Von Friedrichssegen nach Lahnstein (20. Juli 2009)

Christian und ich haben uns nun doch entschlossen, den Lahn-Camino noch in den Sommerferien zu beenden und uns den bereits erhaltenen Pilgerstempel zu verdienen. Für heute haben wir Großes vor: zunächst marschieren wir von Friedrichssegen nach Lahnstein. Anschließend ist geplant, direkt die erste Etappe des Mosel-Camino dranzuhängen. Um 8.00 Uhr bringt uns Susanne zu der Stelle, an der wir in der vergangenen Woche den Lahn-Camino abbrechen mussten. Wir befinden uns in einem ehemaligen Erzgrubengebiet. Überall stößt man auf Zeugen der vergangenen Tage. Der Camino meint es direkt gut mit uns. Die erste Aufgabe des heutigen Tages besteht darin, aus den Niederungen des Lahntales bis auf die Lahnhöhen zu „klettern“. Zum Glück für unsere noch ungeschmeidige Muskulatur, dass der Weg nur sehr gemächlich ansteigt.

Am Waldruheplatz „Spießborn“ erreichen wir die Landstraße nach Lahnstein und laufen ein Stück an deren Rand. Kurz darauf können wir weit in den Hunsrück hineinsehen. So erblicken wir bereits den Sendemast des Südwestrundfunks, an dem wir am Nachmittag noch vorbeilaufen werden. Wir steuern nun genau auf das Lahnsteiner Kurgebiet zu, wo auch viele Wochenendhäuser stehen. Dabei bewegen wir uns durch Hohlwege, über Wiesenpfade und schließlich auch über felsigen Untergrund, der teilweise sehr rutschig ist. Manchmal müssen wir uns klein machen, um unter umgestürzten Bäumen hindurchzugelangen. Dafür entschädigen immer wieder die prächtigen Ausblicke auf das Lahntal. Es geht immer weiter bergab durch Getreidefelder bis zu den ersten Häusern von Lahnstein, einem Pferdegestüt. Hier überholen wir zwei Wanderer, die ersten seit langer Zeit auf dem Camino! Auf einer Erhebung jenseits der Lahn thront auf einer Anhöhe die Allerheiligenbergkapelle.

Kurz bevor wir in Richtung Burg Lahneck abbiegen, passieren wir am Wegesrand eine kleine Kapelle, an der wir einen Moment verweilen. Am noch geschlossenen Lahnsteiner Schwimmbad zweigt der Weg rechts ab. Nur noch eine Straßenbiegung und wir stehen vor dem schmalen, äußeren Eingangsportal der Burg Lahneck. Wir verzichten jedoch auf eine Besichtigung, da heute noch eine gute Strecke vor uns liegt. So machen wir uns lieber an den Abstieg, der uns in kurz geschwungenen Serpentinen über einen schmalen Pfad durch den bewaldeten Burgberg hinabführt. Seine Fortsetzung findet der Camino auf dem Lahnuferweg. Es geht weiter unter der Rudi-Geil-Brücke hindurch und dann nach links in die Innenstadt von Oberlahnstein zur Hospitalkapelle. Zwischendurch kommen wir an einem Hinweisschild zum Mosel-Camino vorbei, dem wir aber erst später folgen werden. Die Hospitalkapelle betrachten wir uns zumindest von außen, Hineinsehen durch das Fenster im Portal ist ja möglich. Wir werfen auch einen Blick auf den rückseitigen Chor, den wir über eine bewohnte Gasse erreichen. Einige hier lebende Leute schauen uns seltsam an. Vielleicht fühlen sie sich auch nur in ihrer Ruhe gestört. Wir dürften nicht die ersten Pilger sein, die sich hierher verirrt haben. Vor der Hospitalkapelle beenden wir sodann den Lahn-Camino. Insgesamt bin ich rund 165 Kilometer gelaufen, Christian war davon 55 Kilometer mit dabei.