Von Grötzingen nach Waldprechtsweiher (19. Juni 2020)

Ich laufe heute noch einmal mit Sandalen an den Füßen und nehme erneut nur das Nötigste mit auf den Weg. Schon früh um 6:40 Uhr mache ich mich auf zur S-Bahn-Station und kaufe mir in der selben Bäckerei wie gestern die gleichen Brötchen - die waren lecker! Die Anreise zum Startpunkt ist die kürzeste von allen Tagen und um 7:15 Uhr bin ich schon in Bewegung. Zum Aufwärmen geht es steil aufwärts, dass ich nur langsam voran komme und die Gelegenheit nutze, mein Frühstück zu vertilgen.

Nach gut zwei Kilometern verliere ich die Muschelwegweiser aus dem Blick und verlasse mich auf die von der Website „deutsche-jakobswege.de“ heruntergeladenen GPS-Track. Leider fehlen genau der Stelle Markierungen - ärgerlich. Mich begleiten weiterhin die roten Zeichen des Weitwanderweges Odenwald - Vogesen, während durch die bewohnten Randzonen von Durlach laufe. Von hier aus blicke ich an einem Aussichtpunkt noch einmla zurück und entdecke dabei auf einer Erhebung den Turmberg mit seinem markanten Turm auf der Spitze. Auf den Vogesen-Weg kann ich mich in einem folgenden Waldstück nicht mehr stützen, denn der Weg lässt mich in Richtung Westen im Stich. Dafür mehren sich jetzt die Schilder des Schönstatt-Pilgerweges, der sein Ende in Vallendar nahe meines Wohnortes Koblenz findet.

Heute scheint der Wurm drin zu sein, wieer verpasse ich einen Abzweig, komme aber bald wieder auf meine eigentliche Route. Ich durchlaufe Hohenwettersbach und Grünwettersbach, mache kurz dahinter nahe eines Funkturmes nach knapp zwei Stunden Marsch eine erste kleine Rastpause. Ich wundere mich, dass ich immer noch keine Muschelmarkierungen finde und suche auf meinem Handy eine Mail heraus, in der mir vor ein par Wochen Gottfried Wiedemer von der Badischen Jakobusgesellschaft eine Wegbeschreibung geschickt hatte. Blöderweise habe ich mir diese Datei nicht abgespeichert. Zum Glück finde ich die Mail noch im Papierkorb und stelle fest, dass mein Track nicht mit der eigentlichen Route übereinstimmt. Ergebnis: ich bin ab dem Durlacher Schützenhaus anders als vorgesehen gelaufen, hätte über den Turmberg gehen müssen. Dafür habe ich unwissentlich ein paar Kilometer abgekürzt. Na ja, in Ettlingen ist wieder alles gut, der Himmel lichtet sich und die Sonne kommt hervor. So gut sogar, dass ich in der evangelischen Johanneskirche einen Stempel bekomme und danach noch Zugang zur katholischen Pfarrkirche St. Martin erhalte, die gerade saniert wird.

Die letzten 12 km nach Waldprechtsweiher führen mich unspektakulär durch Waldstücke und die Sonne läßt sich am Nachmittag auch deutlich häufiger sehen. Schade, dass auf diesem Weg zur Zeit keine anderen Pilger unterwegs sind. Dieser zweite Sandalentag ist ein typischer Tag, um Kilometer zu machen und erscheint mir am Ende dementsprechend unaufgeregt. Zwar stehen am Ende rund 600 Höhenmeter zu Buche, die meinem Befinden nach aber gut zu bewältigen waren. Trotz meines Navigationsfehlers gibt es an markanten Stellen nur wenige Markierungen, sodass ich den Weg immer wieder kontrollieren muss. Gegen 14:00 Uhr komme ich in der kleine Ortschaft Waldprechtsweiher an und koste beim Betreten von einem einzelnen Kirschbaum - leckere, zuckersüße Kirschen. Ich bin wieder so rechtzeitig am Ziel, dass ich nur ein paar Minuten auf den nächsten Bus warten muss, mit dem ich nach Ettlingen zurückfahre. Von dort komme ich mit der S-Bahn nach Karlsruhe, bin aber heute rund fünfzig Minuten unterwegs. Den Abend lasse ich in Ruhe ausklingen, und richte mich schon einmal auf den morgigen Tag ein, an dem ich wieder mit vollem Gepäck unterwegs sein werde. Es wird auf dem Badischen Jakobsweg vorerst der letzte Pilgertag sein.