Jakobswege in Deutschland - Traben-Trarbach und der wa(h)re Jakob

Heute steht für mich eine längere Fahrt auf dem Plan, ich möchte nach Traben-Trarbach zu einem Vortrag über den Jakobsweg von Ka-Jo Schäfer. Im Grunde wird dieser wohl ähnlich dem Vortrag aus dem Frühjahr in Kloster Arnstein sein, wesentlich sollte dabei auch das Wiedersehen mit Gaby und Ka-Jo sein.

Ich entscheide mich, nicht an der Mosel entlang zu fahren, da diese Strecke durch die Moselwindungen sehr lang ist. So komme ich nach gut siebzig Minuten Fahrt durch den Hunsrück über Zell nach Traben-Trarbach. Dabei betrachte ich mir intensiv diesen Abschnitt, der auf meinem Mosel-Camino noch vor mir liegt. Eigentlich möchte ich noch schnell eine Kleinigkeit essen, finde aber auf die Schnelle keinen Imbiss. So mache ich mich kurzerhand auf die Suche nach dem Stadthaus "Alter Bahnhof" und finde es auch recht schnell. Mein Auto stelle ich auf dem Parkplatz davor ab, direkt neben dem Wagen von Ka-Jo (das stelle ich unschwer am Kennzeichen fest).

Das Stadthaus beherbergt heute den Dienstsitz der Bürgermeisterin und sie Tourist-Information. Diese ist auch Veranstalterin des Vortragsabends. Vor dem Eingang treffe ich direkt auf Gaby und Ka-Jo und wir erzählen ein wenig von unseren letzten Erlebnissen. Dabei erfahre ich unter anderem, dass es hier im Hause einen schönen Pilgerstempel geben würde. Hoch oben auf der gegenüber liegenden Moselseite ist Starkenburg erkennbar, laut Ka-Jo ist die Passage von Enkirch nach Starkenburg der schönste Abschnitt des Mosel-Caminos.

Pünktlich um 19.00 Uhr begrüßt ein Mitarbeiter der Tourist-Information die cirka vierzig anwesenden Zuhörer. Ka-Jo beginnt seinen Vortrag mit einem Pilgersegen und steigt  mit einem historischen Abriss des Jakobus-Kultes ein. Hierbei macht er auch deutlich, dass es sich bereits im Mittelalter im wesentlichen um "Pilgertourismus" handelte. Hierdurch erlebten viele Wallfahrtsorte einen wirtschaftlichen Aufstieg. Als Beispiel nennt er seine Heimatstadt Neuss. Dort entdeckte man um 1100 die Gebeine des Hl. Quirinus. In der damaligen Gemeinde lebten cirka viertausend Menschen und man begann einhundert Jahre später mit dem Bau eines Münsters. Zeitweilig sollen bis zu sechstausend Pilger in Neuss gewesen sein, die natürlich auch ihr Geld mitbrachten. So ähnlich wird es wohl auch anderswo gewesen sein.

Die alten Pilgerwege orientierten sich an alten Handelswegen, Straßen oder Flüssen. So entwickelten sich an bestimmten Orten Sammelpunkte der Pilger, wie beispielsweise in Köln. Auch wenn man heute den Kölner Dom betritt, erfährt man die Essenz einer Pilgerreise. Man spürt förmlich die Gebete der Menschen der vergangenen tausend Jahre, die nach Hilfe und Erlösung flehten.

Bei der Belebung des Mosel-Caminos kam es darauf an, diesen Weg zunächst auch touristisch attraktiv zu machen. Hierbei wurde auch die Historie mit einbezogen. Ursprünglich waren die Moselufer versumpfte Gebiete, daher liefen die früheren Pilger wohl auch eher auf den Höhenzügen, kamen aber immer wieder für Unterkunft und Verpflegung an die sich am Wasser angesiedelten Städte zurück. So ergab sich der nun ausgeschilderte Weg, zumal man auch nicht jede Moselschleife mitnehmen wollte.

Ka-Jo beschreibt nun den Mosel-Camino von Koblenz-Stolzenfels bis zur Trierer Abtei St. Matthias und unterlegt seine Ausführungen mit schönen Bildern. Dabei wird zu den wesentlichen Orten auch die ein oder andere Information oder Besonderheit erzählt: Stolzenfels - Wallfahrtskirche Bleidenberg bei Alken - St. Michael Alken - Burg Eltz - Treis-Karden - Kloster Maria Engelport - Beilstein - Marienburg - Zell - Enkirch - Traben-Trarbach - Bernkastel-Kues - Klausen - Klüsserath - Schweich - Trier.

Zu einer kleinen Diskussion kommt es, als Ka-Jo die von ihm erlebte Problematik einer günstigen (Pilger-)Unterkunft anreißt. Hierzu erzählt er, wie er einmal in Zell im strömenden Regen kein Bett für eine Nacht erhalten hatte. Ich selbst kann dies nur bestätigen, bei der Vorbereitung einer Etappe an der Mosel ist es mir auch sehr schwer gefallen, eine auf einen Pilger und nicht auf einen Touristen zugeschnittene Unterkunft zu finden.

Nach knapp zwei Stunden beendet Ka-Jo seinen Vortrag mit einem Gebet eines westafrikanischen Christen. So wie dieser, bin auch ich dankbar für diesen Abend. Ich habe zum einen nach längerer Zeit liebe Menschen wieder getroffen, zum anderen aber auch einen schönen, informativen Vortrag genossen. Anschließend quatschen Gaby, Ka-Jo und ich vor dem Stadthaus noch ein wenig und verabschieden uns dann voneinander, denn wir haben alle noch ein paar Meter mit dem Auto zu fahren.