Von Loßburg nach Schenkenzell (8. August 2013)

In diesem Sommer haben wir nur einen kurzen Familienurlaub geplant. Wir fahren für ein paar Tage in den Schwarzwald, und für jeden ist etwas dabei: Besuche in Colmar und Straßburg, ein Tag im Europapark und eine Tagesetappe auf dem Kinzigtäler Jakobsweg. Für den heutigen Donnerstag ist die Wanderung vorgesehen und das Wetter scheint ganz gut zu werden. Unsere Unterkunft haben wir in Friesenheim in einer Pension, ein paar Kilometer nördlich von Lahr. Heute Morgen mache ich mit meinem Sohn Christian vor dem Frühstück noch einen Trainingslauf auf dem Fahrradweg nach Lahr. Gegen 8.30 Uhr sind wir wieder zurück in der Pension, machen uns frisch und frühstücken ausgiebig. Wir haben noch eine gut 60 Kilometer lange Fahrt mit dem Auto vor uns.

Es geht zunächst nach Lahr, dann über einen Pass mit Blick auf die Burg Hohengeroldseck und schließlich ins Kinzigtal. In Schenkenzell stellen wir das Auto am Bahnhof ab, ziehen unsere Bahntickets und sitzen nur wenige Minuten später in einem modernen Waggon der Ortenau-S-Bahn nach Loßburg. Es geht beständig aufwärts, es müssen knapp 300 Höhenmeter bewältigt werden. Um 11.10 Uhr steigen wir am Bahnhof in Loßburg-Rodt aus dem Zug und müssen noch ein paar Straßen gehen, bis wir das Zentrum von Loßburg und das Kinzighaus an der Hauptstraße erreichen. Ich hole mir dort in der Touristinfo den Pilgerstempel. Bevor wir uns schließlich auf den Weg machen, benutzen wir noch einmal die im Erdgeschoß befindlichen Toiletten. Wir gehen in den Weiherweg und finden die ersten Muschelwegweiser, die uns zum Loßburger Freibad führen. Rechts rattert gerade ein weiterer Zug an uns vorbei ins Tal hinab. Mittels einer kleinen Brücke überqueren wir erstmals die Kinzig, hier noch eher ein Bächlein. Wir laufen nun in einer Senke an der Kinzig entlang, irgendwo links oberhalb verläuft die Bahntrasse und eine Straße, von denen wir aber so gut wie nichts mehr mitbekommen. Den Weg in der Talsohle säumen hochgewachsene Tannen und vereinzelte Laubbäume. Nach etwa zwei Kilometern erreichen wir eine große Weidefläche und bald darauf die Obere Mühle und die Mittlere Mühle. Ich muss jetzt noch nachtragen, dass wir uns parallel zum Jakobsweg auch auf dem Flößerpfad bewegen. Die Flößerei war in den vergangenen Jahrhunderten ein bedeutender Erwerbszweig für die Einheimischen. Das letzte Floß fuhr 1894 die Kinzig hinunter. Die Tradition erhalten einige Flößervereine aufrecht und haben zahlreiche Informationstafeln entlang der Kinzig aufgestellt.

An einer Stelle stoßen wir auf ein etwas kleineres Modellfloß, mit dem Christian viel Spaß hat. Dann nähern wir uns auf dem Feldweg dem Juntleshof und kurz darauf dem prächtigen Metzgersbauernhof. Es geht hier durch flaches Geläuf, eingerahmt von saftig-grünen Wiesen. Hinter dem Gabrielenweiher, der mit Seerosen übersät ist, gelangen wir zum Vogtsmichelhof, der sich auf einer kleinen Anhöhe befindet. Eine Holzbank nutzen wir zu einer Pause und packen ein paar Äpfel aus dem Rucksack aus. Neben der Bank wacht eine grimmig schauende, fast lebensgroße, geschnitzte Holzfigur über den Rastplatz. Gestärkt machen wir uns wieder auf den Weg, lassen links der Kinzig die Untere Mühle liegen. Wir nähern uns allmählich Alpirsbach, treffen unterwegs noch auf weitere Höfe oder Infotafeln zu ehemaligen Höfen. Ein Stück hinter dem Campingplatz, auf Höhe der Farbmühle, haben wir unser Zwischenziel erreicht. Im Bereich des ehemaligen Klosters bereiten wir uns auf eine längere Pause vor. Christian und ich besichtigen die romanische Klosterkirche, die allerdings sehr leer wirkt. Das könnte eine Folge der Reformation sein. Nur der spätgotische Marienaltar lässt ein wenig von der vergangenen Schönheit erahnen. Einem Besuch des Shops der Alpirsbacher Klosterbrauerei folgt der Genuss von ortsüblichen Leckereien im benachbarten Klostercafé.

Es wird Zeit, dass wir weitergehen. Zunächst überqueren wir die Kinzig und prompt beginnt es leicht zu tröpfeln. Wir verbleiben ein kurzes Stück am Talhang, bis wir in Rötenbach zum Flussbett zurückkehren. Auf der anderen Seite gehen wir an einem Bahnwärterhäuschen über die Schienen und bewegen uns parallel dazu in Richtung Süden. An einem Hof entdecke ich vor einem Garten ein Wegkreuz, an dem eine Jakobsmuschel angebracht ist. Nur wenig später überlaufen wir im Wald zwei Eisenbahntunnel auf einer asphaltierten Straße. Es geht nun leicht abwärts bis zum Ortseingang von Schenkenzell. Dort befindet sich ein Pilgerstein, der die Jahreszahl 1994 trägt. Nun ist es nicht mehr weit bis zur katholischen Barockkirche St. Ulrich, die wir gerne besichtigen. Zum Abschluss holen wir uns den Pilgerstempel in der Touristinfo. Der dortige Mitarbeiter gibt uns noch den Tipp, unbedingt einen Abstecher zum Kloster Wittichen zu machen, bevor wir wieder nach Friesenheim zurückfahren. Mit einem „kurzen“ Willkommensgruß aus dem Schwarzwald werden wir verabschiedet.

Natürlich kommen wir der Empfehlung nach und fahren in ein Seitental bis zu den Überresten des Klosters. Leider ist nur noch ein Gebäude erhalten, das die schmale Straße überspannt. Ein lohnendes Kleinod ist jedoch die Klosterkirche mit ihrer bemerkenswerten Ausstattung. Mein Entschluss steht bereits, diesen Weg möchte ich irgendwann fortsetzen und dann als Pilger mit Rucksack noch einmal hier sein. Für heute beenden wir jedoch den nun lang gewordenen Tag und begeben uns zu unserer Unterkunft, wo wir noch eine kleine Mahlzeit zu uns nehmen.