Von Klausen nach Schweich (18. März 2012)

Nachdem ich bei den beiden Pilgerwanderungen der St.-Matthias-Bruderschaft Mayen im vergangenen Jahr nicht dabei sein konnte, habe ich mir für die inzwischen achte Etappe keinen anderen Termin in den Kalender geschrieben. Vorgesehen ist der Abschnitt von Klausen bis Schweich. Ich fahre früh am Morgen nach Klausen, denn es geht bereits um 9:00 Uhr los. Auf dem Weg vom Parkplatz zur Wallfahrtskirche statte ich der erst vor wenigen Tagen eröffneten Pilgerherberge einen kurzen Besuch ab. In der Kirche treffe ich einige bekannte Gesichter, die herzlich begrüßt werden. Franz ist eifrig dabei, den zahlreichen Teilnehmern den Pilgerstempel von Klausen in den Ausweis zu drücken. Ich selbst benötige auch einen neuen Ausweis, denn mein anderer hat kein freies Stempelfeld mehr. Von unserem Pilgerforum ist heute nur Petra dabei. Mit ihr werde ich große Teile der Strecke gehen und mich mit ihr über ihre Pilgerherberge unterhalten.

Pünktlich beginnt die kurze Andacht mit der Begrüßung durch den Brudermeister Heinz Schäfer. Danach spricht Pater Albert zu der Pilgergemeinde und erteilt für den heutigen Tag den Pilgersegen. Das Motto für die Pilgerwanderung lautet „den Aufbruch wagen“, und so marschiert schließlich eine Hundertschaft los. Es geht zunächst von Klausen nach Krames und dort ein mir bereits von früheren Touren bekanntes Steilstück hinauf. Unterwegs unterhalte ich mich ein wenig mit Wolfgang Welter, mit dem ich hin und wieder per Mail Kontakt hatte. Er ist einer der treibenden Kräfte des Mosel-Caminos und hat gerade erst eine neue, sehr informative und übersichtliche Website hierzu freigeschaltet. Dann laufen wir an einem Zaun vorbei, an dem ein Schild mit einem tiefsinnigen Spruch angebracht ist. Es wird aber von den meisten im wahrsten Sinne des Wortes „links liegen gelassen“:

„Es ist der Wald wie eine Kirche, drum geh mit Andacht du hinein,

Dort singen Vögel fromme Lieder, mit Deinem Gott bist du allein.

Dort schau dich um ringsum im Kreise, wo stolz die Waldriesen stehn,

Du wirst die Allmacht Deines Gottes an jedem Baum und Strauche sehn.

Du wirst verstehn der Bäume lispeln, der Vögel Stimmen ringsumher.

Es liegt im Wald ein tiefer Zauber, es stärkt das Herz, wenn es Dir schwer.

Es stehn die Tore allzeit offen, zu diesem duftigen Hain.

Kannst weinen, beten dort und hoffen, und auch vergessen, tritt nur ein!“

Kurz dahinter versammelt sich die Gruppe, um einem thematischen Impuls zuzuhören. Am Ende der Steigung öffnet sich uns auf einem Hochplateau ein wunderschöner Rundblick in die Umgebung. Wolfgang gibt uns eine Einweisung in die Landschaft, die heute leider aufgrund des trüben Wetters nicht in voller Gänze erkennbar ist. Wir tauchen nun in ein Waldgebiet ein und erreichen bald die Waldkapelle, wo es einen weiteren Impuls geben wird. Inzwischen hat es begonnen, leicht zu nieseln. Den meisten macht das nichts aus, denn sie sind entsprechend ausgerüstet oder halten einen Regenschirm in einer Hand. Hinter dem nächsten Abzweig haben wir schon Blickkontakt zu einer Grillhütte, wo wir vom Versorgungsteam in Empfang genommen werden. Hier machen wir eine Pause und uns werden Kaffee, Tee oder Kaltgetränke angeboten. Bald drängen die ersten wieder zum Aufbruch, denn wir werden in Klüsserath erwartet. Durch Weinberge laufen wir talwärts an den idyllischen Ort an der Mosel. In der katholischen Kirche Maria Rosenkranzkönigin nehmen wir Platz, singen gemeinsam ein Lied und hören einen weiteren Impuls. Der Organist lässt es sich zum Abschied nicht nehmen, uns noch ein Ständchen zu bringen. Im gegenüberliegenden Bürgerhaus haben wir die Gelegenheit, einen köstlichen Eintopf für kleines Geld zu uns zu nehmen. Vor mir baut sich schließlich eine lange Pilgerschlange auf, denn ich habe den Pilgerstempel von Klüsserath in der Hand und befülle damit die mir vorgelegten Pilgerausweise. Nach der Mittagsrast ist es Zeit, wieder aufzubrechen, allerdings nicht ohne das obligatorische Gruppenphoto zu schießen. Es baumeln plötzlich vor dem Bürgerhaus zahlreiche Kameras an meinem Handgelenk und ich betätige die unterschiedlichsten Auslöser. Schließlich finde ich auch noch einen Mitpilger, der mit meiner Kamera ein Bild macht, auf dem ich selbst drauf bin.

Die weitere Strecke weicht von der eigentlichen Markierung ab. Wir begeben uns auf einen Fußweg entlang der B53 und lassen damit ein steileres Wegstück aus. An der nächsten Kreuzung biegen wir in die L48 ein und verschwinden kurz darauf wieder in einem ausgedehnten Waldstück. Auf den nächsten sechs Kilometern geht es beständig bergauf und die Gruppe zieht sich weit auseinander. Am Zitronenkrämerkreuz machen wir eine kurze Verschnaufpause einschließlich Impuls. Leider wird nicht gewartet, bis die letzten Teilnehmer den Anstieg hinter sich gebracht haben. So bleibe ich etwas zurück und nehme die etwas Langsameren „an die Hand“. Am höchsten Punkt wartet der Rest am Landwehrkreuz auf dem Hummelsberg zu einem weiteren Impuls. Ab hier geht es nur noch abwärts. Wir laufen am Waldrand entlang und haben einen wunderschönen Blick nach Longuich und auf die Mosel. Durch Weinberge schlängelt sich die Menschenkette nach Schweich. Die katholische Pfarrkirche St. Martin ist das Ziel. Die Abschlussandacht mit Pfarrer Dr. Ralph Hildesheim reflektiert noch einmal das Motto des Tages „den Aufbruch wagen“. Anschließend haben wir die Gelegenheit, uns im Pfarrheim von den Messdienern mit Kaffee und Kuchen verwöhnen zu lassen. Wie immer bei diesen Pilgertagen werden wir mit Bussen zum Ausgangsort gefahren. In Klausen verabschieden wir uns voneinander und fahren nach Hause. Im Herbst werden wir auf unserer letzten Etappe die Abtei St. Matthias in Trier erreichen.