Von Lonnig nach Mayen (17. Juli 2015)

So allmählich nähert sich der Redaktionsschluss für den Pilgerwanderführer für den Eifel-Camino und ich muss noch einige Wegabschnitte auf ihre Begehbarkeit kontrollieren. Da ich heute einen halben Tag zur Verfügung habe, nutze ich diesen für einen der Zubringerwege, den ich erneut mit dem Fahrrad bewältigen werde. Mit dem Auto und dem Fahrrad im Kofferraum mache ich mich auf den Weg in das Dörfchen Lonnig, das in unmittelbarer Nähe zur A 48 und nur rund zwanzig Minuten von unserer Wohnung entfernt liegt. Gegenüber der Pfarrkirche St. Jakobus d.Ä. finde ich einen Parkplatz. Bevor es losgeht, mache ich von der Kirche noch ein paar Bilder für das Buch. In den letzten Tagen hatte ich mich ein wenig intensiver mit der Geschichte der im 12. Jahrhundert errichteten Kirche beschäftigt und versuche, die einzelnen Bauabschnitte einzuordnen. Die heutige Kirche besteht nur noch aus dem Chor, dem Langhaus (dem ein Joch hinzugefügt wurde), dem Nordturm sowie dem untersten Geschoss des Südturmes. Leider ist der ursprüngliche Rundbau nicht mehr erhalten geblieben.

Innen befindet sich am Schriftenstand der Pilgerstempel, den ich mir natürlich in meinen Pilgerausweis drücke. Der Zugang zur Empore ist geöffnet, sodass mir ein paar gute Bilder aus einer ungewöhnlichen Perspektive gelingen. Über der Sakristeitür befindet sich eine Jakobusfigur mit den selten zusammen gezeigten Heiligenattributen Pilgerstab und Buch. Ich schwinge mich auf das Fahrrad und mache mich auf den Weg. Von der Kirchstraße geht es in die Oberdorfstraße, die zugleich als K 50 ausgewiesen ist. Doch schon nach wenigen Metern verlasse ich den markierten Weg und biege ich ab in die Schmiedsgasse, wo ich an der nächsten Kreuzung erneut nach links fahre und schließlich an der Grundschule St. Jakobus ankomme. Hier steht am Eingang zum Schulgebäude eine Jakobusfigur aus Basalt. Wieder zurück auf der K 50, bleibe ich auf dieser bis Minkelfeld. An der Minkelfelder Kapelle treffe ich auf die L 52. Die Kapelle ist derzeit wegen Statikproblemen leider geschlossen. Ich folge der Straße durch das Dörfchen und biege nach circa zweihundert Metern in einen ansteigenden Asphaltweg. Hier verliere ich den Überblick, denn es gibt keine Markierung. Also fahre ich auf dem ausgewiesenen Fahrradweg über die Kuppe weiter. Ich passiere bergab einen Bauernhof, fahre durch eine Unterführung nach Kerben und dann auf den Rad-Wanderweg Maifeld. Da ich auch hier in der Nähe des früheren Kerbener Bahnhofes wieder Muschelmarkierungen entdecke, fahre ich ein Stück in die entgegengesetzte Richtung und stelle fest, dass ich falsch unterwegs war. Ein Blick auf die Karte zeigt mir, dass ich eben auf der Kuppe nach rechts in einen Feldweg hätte abbiegen müssen. Dieser Weg endet dann in einem asphaltierten Feldweg am Wasserwerk Kerben vorbei bis zur K 48 und mündet letztendlich in den seit 1989 bestehenden Rad-Wanderweg. Diese Passage muss für den Pilgerführer umgeschrieben werden.

Ich bleibe nun weiter auf der früheren Bahntrasse und erreiche den ehemaligen Polcher Bahnhof, der inzwischen zu einem Gastronomiebetrieb umgebaut wurde. Hinter dem Bahnhof - an einer markanten Basaltpyramide - muss ich nach rechts fahren. Die Sonne strahlt mit ganzer Kraft herab und ich muss öfters an meinen Getränkevorrat, um den aufsteigenden Durst zu löschen. Auf dem glücklicherweise mit längeren Schattenabschnitten versehenen Weg sind nur wenige Fahrradfahrer oder Fußgänger unterwegs. Am ehemaligen Bahnhof Nettesürsch stelle ich mein Rad an einer Ruhebank ab und gehe zu Fuß ein paar Schritte in das Örtchen. Hier ist seit dem 15. Jahrhundert Schiefer-Bergbau ansässig. Bis ins vergangene Jahrhundert erfolgte der Abbau untertage über Stollen, heute führt als weltweite Innovation ein mit LKW befahrbarer Tunnel in die Tiefe. Das Schachtgerüst ist heute noch vom Radweg aus sichtbar. In der Dorfmitte befindet sich eine Marienkapelle, die jedoch momentan saniert wird. Erst vor wenigen Tagen soll dort ein Stein aus dem Sockel gestohlen worden sein, auf dem eine Jakobsmuschel eingemeißelt war. Nun kommt der schönste Teil des Radweges. Zunächst durchfahre ich den Tunnel Hausen 1 (499 m), anschließend den Tunnel Hausen 2 (253 m) und überquere dann noch den Nette-Viadukt in 31 m Höhe über dem gleichnamigen Flüsschen. Sämtliche Bauwerke wurden um 1904 vollendet. Ich fahre noch weiter - kurz hinter Hausen treffe ich auf den Hauptweg des Eifel-Camino - bis zum Mayener Ostbahnhof, wo ich an einer Tankstelle meine Getränkevorräte auffülle. Danach mache ich mich auf den 17 km langen Rückweg in entgegengesetzter Richtung. Ich bin um einige Erkenntnisse reicher bezüglich der Wegführung geworden, die ich in das Buch einbringen kann. Zudem ist es ein schöner sonniger Tag - ideal für eine kleine Tour mit dem Fahrrad. Zudem folge ich jetzt dem markierten Weg in Kerben und bin eine gute Stunde später wieder zurück in Lonnig.