20 - 11 - 2017

Von Cravant nach Vézelay (4. Juni 2013)

Ich sehne mich nach dem Ende des nächsten Teilstückes auf dem Weg nach Santiago de Compostela. Wir erreichen heute mit Vézelay einen mittelalterlichen Wallfahrtsort, der noch heute einer der vier bedeutenden Sammelpunkte der Jakobspilger in Frankreich in Richtung Pyrenäen darstellt. Vor uns liegen 34 Kilometer zum Teil entlang des Flusses Cure, zum Teil auch auf den Höhenzügen in der Nähe. Jörg und ich waren uns schon seit einiger Zeit einig, aufgrund der Streckenlänge früh los zu marschieren. Das bedeutet allerdings auch der Verzicht auf das Frühstück in der Hostellerie. Gegen 6.45 Uhr stehen wir mit unseren Rucksäcken auf der Straße, ich wieder mit Sandalen an den Füßen.  Es geht zunächst an der Église „Saint-Pierre-Saint-Paul“, einem Kriegerdenkmal und einem Waschhaus entlang. Hinter Cravant haben wir das Vergnügen, auf einem schmalen Pfad eine Hochebene zu erklimmen. Oben angekommen werden wir von der aufgehenden Sonne begrüßt. Als Lohn für die erste Müh´ am frühen Morgen verlieren wir wieder an Höhe und erreichen das Örtchen Accolay. Bevor wir die Cure überqueren, werden wir durch ein Hinweisschild an der Brücke mit Informationen versorgt, wo sich Pilger im Dorf versorgen können. So füllen wir in der angegebenen Bäckerei unseren Brotvorrat auf und wandern anschließend auf einem Waldweg auf unterschiedlichem Niveau an der Cure entlang.

Von Auxerre nach Cravant (3. Juni 2013)

Heute steht uns eine sehr leichte Etappe nach Cravant bevor. Deswegen lassen wir uns auch sehr viel Zeit, stehen spät auf und verpacken schon einmal unsere Ausrüstung. Um 8.30 finden wir uns in der Küche der Herberge ein, wo für uns der Tisch gedeckt ist. Das Frühstück ist in Ordnung, eben typisch französisch mit Baguette, Butter, Marmelade und Kaffee bzw. Tee. Damit kommen wir sehr gut zurecht, zumal das französische Baguette deutlich besser im Geschmack ist als bei uns in Deutschland. Gegen 9.00 Uhr verlassen wir die Herberge und gehen zurück an die Yonne. Von der Flussbrücke haben wir noch einmal einen traumhaften Blick auf die Kathedrale, die bereits um diese Zeit von der Sonne angestrahlt wird. Während Jörg noch einmal seine Stiefel auszieht und den Sitz seiner Stützstrümpfe korrigiert, nutze ich die Gelegenheit, um auf der Brücke noch ein schönes Photo zu machen.

Von Chablis nach Auxerre (2. Juni 2013)

Ich habe eine richtig miese Nacht hinter mir. Seit gestern Nachmittag leide ich unter leichtem Durchfall. Bis 1.00 Uhr musste ich gleich dreimal auf die Toilette und habe danach kaum geschlafen. Irgendwann muss ich wohl doch noch eingeschlafen sein, wache aber bereits gegen 6.30 Uhr wieder auf. Von draußen dringt Lärm in unser Appartement. Heute, am Sonntag, findet in Chablis ein großer Markt statt, der gerade aufgebaut wird. Ich habe immer noch ein Probleme mit dem Verdauungstrakt und verzichte deshalb auf das Frühstück. Ein Pfefferminztee muss heute Morgen zunächst ausreichen. Jörg bummelt schon einmal über den Markt, während ich mir das bunte Treiben vom Fenster aus dem ersten Stock ansehe. Unmittelbar vor unserem Haus befindet sich ein Hähnchengrill. Auf mehreren Spießen drehen sich große Hähnchen vor dem Feuer und mir läuft bei den verlockenden Düften das Wasser im Munde zusammen. Am liebsten würde ich ja um diese Uhrzeit…

Von Tonnerre nach Chablis (1. Juni 2013)

Trotz der Hitze in unserem Zimmer haben wir gut geschlafen und werden erst um 7.30 Uhr wach. Die nicht gerade umweltfreundliche Trocknungsaktion zu Gunsten unserer Kleidung und Stiefel war erfolgreich. Ich öffne das Fenster und der erste Blick nach draußen lässt endlich einen schönen Tag erahnen. Am blauen Himmel schweben vereinzelt weiße Wolken und die Sonne lächelt mich bereits mit einer angenehmen Wärme an, als wolle sie sich für die vergangenen vier Regentage entschuldigen. So gehen wir gut gelaunt zum Frühstück, das in einem offenen Raum in einer Zwischenebene des Hauses serviert wird. Es gibt Kaffee, heiße Schokolade, Cerealien, geröstetes Baguette, Croissants, Orangensaft und selbstgemachte Marmeladen. Zwei französische Ehepaare leisten uns Gesellschaft, wenn auch nur körperlich.

Von Étourvy nach Tonnerre (31. Mai 2013)

Da wir heute nur 19 Kilometer vor uns haben, dösen wir trotz Wecker um 7.00 Uhr noch lange in unseren Betten vor uns hin und ruhen uns richtig gut aus. Wir gehen erst spät zum Frühstück, das bereits gestern bei unserer Ankunft bereit war. Es gibt ein Baguette, verschiedene Sorten Marmelade und Honig, Cerealien, Milch, Kaffee und Tee. Nach dem Abwasch machen wir uns fertig und verlassen um 10.15 Uhr unsere Unterkunft. Es ist kalt, grau und bewölkt. Ich trage heute Sandalen, um meine Füße ein wenig zu schonen und von weiteren Druckstellen zu verschonen. Nach rund 200 Metern müssen wir über einen Grasweg gehen, der klatschnass ist. Also wechsele ich in meine Wanderstiefel und verstaue stattdessen die Sandalen im Rucksack.

Von Les Riceys nach Étourvy (30. Mai 2013)

Trotz einer eher unruhigen Nacht werden wir heute erstmalig nach einem lärmigen Geräusch des Weckers wach, bleiben aber noch einige Zeit liegen. Irgendwann ist es dann doch an der Zeit, aufzustehen und sich für den Tag vorzubereiten. Wir bereiten uns ein karges Frühstück zu, das aus einem Baguette und einem scharf riechenden Weichkäse besteht. Um 8.30 Uhr sind wir schließlich soweit, dass wir den Schlüssel im Gemeindebüro abgeben und uns auf den Weg machen. Wir verlassen Les Riceys in Richtung Westen auf der der D17, die wir gemäß Führer nach wenigen Schritten nach links auf einem Grasweg verlassen sollen. Wir entschließen uns jedoch aufgrund der nach den Regenfällen schlechten Beschaffenheit der Wege auf der Straße zu bleiben, zumal wir dadurch noch ein paar Meter weg einsparen.

Von Essoyes nach Les Riceys (29. Mai 2013)

Ich glaube, wir brauchen gar keinen Wecker mehr zu stellen, da wir sowieso früher aufwachen. Wir machen uns frisch und bereiten anschließend unser kleines Frühstück zu. Jörg kocht sich etwas Kaffee und wir verzehren unser Baguette und etwas Käse. Nachdem wir das genutzte Geschirr abgespült und weggeräumt haben, ist nun das Gepäck dran. Die Rucksäcke sind rasch gepackt. Wir hinterlassen einen Zettel mit ein paar Dankesworten an die Familie Chevalier, dazu legt jeder von uns einen 10 Euro-Schein. Gegen 08.45 Uhr verlassen wir unsere Unterkunft und gehen auf der D67 stadteinwärts, wo wir zum einen das noch heute in Familienbesitz befindliche Haus von Pierre Auguste Renoir passieren, zum andern in einer Boulangerie ein frisches Baguette kaufen. Es ist trocken, bewölkt und ich schätze die Temperatur um die zehn Grad.

Von Clairvaux nach  Essoyes (28. Mai 2013)

Obwohl der Wecker auf 7.00 Uhr eingestellt ist, wachen Jörg und ich schon eine halbe Stunde früher auf. Die innere Unruhe vor dem ersten Pilgertag ließ anscheinend keinen tiefen Schlaf zu. So machen wir uns halt fertig, packen unsere Rucksäcke und gehen ins Restaurant zum Frühstück. Dort sitzen bereits einige andere Gäste, vornehmlich Handwerker auf Montage. Wir bekommen eine gute Auswahl serviert: getoastetes Baguette, Croissants, Schokocroissants, Brot, Butter, Marmelade und O-Saft. Wir bestellen und beide einen café au lait, der mir aber zu stark ist. Nach dem ausgiebigen Frühstück begleichen wir unsere Rechnung und schultern das Gepäck. Wir wandern an der Abtei entlang auf der D12. Die Sonne lässt sich schon blicken und sorgt für eine gewisse Wärme, sie wird aber hin und wieder von vereinzelten Wolken verdrängt. Wir bleiben jetzt die nächsten Zeit auf der schmalen Landstraße und müssen öfter nach links auf das Bankett flüchten, da uns in unregelmäßigen Abständen Lastwagen mit einer hohen Geschwindigkeit entgegen kommen.

Von Koblenz nach Clairvaux (27. Mai 2013)

Es ist jetzt auf den Tag genau ein Jahr her, dass Jörg und ich unsere Pilgertour durch Frankreich in Clairvaux planmäßig unterbrochen hatten. In diesem Jahr haben sich einige einschneidende  Ereignisse in mein Leben eingeschlichen, sowohl privat als auch beruflich. Heute stehe ich bereits um vier Uhr auf und schlüpfe in meine bereitliegende Kleidung, schnüre meine Wanderschuhe zu und schnalle mir den bereits am Vortag gepackten Rucksack auf den Rücken. Um 4.30 Uhr nehme ich die ersten zwei Kilometer der diesjährigen Pilgerwanderung unter meine Füße und marschiere zum Koblenzer Hauptbahnhof. Dort kaufe ich mir am gerade geöffneten Kiosk zwei belegte Brötchen und einen Tetrapack Kakao. Auf dem Bahnsteig 5 werde ich auf meinen Zug warten, der mich zunächst zum Hauptbahnhof nach Bingen mitnehmen wird.

Von Colombey-les-Deux-Églises nach Clairvaux (28. Mai 2012)

Heute steht für Jörg und mich der letzte gemeinsame Pilgertag an. Wir stehen bereits früh auf, ab 7.30 Uhr können wir gemäß Aushang frühstücken. So genau nimmt man es aber nicht mit der Zeit, erst eine halbe Stunde später ist angerichtet. Dafür ist das Angebot sehr reichhaltig. Es gibt Brötchen, ofenfrische Croissants, Marmelade, Kaffee, Tee oder Milch… Wir lassen es uns bereits schmecken, da betritt der junge Mann von gestern Abend den Frühstücksraum. Er wünscht uns auf Deutsch einen guten Morgen und wir fühlen uns in unserer Vermutung bestätigt. Christian kommt aus Bamberg und ist Santiago-Pilger! Wir bieten ihm gerne einen Platz an unserem Tisch an und beschließen recht bald, heute zusammen nach Clairvaux zu laufen. Christian ist 27 Jahre alt und studiert Latein, Griechisch und Geschichte. Er ist zunächst ab Ende April über Würzburg, Mainz und Bingen nach Trier zum Heiligen Rock gepilgert. Dort hat er sogar den Autor eines unserer Pilgerführer, Wolfgang Steffen, getroffen. Sein weiterer Weg führte ihn über Luxemburg, dann ist er gemäß dem Outdoor-Führer gelaufen und will über Vezélay nach St. Jean und Santiago.

Von Joinville nach Colombey-les-Deux-Églises (27. Mai 2012)

Im Vergleich zu den bisherigen Nächten war diese recht kurz, aber der gestrige Abend war sehr schön und es hat sich gelohnt, erst spät ins Bett zu gehen. Wir nehmen um 8.00 Uhr ein reichhaltiges Frühstück im Esszimmer ein und packen anschließend unsere Rucksäcke. Auch heute werde ich wieder in Sandalen laufen, das geht besser, wie gedacht. Als Dank hinterlassen wir in Valéries Gästebuch noch einen herzlichen Eintrag. Uns hat es bei ihr sehr gefallen und wir können „Le Val du Roy“ jedem Pilger wärmstens empfehlen. Valérie gibt uns noch zwei Baguettes für unterwegs mit, dann werden wir von einem Freund nach Vignory gefahren. Dort setzt er uns direkt vor der romanischen „Église Saint Étienne“ ab, die wir zunächst erkunden. Die Kirche aus dem frühen 11. Jahrhundert ist eine der bedeutendsten romanischen Sakralbauten in der Champagne. Wir sind total begeistert und ich setze mich für einen ruhigen Moment, sauge die Stimmung der Kirche in mich auf. Um 10.30 Uhr schultern wir unsere Rucksäcke und machen uns auf den Weg.

Von Gondrecourt-le-Château nach Joinville (26. Mai 2012)

Nach dem üblichen französischen Frühstück (Baguette, Croissants, Marmelade, Butter sowie Kaffee oder Kakao) holt uns wie vereinbart ein Taxi ab. Wir erklären der Fahrerin mittleren Alters, so gut es geht, unser Vorhaben und sie bringt uns ins zwölf Kilometer entfernte Cirfontaines-en-Ornois. Damit müssen wir heute nur eine Strecke von rund 22 Kilometern zu Fuß gehen. Die Fahrt hat uns zwar dreißig Euro gekostet, aber das war es uns wert. Wir werden am Ortseingang an einer Kreuzung rausgelassen und die Fahrerin wünscht uns noch einen guten Weg. Wir durchlaufen Cirfontaines-en-Ornois auf der D 115 und passieren die Kirche, die eher einem römischen Tempel ähnelt und auch verschlossen ist. Es wäre sicherlich interessant gewesen, mal einen Blick in Innere zu werfen. Nach knapp vier Kilometern erreichen wir das Dörfchen Harméville, wo uns eine ältere Dame entgegenkommt und uns direkt in akzentfreiem Deutsch anspricht. Während des kurzen Gesprächs stellt sich heraus, dass sie aus der Nähe von Saarbrücken stammt und hier mit ihrem französischen Mann lebt.

Von Montigny-les-Vaucouleurs nach Gondrecourt-le-Château (25. Mai 2012)

Da wir heute erst um 8.00 Uhr frühstücken können und eine relativ kurze Etappe von 18 Kilometern vor uns haben, schlafen wir etwas länger. Um 7.30 Uhr werden wir wach, draußen kräht ein Hahn. Am Frühstückstisch treffen wir wieder auf die vier anderen Gäste. Madame Lambert tischt erneut ordentlich auf. Wir können zwischen Kaffee, Kakao oder Tee wählen. Hierzu stehen uns größere Schalen zur Verfügung, die ich eher für Müsli nutzen würde. Aber gut, wir sind ja anpassungsfähig. Weiterhin gibt es Brötchen, Baguettes, Milchbrötchen, selbstgemachte Marmelade, Apfelsaft (wohl auch aus eigener Herstellung). Wir lassen es uns richtig gut gehen und es verbleiben fast keine Reste. Wir sind auf unserer Pilgerwanderung nun zum ersten Mal in einem Chambres d'Hôtes untergekommen, und wir sind begeistert. Trotz der Sprachbarriere gab es eigentlich keine Verständigungsprobleme. Irgendwie haben wir das ausdrücken können, was wir wollten. Besonders gut gefallen hat uns der familiäre Charakter der Unterkunft, das möchten wir zukünftig noch öfter erleben. Einen kleinen Dank an Madame Lambert haben wir aber in ihrem Gästebuch hinterlassen: „Un grand merci pour l'hébergement. Nous nous sommes sentis très à l´aise. Les pelerins St. Jacques d´Allemagne.”

Von Toul nach Montigny-les-Vaucouleurs (24. Mai 2012)

Um 7.00 Uhr nehmen wir unser Frühstück in einem Restaurant ein, das sich im Erdgeschoss des Hotels befindet. Jörg und ich haben beide nicht gut geschlafen. Die in Frankreich übliche große Matratze hatte in der Mitte eine Kuhle, sodass wir beide versucht haben, möglichst außen zu liegen, um nicht ständig nach innen zu rollen. Aber auch so eine Nacht haben wir einigermaßen hinbekommen. Man serviert uns ein Baguette, Butter und Marmelade und nach Wunsch Kaffee oder Kakao. Das hört sich zwar nicht viel an, reicht aber vollkommen aus, um satt zu werden. Anschließend packen wir unsere Rucksäcke ein. Ich verstaue darin heute auch meine Wanderstiefel wegen der Rötungen an den Waden, ziehe Socken und Sandalen an. Die Rezeption ist zu dieser Zeit unbesetzt, den Zimmerschlüssel werfen wir in einen dafür vorgesehenen Briefkasten. In einer Boulangerie besorgen wir uns noch zwei Ficelles, das sind dünne Baguettes. Dann marschieren wir über die „Rue Jeanne d´Arc“ und die Reste des gleichnamigen Tors aus Toul hinaus. Über den „Boulevard Pinteville“ und die „Avenue Maréchal Foch“ erreichen wir eine Kaserne, die wohl ein Transportregiment beherbergt. Aus dem Kasernentor rollt dann auch eine Kolonne mit schweren LKWs heraus. Kurz hinter der Kaserne befindet sich eine großflächige Kriegsgräberstätte, die wir uns etwas genauer betrachten. Dabei sehen wir nicht nur Grabmale aus dem ersten Weltkrieg, sondern auch aus dem Indochina-Krieg der 50er-Jahre. Hier ruhen neben französischen Gefallenen auch zahlreiche Kanadier. Auffällig sind die unterschiedlichen Kennzeichnungen der Gräber für christliche, muslimische und jüdische Soldaten.