird es anstrengend. Ich bleibe immer auf der asphaltierten Straße und bewege mich auf ein paar mächtige Eichen und den Waldrand zu. Hier laufe ich an einem eingezäunten Areal vorbei, das teilweise mit Obst- und Nadelbäumen bepflanzt ist. Am Ende des Zaunes biegt ein Weg in spitzem Winkel nach links in den Wald, dem ich leicht ansteigend bis zu einer Kreuzung mit vier Wegen folge und dort rechts weitergehe. Ich erreiche einen Unterstand und ein auf Stein geschriebener Wegweiser zeigt mir die Richtung nach Ließem an. An einer Ruhebank mit einem weiteren Hinweissteingehe ich nach links in Richtung Heiderhof. Am Ende der Waldpassage türmen sich vor mir mehrere unschöne Wohnsilos auf. Hier möchte ich nicht wohnen. Ich laufe an den Blocks vorbei zum  Waldfriedhof, vor dessen Tor ich nach links den geteerten Weg begehe. Nach rund einhundert Metern geht es auf einem Schotterweg, weiter abwärts bis zu einem mit Stahlgeländer versehenem Bachübergang. Dort wandere ich noch ein Stück durch Wald, erreiche dann ein Stachelbeerfeld.

Auf der rechten Seite des Weges nehme ich die bei Nässe etwas rutschigen Holzstufen, um den Wirtgesbach zu überqueren. Ich gehe auf ein großes Gartentor zu und wende mich davor nach links bis an die K14. Auf der anderen Seite der Straße muss ich erneut leicht aufwärts marschieren, bis ich an das Haus mit der Nummer 14 direkt vor mir habe. Hier laufe ich nach rechts auf einen Strommast zu, am Rande befinden sich Stachelbeer- und Johannesbeerfelder. Die Johannesbeeren schmecken schon sehr lecker. Am Horizont ist bereits seit einiger Zeit die Silhouette des Siebengebirges und des Drachenfels zu erkennen. Am Ende des Weges gehe ich in einem 180 Grad- Bogen nach rechts auf ein Waldstück zu, laufe aber links daran auf der Straße vorbei in Richtung Heiderhof und Ließem. Ich passiere ein Wegekreuz aus dem Jahr 1709 mit einer Ruhebank sowie einen Bolzplatz. Hier begegnen mir tatsächlich einige Leute mit ihren Hunden, ich dachte schon, ich wäre allein auf der Welt. Am Bolzplatz nehme ich den linken Schotterweg, den ich allerdings an einer Obstplantage nach links verlasse. Ich ignoriere die nächste Kreuzung und erreiche ein Heiligenhäuschen, vor dem ich den abknickenden Wiesenweg ins Tal nehme. Dort ist schon mein Zielort Niederbachem zu sehen. Unten angelangt, gehe ich nach links und laufe abschließende weiterhin abwärts die „Gereonstraße“, bis ich nach rund 20 Kilometern die heutige unspektakuläre Pilgeretappe beende. Mit dem Bus fahre ich zum Bahnhof Mehlem, ab dort geht es mit dem Zug weiter nach Hause.