13 - 12 - 2017

Überraschender Besuch vom Jakobsweg

Freitag, 11. August 2017: Koblenz

Schon vor ein paar Tagen hatte Ben mich informiert, dass er mit Monika in meiner Geburtstagswoche in Deutschland sei und sie mich gerne in Koblenz besuchen würden. Der Freitag war der günstigste Termin und so kam es dann auch. Gegen 17:00 Uhr trafen die beiden schließlich bei mir zu Hause ein. Es war für uns alle drei eine große Freude, uns wiederzusehen und meine Frau Susanne hatte die Gelegenheit, zwei meiner Pilgerfreunde kennenzulernen. Die beiden waren zuletzt gemeinsam in London, in Polen und Norwegen unterwegs. Aus Polen haben sie mir einen mit dem ersten Stempel versehenen Pilgerpass für den Pommerschen Jakobsweg mitgebracht, der in Litauen beginnt und sich dann an der Nordküste Polens und Mecklenburg-Vorpommerns entlangzieht. Dazu gab es ein Notizheft mit einer ganzen Reihe von Jakobsstempeln aus Polen. Tolle Idee!

Glückwünsche und Camino-Geschichte

Dienstag, 4. Juli 2017: Koblenz

Heute feiert Peter seinen 70. Geburtstag. Den Termin hatte ich mir schon in Spanien in den Kalender eingetragen. Am Abend rufe ich ihn an und gratuliere ganz herzlich zu seinem Jubiläum. Während des Gesprächs erzählt er mir seine Erlebnisse in Fisterra. Bei unserem Frühstück im San Martín hatte er von einer Pilgerin am Nebentisch den Tipp bekommen, in Fisterra in der Herberge Doña Lubina zu übernachten. Das hat auch geklappt. Zufällig schnappte er dort beim Gespräch von anderen Gästen meinen Wohnort Koblenz auf und erzählte, dass er sich gerade von einem Koblenzer verabschiedet habe. Sein Gegenüber fragte nach meinem Namen und entgegnete mit einem Lächeln: „Den kenne ich.“

Mit Verspätung zurück ins normale Leben

Samstag, 24. Juni 2017: Von Santiago de Compostela nach Koblenz

Für heute habe ich mir nicht allzu viel vorgenommen. Ich treffe mich mit Peter um 7:45 Uhr vor der Kathedrale und wir nehmen am deutschsprachigen Gottesdienst teil. Diesen hält wie im vergangenen Jahr, Pfarrer Wolfgang Gramer aus Bietigheim-Bissingen. Er spricht heute über Johannes den Täufer und spendet allen, die Santiago verlassen, einen persönlichen Segen. Der Gottesdienst ist sehr emotional und stellt für mich neben dem Abschied auch die Vorfreude auf zuhause, die Familie, dar. Eine schöne Zeit ist nun zu Ende und es gilt wieder den Schritt in den Alltag zu machen.

Geschichten, die nur der Camino schreibt

Freitag, 23. Juni 2017: Von Herbón nach Santiago de Compostela

Ich bereue es in keinerlei Weise, am gestrigen Tage nur so wenig unterwegs gewesen zu sein, nur um in den Genuss zu kommen, im Kloster Herbón zu übernachten. Diese Pilgerherberge ist ein weiteres Rückzugsparadies, in der man von Hospitalero Pedro liebevoll umsorgt wird und sich noch einmal einen Tag vor der Ankunft in Santiago sammeln kann. Bevor ich mich am gestrigen Abend bettfertig gemacht hatte, ereignete sich noch eine schöne Begebenheit. Der damalige Hospitalero der Herberge in Betanzos am Camino Inglés, Fernando, verfolgt aufmerksam meinen Blog und kommentiert hin und wieder auch einmal auf Facebook. Sein letzter Eintrag vor wenigen Minuten lautete: „Hey!! Linny is there too!! Eine große Umarmung für beide. The way is almost done.“ Mit dem Namen konnte ich zunächst nichts anfangen, schaute mir seine Freundesliste an, dann entdeckte ich unsere Mitpilgerin aus Frankfurt. Die Welt ist so klein. 

Wasserstraße und dann rote Pfeile

Donnerstag, 22. Juni 2017: Von Vilanova de Arousa nach Herbón

Heute wird es ein richtig bequemer Tag werden. Ich habe bis um 7:30 Uhr geschlafen, dann begannen auch erst die anderen Übernachtungsgäste allmählich mit ihren Vorbereitungen für den heutigen Tag. Da unser Boot erst gegen 11:00 Uhr ablegen wird, verbleibt noch unheimlich viel Zeit, die es zu vertreiben gilt. Eigentlich habe ich nichts Konkretes vor und gammele vor mich hin. Ich kann mich lediglich zu einem weiteren Einkauf im Supermarkt hinreißen, wo ich mir noch ein Baguette und etwas Obst besorge.

Pläne muss man auch ändern können

Mittwoch, 21. Juni 2017: Von A Armenteira nach Vilanova de Arousa

5:00 Uhr aufstehen, 6:00 Uhr Abmarsch. Draußen ist es noch kühl und es herrscht eine gespenstige Stille. Es ist noch so dunkel, dass ich kaum die Hand vor den eigenen Augen sehe. Ich biege hinter einer kleinen Brücke nach rechts auf die Ruta de la Piedra y del Agua (Weg der Steine und des Wassers) ein und knipse meine kleine LED-Lampe an, damit ich vor mir überhaupt etwas erkenne. Der Camino führt entlang des Rio Armenteira und ist im ersten Teilstück mit vielen Felsen und Wurzelwerk auf dem Boden versehen. Ich komme hier nur sehr langsam vorwärts, sonst ist die Gefahr groß, bei den schlechten Sichtverhältnissen zu stürzen.. Entlang des Rio befinden sich unzählige kleine Mühlen, in denen meistens noch die Mahlsteine vorhanden sind. Leider bekomme ich davon nur schemenhaft etwas mit. Nach circa zwanzig Minuten beginnt dann endlich die Dämmerung und ich kann meine Leuchte wieder ausschalten. Schade, dass ich von diesem romantischen Teil nicht alles mitbekommen habe. In einem Flyer wird von dem Abschnitt in höchsten Tönen geschwärmt. Die Ruta endet schließlich nach knapp fünf Kilometern, für die ich knapp neunzig Minuten benötigt habe.

Wieso eigentlich Espiritual?

Dienstag, 20. Juni 2017: Von Cesantes nach A Armenteira

Für 5:30 Uhr habe ich meinen Wecker gestellt, aber meine innere Uhr hat mich bereits eine gute Viertelstunde vorher wach werden lassen. Ich schaffe möglichst geräuschlos meine Ausrüstung in einen der beiden Speisesäle, schließe die Türe und beginne, mich für den Abmarsch fertig zu machen. Kurz darauf ertönt ein anderer, unangenehmer Wecker, der gefühlt unendlich lang seiner Tätigkeit nachgeht. Danach beginnt ein Schauspiel, das seinesgleichen sucht. Nacheinander erscheinen sechs schlaftrunkene spanische Pilger, die ebenfalls ihre sieben Sachen zusammenpacken, das aber mit einer Lautstärke, die unter aller Kanone ist. Sie halten es nicht für nötig, ihre angeregten Gespräche so zu dämpfen, dass die noch schlafenden Pilger nicht gestört werden.

Wohlfühltag bei Marie

Montag, 19. Juni 2017: Von Vigo nach Cesantes

Wir haben uns gestern Abend noch mit Lija und Monika in einer Tapas-Bar getroffen. Sie sind in einem anderen Hostel untergekommen, aber auch nur zehn Minuten Fußweg entfernt von unserem. Ben und ich haben auch noch unsere Betten im Refuxio de la Jerezana in Cesantes per Internet gebucht, da wir nicht wussten, ob wir noch freie Betten bekommen hätten, wenn wir „einfach nur vorbeigekommen wären“. Es sind sehr viele Pilger unterwegs. Ben fährt allerdings mit der Bahn nach Redondela und wird nur die letzten drei Kilometer zu Fuß bis zum Refugio zurücklegen.

Aufgepasst - wo sind die gelben Pfeile

Sonntag, 18. Juni 2017: Von A Ramallosa nach Vigo

Nach den beiden längeren Etappen soll es heute etwas gemütlicher angegangen werden. Zudem wollen wir der zu erwartenden Hitze entgegenkommen und bereits sehr früh losmarschieren. Dafür haben wir den Wecker auf 5:00 Uhr gestellt. Nach einer sehr gemächlichen Vorbereitungszeit ist es dann doch schon 6:15 Uhr, bis die Lichtverhältnisse es zulassen, mit der Pilgerwanderung zu beginnen. Heute Morgen ist auch der Zeitpunkt gekommen, dass wir uns von Lija und Monika verabschieden müssen. Die beiden haben heute zum dritten Mal hintereinander eine Strecke von deutlich über 30 km vor sich. Da ihr Flug nach Hause für Freitag geplant ist, müssen Sie spätestens am Donnerstag in Santiago ankommen. Das könnte knapp werden. Ben und ich haben uns in einem Hostel in Vigo eingebucht, da es dort keine Pilgerherberge gibt.

Asphalt und Hitze - keine gute Kombination

Samstag, 17. Juni 2017: Von A Guarda nach A Ramasolla

Jetzt sind wir in Spanien, in Galizien. Nach dem ereignisreichen Abend verlief die Nacht einigermaßen gut, obwohl es wieder ein kleines Schnarchkonzert gegeben hat. Wenn in unserem Schlafsaal nicht eine leichte Unruhe aufgekommen wäre, hätte ich wahrscheinlich heute verschlafen. So stehe ich dann doch letztendlich um 6:45 Uhr auf und mache mich abmarschbereit. Ich suche meine Sachen zusammen und verstaue alles in der Küche in meinem Rucksack. Einige andere Pilger sind mit ähnlichen Arbeiten beschäftigt, während sich  andere ein Frühstück zubereiten.  

Morgens Portugal, mittags Spanien und am Abend Reggae aus Barbados

Freitag, 16. Juni 2017: Von Viana do Castelo nach A Guarda

Ben, Lija, Monika und ich haben gestern Abend noch ausgemacht, dass wir versuchen wollen, uns heute in A Guarda in der Pilgerherberge zu treffen. Ich bin gespannt, ob wir vier tatsächlich dort heil und gesund ankommen, denn die Strecke beträgt heute circa 37 km. Ben ist bereits um 6:30 Uhr losmarschiert, ich verlasse die Herberge eine Viertelstunde später. Lija und Monika lassen sich noch etwas Zeit. Auf Facebook wurde mir gestern ein Abschnitt entlang des Meeres empfohlen, den ich zumindest in Teilen befolgen werde. Ich fühle  mich heute richtig fit und bin zudem richtig gut ausgeschlafen, denn wir hatten keinen lauten Schnarcher in unserem Schlafraum, der immerhin mit vierzehn Schläfern belegt war.

It's a beautiful day, don't let it get away (U2)

Donnerstag, 15. Juni 2017: Von Marinhas nach Viana do Castelo

Das war eine Horror-Nacht. Nach zwei Stunden tiefem Schlaf ging gegen Mitternacht die Katastrophe los. Unmittelbar neben mir befand sich das Epizentrum einer überdimensionalen Schnarchwelt. Es war kaum auszuhalten. Eine ganze Stunde lang versuchte ich, wieder einzuschlafen, was mir aber gänzlich misslang. Also schritt ich zur Tat, ergriff meinen Schlafsack samt Wertsachen und verließ den Schlafraum. Ich holte aus einem Schrank vier Decken und bereitete mir damit im Wohnzimmer ein Nachtlager auf dem Boden. Durch das geöffnete Fenster direkt über mir konnte ich zwar noch die Unterhaltung zweier Pilger auf der Treppe der Herberge mitverfolgen, doch schon bald schlief ich ein. Das war eine sehr gute Entscheidung, denn ich konnte bis 5:30 Uhr noch einigermaßen gut schlafen. Nachdem ich aufgestanden war, musste ich feststellen, dass sich noch weitere Schläfer hierhin verzogen hatten.

High noon und das Tagwerk ist vollbracht

Mittwoch, 14. Juni 2017: Von Póvoa de Varzim nach Marinhas

 

Heute Nacht habe ich unruhig geschlafen, daher war es nicht verwunderlich, dass ich schon relativ früh wach war. Es hat dann doch noch bis 6:30 Uhr gedauert, bis ich meinen Schlafsack und meine gestern Abend auf einem Stuhl vorbereiteten Sachen packt habe, um mich dann in der Küche für den Abmarsch fertig zu machen. Mitten in den Vorbereitungen kommen zunächst Ben, danach noch Pablo und Paul für ein Frühstück dazu. Ich bin dann gegen 7:00 Uhr wohl der Erste, der die Herberge verlässt. Das ist eigentlich spät für Pilger. Viele machen sich bereits mit Einbruch der Morgendämmerung auf den Weg in den Tag. 

Der Himmel fällt mir hoffentlich nicht auf den Kopf

Dienstag, 13. Juni 2017: Von Angeiras nach Póvoa de Varzim

Gegen 5:30 Uhr werde ich von einem lauten Schlag geweckt. Es zieht eine lang andauernde, heftige Gewitterfront über den Campingplatz hinweg. Irgendwann in der Nacht gab es schon einmal ein kleines Gewitter, das jedoch schnell vorüber war. Der auf das Kunststoffdach meiner Behausung niederprasselnde Regen wurde immer stärker und die Blitze und Donnerschläge kamen immer näher. Das tiefe Grollen des Donners war sogar noch auf meiner Liege so deutlich zu spüren, als wenn ich direkt neben einer Bassbox bei lauter Musik stehen würde. Gerade dachte ich, das Gewitter sei vorbeigezogen, da beginnt es wieder von vorn, wenn auch nicht mehr so heftig. Jetzt kann ich nur warten, bis sich das Wetter so beruhigt, sodass ich mich auf den Weg machen kann. Erste Überraschung am Morgen: meine Kamera ist wie durch ein Wunder wieder bereit, die Zusammenarbeit mit mir aufzunehmen.