Von Monreal nach Maria Martental (21. März 2010)

Nun stehe ich in dieser Woche bereits zum zweiten Mal früh auf, um einen Abschnitt auf einem Jakobsweg zu gehen. Für den heutigen Tage hat die St. Matthias-Bruderschaft Mayen zu ihrem inzwischen vierten Pilgertag auf dem Eifel-Camino eingeladen. Und heute ist neben meinem schon pilgererfahrenen Sohn Christian auch meine Frau Susanne dabei. In der Nacht hat es fürchterlich geregnet und die Aussichten für den Tag sind auch nicht die rosigsten. Gestern habe ich schon eine große Tüte Brötchen gekauft, die am Frühstückstisch mit Wurst und Käse belegt und dann im Rucksack verstaut werden. Um kurz nach acht Uhr sitzen wir im Auto und fahren zum Ausgangspunkt Monreal. Hinter Koblenz beginnt es zu regnen. Doch als wir auf die Autobahn in Richtung Mayen einbiegen, strahlt uns aus ein paar Wolkenspalten blauer Himmel und Sonnenschein entgegen. Gut zwanzig Minuten später fahren wir auf den Parkplatz des Bahnhofes in Monreal, der schon gut gefüllt ist. Unzählige Pilger mit Rücksäcken, Regenjacken und -schirmen bevölkern den Platz und immer noch kommen weitere Autos dazu.

01Ich besorge für Susanne einen Pilgerausweis und lasse direkt einen Stempelabdruck hinein machen. Wir erwarten den Zug aus Andernach, mit dem weitere Pilger anreisen sollen. Um viertel nach neun machen wir uns nach einer kurzen Begrüßung und Einweisung in den Tagesablauf durch den Brudermeister Heinz Schäfer auf den Camino. Schon die ersten Schritte über einen feuchten, glitschigen Feldweg lassen uns erahnen, was heute auf uns zukommt. Nach nur fünfhundert Metern erfolgt hinter dem Monrealer Sportplatz der erste Halt. Hier gibt es eine erste Meditation und den Pilgersegen durch Diakon Wolfgang Dröschel. Nach einem Photo für die Presse geht es dann richtig los, zunächst über eine schmale, rutschige Brücke über den reißenden Elzbach. Kurz dahinter mündet das Bächlein Thürelz, das wir in den nächsten Stunden als ständigen Begleiter an unserer Seite haben werden. Christian hat heute nicht so richtig Lust und hört von seinem iPod ein Harry Potter-Hörbuch, ist damit abgelenkt und schließlich doch einigermaßen gelaunt auf dem Weg. Der gut beschilderte Eifel-Camino führt uns den größten Teil auf dem Eifel-Schiefer-Radweg, der jedoch nicht immer asphaltiert ist. Flankiert wird der Weg von der Bahnlinie Andernach - Kaisersesch, auf der hin und wieder ein Zug an uns vorbeibraust. Unsere nächste Station mit einer Meditation und einem gemeinsamen Lied ist der Weiler Heunenhof mit einer kleinen Kapelle. Eine erstmalige Erwähnung ist aus dem 14. Jahrhundert beurkundet. Heute befinden sich neben der Kapelle noch sieben weitere Häuser, die allesamt einmal Bauernhöfe waren. In der Kapelle aus dem Jahre 1495 kann man eine von einem Pilger geschnitzte Jakobusfigur bewundern.

Weiter geht der Weg der sich auseinanderziehenden Pilgergruppe, die heute 180 Personen umfasst. Angesichts der Witterung ist das eine stolze Zahl. Wir bewegen uns weiter durch das enge Tal, in dessen Mitte sich die Mäander des Thürelz-Baches schlängeln. Die Strecke ist eigentlich recht einfach zu gehen, es gibt keine gravierenden Höhenunterschiede zu bewältigen. Manchmal müssen wir großflächige Wasserpfützen umgehen, die sich hier angesammelt haben. Zwischendurch beginnt es immer wieder einmal in dünnen Fäden zu regnen. Zum Glück scheint es Petrus gut mit uns zu meinen, denn er lässt den Regen nicht wie aus Kübeln über herab. So reichen wasserdichte Regenjacken oder Regenschirme vollkommen aus, um einigermaßen trocken zu bleiben. Unser nächster Stopp ist in Urmersbach. Auf einer Anhöhe thront die katholische Pfarrkirche St. Andreas. Diese stammt in Teilen noch aus dem 18. Jahrhundert, wurde aber Mitte des vergangenen Jahrhunderts erweitert und renoviert. Am Schienenhaltepunkt bietet das Versorgungsteam der Bruderschaft heißen Tee und Kaffee an, die gerne angenommen werden. Zudem bietet sich in der benachbarten Gaststätte die Gelegenheit, ein stilles Örtchen aufzusuchen. Nach den Grußworten des Ortsbürgermeisters Reiner Weber wird eine kurze Meditation vorgetragen. Bis zu unserer Mittagsrast in Kaisersesch sind es jetzt nur noch vier Kilometer. Die haben es aber in sich und werden für manch einen aus der Pilgergruppe zu einem Abenteuerpfad. Auch die Eifel hat der Orkan „Xynthia“ nicht verschont und so liegen einige mächtige Tannen niedergestreckt nicht nur am Wegesrand, sondern auch einmal direkt auf dem Weg. Nachdem einige Kletterpartien über Baumstämme und Geäst erste Pilgerstaus verursachen, wird schließlich über die neben dem Weg liegenden Wiesen ausgewichen. Gut, wenn man einen Plan B hat, bevor man lange Umwege einschlagen muss. Natürlich haben auch die Wiesen einen Haken, sie sind nämlich durchtränkt von Wasser und Schlamm, sodass sich viele Wander- und Trekkingschuhe plötzlich in eine andere, erdige Farbe verwandeln. Aber auch dieses Hindernis ist für die Pilgergruppe keine wirkliche Herausforderung und wird bravourös gemeistert.

Wir verlassen den Wald und gelangen über die „Masburger Straße“ nach Kaisersesch hinein. Dort werden wir unmittelbar in den historischen Ortskern geleitet, in dessen Zentrum sich die katholische Pfarrkirche St. Pankratius mit ihrem  schiefen Turm aus dem 13. Jahrhundert befindet. Vor der romanischen Pfarrkirche wurde vor ein paar Jahren ein sehenswerter Pilgerbrunnen eingeweiht. Hier erfrischt sich ein lebensgroßer Pilger mit hochgekrempelten Hosen in dem kühlen Nass. Schuhe, Hut und Rucksack hat er neben sich abgelegt. Nach einer Andachtsfeier in der stimmungsvollen Kirche mit Pfarrer Volker Malburg sowie einem Grußwort des Bürgermeisters Josef Wältermann besteht die Möglichkeit, im „Alten Kinosaal“ eine Pilgersuppe sowie Getränke zu erwerben. Gerne nutzen wir die Gelegenheit, die Suppe schmeckt wirklich gut. Für unseren Pilgerausweis ist auch ein Stempel erhältlich, leider gibt es aber nur einen Anschriftenstempel, ein Siegel der Gemeinde wäre schöner gewesen. Nach dem Besuch der neuen Pilgerunterkunft im Obergeschoss des ehemaligen Gefängnisses und jetzigen Heimatmuseums setzt sich der Tross wieder in Bewegung. Just in diesem Moment beginnt es wieder zu regnen. Bald passieren wir die Waldkapelle, die ihre Ursprünge im 18. Jahrhundert hat und nach mehrfacher Renovierung und Sanierung heute in der Paten- und Pflegschaft der Feuerwehr von Kaisersesch steht. Nun folgt ein Abschnitt, der unsere Gruppe in die Höhe bis zur A 48 führt, die wir unterqueren. Am Rande von Leienkaul werden wir wieder abwärts in ein schmales, idyllisches Tal geführt. Dabei gelangen wir an eine kleine Kapelle, die den Startschuss für einen weiteren Abenteuerpfad darstellt. Der Weg verjüngt sich nun zu einem von Laub bedeckten Waldpfad, auf dem sich die Pilger einer nach dem anderen wie auf einer Perlenschnur aufreihen. Plötzlich biegt der Pfad steil nach rechts ab, zusätzlich versperrt ein umgestürzter Baum das Weitergehen. Es bleibt nichts anderes übrig, als dem Hindernis durch das rutschige Gelände auszuweichen. Zum Glück klappt das ohne Stürze. Nur wenige Meter danach wird es noch brenzliger. Ein weiterer notwendiger Umweg endet in einem Steilstück, das nicht minder rutschig ist. Dank der Hilfe kräftiger Männerarme schaffen es aber alle, auch diese Herausforderung zu meistern.

Kurz darauf erreichen wir unser Tagesziel und stehen vor der Wallfahrtskirche Maria Martental. Im Klosterladen erhalten wir unseren letzten Stempel für heute. Leider ist es wiederum nur ein Anschriftenstempel. Das Versorgungsteam hat sich auch wieder aufgebaut und bietet kalte und heiße Getränke an, eine Wohltat für manche Pilger. Hier feiern wir noch eine Abschlussandacht mit Diakon Dröschel mit Gebet und Gesang. Abschließende Worte durch Brudermeister Schäfer, verbunden mit dem Dank an alle guten Geister am heutigen Tage, beenden den Pilgertag. Uns bleibt noch ein wenig Zeit, die Wallfahrtskirche zu besuchen. Am Gnadenbild entzünde ich für unsere Familie eine Opferkerze. Dann wird es Zeit, dass wir auf den oberen Parkplatz gehen. Dort stehen Busse bereit, die uns zurück nach Monreal bringen. Obwohl zwei Busse eingesetzt werden, reichen die Plätze nicht für alle aus, sodass auch zahlreiche Stehplätze genutzt werden müssen In Monreal angekommen begeben wir uns zu unserem Auto. Nach einem Schuhwechsel geht auch für uns die Heimfahrt nach Koblenz los, wo wir eine gute halbe Stunde später eintreffen. Es war wieder eine schöne Pilgerwanderung, wenngleich das Wetter sicherlich nicht jedermanns Herz erfreut hat.