Von Fornich nach Mayen  (15. Mai 2015)

Für den heutigen Tag habe ich mir etwas völlig anderes als bisher vorgenommen. Aktuell befindet sich der Pilgerführer in der Überarbeitung für eine neue Auflage, sodass einiges an Recherche durchzuführen ist. Aufgrund wenig vorhandener Zeit habe ich mich entschlossen, die Kontrolle der Begehbarkeit der Wegbeschreibung per Fahrrad zu absolvieren. Ich werde heute also als Fahrradpilger unterwegs sein. Ich verlade schon sehr früh am Morgen gegen 7:00 Uhr mein Fahrrad ins Auto und mach mich auf den Weg zum Ausgangspunkt. Das Auto parke ich in Brohl-Lützing am Bahnhof, von dort sind es nur noch fünf Minuten bis zum Startpunkt des Eifel-Camino an der Gedenksäule für die Kapelle des ehemaligen Fischerdorfes Fornich an der Grenze der Kreise Ahrweiler und Mayen-Koblenz. Kaum bin ich auf der B9, beginnt es zu regnen - genau den kann ich jetzt überhaupt nicht gebrauchen, zumal es draußen mit knapp 10 Grad recht kühl ist. Spontan ändere ich meinen Plan und fahre zunächst auf die A48 nach Kaisersesch und Monreal, wo einige Wegabschnitte neu ausgeschildert wurden.

0Ich stelle das Auto in der Nähe des Waldsportplatzes ab und begebe mich zu Fuß entgegen der markierten Route abwärts bis zu einem Weg, wo sich ein Infoschild über die geänderte Trasse befindet. Unterwegs stelle ich fest, dass ich auf gar nicht mal unbekanntem Gelände gehe, denn auf einem Teil des Weges habe mich ich schon Wettkämpfe beim Crosslauf in Kaisersesch bestritten. Die Wegweiser in Form von Schildern und Basaltsäulen sind mir dabei jedoch nicht aufgefallen. Nachdem ich im Tal auf die Hauptroute - von Urmersbach kommend - gestoßen bin, starte ich mein GPS-Gerät, um die Strecke aufzuzeichnen. Geradeaus, auf dem ursprünglichen Weg, können die Pilger trotzdem den gelben Muscheln folgen, machen dann aber einen Bogen um Kaisersesch und gelangen nach knapp drei Kilometern wieder auf den gemeinsamen Weg. Für mich geht es jetzt auf einem Grasweg aufwärts zu einem durch Geländer gesicherten Bahnübergang, und prompt macht sich - noch unsichtbar hinter einer Kurve - ein Zug mittels Signalhorn bemerkbar. Nur wenig später rattert er an mir vorbei. Auf einem breiteren Waldweg schlängelt sich nun der Eifel-Camino in die Höhe. Zufrieden steige ich in mein Auto und fahre an das andere Ende der Stadt, wo die Alternativroute wieder dazu stößt. Inzwischen hat es auch aufgehört zu regnen und die dunklen Wolken werden weniger.

Für folgende Passage nutze ich das Fahrrad. Hinter einem Hotel geht es in den Wald hinein und an der Martinshütte vorbei. Schließlich erreiche ich die A 48, fahre durch eine Unterführung und komme zum Friedhof des Leienkauler Ortsteils Breitenbruch. Hier wende ich und fahre wieder zurück, da der Weg nun wie im Pilgerführer beschriebe verläuft. Ich statt am Ende der Straße der Waldkapelle noch einen Besuch ab, in der sich auch der Pilgerstempel von Kaisersesch befindet. Nächste Station ist Monreal, wo ich mir die neue Wegführung und zusätzlich noch die Georgskapelle auf dem Friedhof ansehe. Der Chor wurde 1460 errichtet, das Langhaus 1887 neu gebaut. Wieder im Auto sitzend grübele ich über den weiteren Verlauf des Tages nach. Eigentlich ist es zu kühl, um mit dem Fahrrad zu fahren, aber es wäre ein verschenkter Tag. Schließlich nimmt mir der immer blauer werdende Himmel die Entscheidung ab und fahre doch noch nach Brohl. Gegen 11:30 Uhr sitze ich auf meinem Drahtesel und fahre auf dem Eifel-Camino in Richtung Andernach. Das Tempo halte ich nicht zu hoch, damit ich auch einen Blick für die Markierungen und die Landschaft habe. Doch so einfach fällt mir das gar nicht.

Du hast schon einen ganz anderen Blick, vor allem musst du aufpassen, dass du nicht vom Kurs abkommst. So ist der Sichtwinkel doch sehr eingeschränkt, vieles bleibt unbetrachtet rechts und links liegen. In Namedy schaffe ich gerade noch, im ortsansässigen Lädchen den Pilgerstempel zu bekommen. Nur fünf Minuten später, und ich hätte vor verschlossener Türe gestanden. Ich gönne mir zudem noch eine leckere Nussecke, die keine lange Lebensdauer mehr vor sich hat. Ständig begegnen mir andere Fahrradfahrer mit vollgepackten Satteltaschen, es herrscht ganz schön Verkehr auf dem Radweg. Ehe ich mich versehe, bin ich auch schon in Andernach angekommen. Dort betrachte ich die neue Informationstafel der St. Matthias-Bruderschaft in den Rheinanlagen, die über den Eifel-Camino und den hier parallel verlaufenden Linksrheinischen Jakobsweg Auskunft gibt. Gegenüber dem Mariendom hole ich mir im Pfarramt den nächsten Pilgerstempel und sitze schon wieder auf meinem Sattel. Ansonsten möchte ich mich heute nicht lange in Andernach aufhalten, das ich mit den örtlichen Sehenswürdigkeiten sehr gut vertraut bin. Es geht zügig weiter, bald radele ich an dem Flüsschen Nette entlang auf einem festen Feldweg nach Miesenheim. Auch hier befindet sich eine Infotafel zu den Jakobswegen. In einer Metzgerei besorge ich mir neben dem Pilgerstempel ein Frikadellenbrötchen, das ich genüsslich auf den Treppenstufen der St. Kastor-Kirche verspeise.

Weiter geht es durch den Ort, immer parallel zu den Wegzeichen, bis nach Plaidt, wo im Gemeindehaus gerade eine Hochzeit stattfindet. Da möchte ich jetzt nicht reinplatzen und nach dem Stempel fragen. Also fahre ich rasch weiter, überquere eine Bundesstraße und bin bald auf einem Graswegweg, der allerdings ein wenig ausgetreten ist. So habe ich keine Schwierigkeiten den Muscheln weiterhin zu folgen. Rechts befindet sich ein kleiner Bach. In dessen Plätschern mischt sich Vogelgezwitscher. Das ist heute das erste Mal, dass ich die Natur bewusst wahrnehme. Doch schon bald werde ich aus diesem Bild herausgerissen und bin mitten in Kruft. Hier habe ich Glück, denn das Rathaus hat eigentlich schon seit einer guten Stunde geschlossen. Als eine Dame aus dem Haus tritt, frage ich einfach mal nach dem Pilgerstempel - und ich bekomme ihn tatsächlich. Sie sei meistens noch länger als die Öffnungszeiten im Büro. Zufrieden fahre ich weiter und verlasse Kruft auf einer breiten, aber kaum befahrenen Straße. Unterwegs durch Ackerland passiere ich einige Wegkreuze aus dem 17. und 18. Jahrhundert  und schließlich eine kleine, verschlossene Kapelle. An der nächsten Gabelung halte ich mich rechts und kämpfe nun gegen die Unebenheiten eines groben Feldweges an. Hinter einem Zaun befindet sich das Gelände des ehemaligen Flugplatzes Mendig, auf dem ich mit meiner Familie in wenigen Wochen das Festival „Rock am Ring“ erleben werde. Hinter einer Kläranlage überquere ich die L 120 und erreiche die Wallfahrtskirche Fraukirch.

Die Kirche ist tagsüber geöffnet und birgt einen wunderschönen Hochaltar. Heute ist sogar der Zugang zur Empore unverschlossen, sodass ich von oben ein tolles Foto machen kann. Leider finde ich den in der Kirche vorhandenen Pilgerstempel nicht. Also mache ich wieder auf den Weg, zunächst in Richtung Tönissteiner Brunnen, dann auf einem befestigten Weg durch die wunderschönen Thürer Wiesen. Auch hier begegnet mir die Natur in ihrer ganzen Schönheit. Ich bleibe auf dem Radwanderweg und folge dem Verlauf parallel zur B 262. An einer Unterführung wechsele ich die Seite und erklimme einen steilen Anstieg, bis ich auf den Maifeld-Radwanderweg, einem früheren Bahndamm, treffe. Hier biege ich nach rechts ab zum Mayener Ostbahnhof. Just in dem Moment fährt ein Zug in Richtung Andernach weg, das hätte meiner sein können. Jetzt habe ich noch eine ganze Stunde Zeit und rolle ins Zentrum der Stadt. Nachdem ich mir in der Touri-Info den Pilgerstempel abgeholt habe, gönne ich mir noch ein Eis und begebe mich wieder in Richtung Ostbahnhof. An der St. Veit-Kirche mache ich kurz halt und sehe mir den modernen Bau von innen an. Mit dem nächsten Zug fahre ich nach Andernach und von dort nach Brohl, wo mein Auto wartet. Dieser erste Erkundungstag war sehr erfolgreich, ich habe wesentliche Erkenntnisse für den Pilgerführer gewonnen. Allerdings ist das Pilgern per pedes wesentlich intensiver. Auf dem Fahrrad muss man zu sehr auf die Verkehrsumgebung achten.