19 - 10 - 2017

2. Oktober 2015: Von Kleinheiligkreuz nach Fulda

Da wir heute in Fulda noch einige Termine haben und eine Strecke von rund fünfzehn Kilometern bewältigt werden muss, wurde das Frühstück und die Abmarschzeit gegenüber den vergangenen Tagen etwas vorgezogen. Bei frischen Temperaturen und leicht bedecktem Himmel geht es los. Zunächst haben wir das Vergnügen, auf zwei Kilometern eine etwas steilere Passage zu erklimmen, danach führt uns die Bonifatius-Route durch ein Waldgebiet nur noch leicht abwärts. Als wir aus dem Wald heraustreten, sind wir schon eine knappe Stunde unterwegs und erreichen bei inzwischen blauem Himmel die Schnepfenkapelle, die offiziell „Wallfahrtskapelle zur Schmerzhaften Mutter“ heißt und um das Jahr 1775 errichtet wurde. Hier begehen wir unsere tägliche Morgenandacht.

1. Oktober 2015: Von Hochwaldhausen nach Kleinheiligkreuz

Die Nacht in dem Holzhaus war sehr angenehm und ich hätte durchaus noch weiter im Bett bleiben können. Da wir aber jeden Morgen erst gegen 8:00 Uhr frühstücken sollte die Ruhezeit im Verhältnis zum Alltag eigentlich ausreichend sein. Nach dem Frühstück holt jeder sein Gepäck in den Frühstücksraum, wo wir einen Stuhlkreis für die Morgenandacht bilden, die wiederum von Ralph und Kevin musikalisch untermalt wird. Anschließend verstauen wir die Taschen in den Fahrzeugen, versorgen uns mit Getränken und Riegeln für unterwegs und begeben uns auf die Straße. Zunächst laufen wir durch Hochwaldhausen bis zum Ortsteil Ilbeshausen. Dort finden wir in der evangelischen Kirche hinter einer Schiebetür sogar einen Pilgerstempel, den ersten seit gestern Morgen. Die Kirche wurde in der Barockzeit erbaut und am 10. November 1766 eingeweiht. Auf der Brüstung und der Empore sind zahlreiche bedeutende Personen der Bibel dargestellt - neben dem Reformator Martin Luther unter anderem auch Jakobus der Ältere. Hinter der Kirche gibt es sogar einen eigenen Abstellplatz für Pfarrer, den wir sogleich getestet haben.

30. September 2015: Von Hirzenhain nach Hochwaldhausen

Auch heute genießen wir das reichliche Frühstück und bekommen von der Wirtin noch einen guten Tipp: wir sollen nicht dem markierten Weg folgen, sondern direkt hinter der Unterkunft in Richtung Steinberg gehen, da sich dort eine Weidenkirche befinde. Dieses lebendige „Bauwerk“ besteht aus angepflanzten Weiden, die so getrimmt wurden, dass sich im Laufe der Zeit ein Kirchenraum unter einem Blätterdach gebildet hat. Wir beschließen, dort unsere Morgenandacht zu halten. Zunächst treffen wir uns aber noch einmal im Aufenthaltsraum, um die Vorstellungsrunde von gestern Abend abzuschließen. Danach verstauen wir das Gepäck in den Fahrzeugen und starten bei blauem Himmel zur zweiten Etappe, die uns heute nach Hochwaldhausen führen wird.

29. September 2015: Von Düdelsheim nach Hirzenhain

Einer ruhigen Nacht folgt ein üppiges Frühstück im Hotel, das keine Wünsche offen lässt. Anschließend werden alle Taschen in den Fahrzeugen verstaut und wir fahren in den einige Kilometer entfernten Büdinger Ortsteil Düdelsheim. In unmittelbarer Nähe des Parkplatzes befindet sich die evangelische Kirche mit einem im 14./15. Jahrhundert erbauten Chor, in der wir unsere Morgenandacht feiern. Der Bibeltext, den Jonathan vorträgt, hängt zusammen mit dem heutigen Namenspatron, nämlich dem Erzengel Michael. Zugleich können wir den beiden Michaels in der Pilgergruppe zum Namenstag gratulieren. Wir posieren noch vor einem kleinen Fachwerkhaus, das mit einem überdimensionale Bischofsstab und dem Wegzeichen der Bonifatius-Route versehen ist, zu einem Foto. Gegenüber bekommen wir noch in der Pilgerunterkunft Apfelstübchen den Düdelsheimer Stempel, den man auf einem Tisch in einer kleinen Dose vor der Haustüre findet.

28. September 2015: Von Koblenz nach Büdingen

In diesem Jahr wird zum neunten Mal eine Pilgerrüstzeit des evangelischen Militärpfarramtes Mainz - erstmals in Kooperation mit dem katholischen Militärpfarramt Koblenz - angeboten. Es soll auf einem Teil der Bonifatius-Route gepilgert werden. Dieser Weg verläuft auf dem historischen Leichenzug des Heiligen von seinem Bischofssitz Mainz bis zu seiner Begräbnisstätte in Fulda. Unmittelbar nach der Einladung Ende Juni war für mich klar, dass ich wieder dabei sein werde. Die Pilgerrüstzeiten sind immer sehr liebevoll vorbereitet und wirken sich positiv auf meine Gemütslage aus. Man trifft dort immer wieder liebgewordene Mitglieder der „Abofraktion“ - Teilnehmer, die so wie ich regelmäßig dabei sind. Für mich wird es nunmehr das siebte Mal sein, dass ich mit dieser Gruppe auf einem Pilgerweg in der Region unterwegs sein darf. Allerdings ist es auch eine Premiere, denn mein bisheriger Zimmerpartner und Pilgerfreund Jörg, mit dem ich gemeinsam schon hunderte Pilgerkilometer zurückgelegt habe, weilt zu dieser Zeit im fernen Australien. Als Treffpunkt haben wir traditionell die Koblenzer Falckenstein-Kaserne gewählt, diesmal konkret das katholische Militärpfarramt. Dort warten bereits Dirk, Frank, Danny und Michael sowie Militärdekan Jonathan Göllner, kurz darauf treffen noch Roland und Oliver ein. Wir beladen das Fahrzeug und machen uns auf den Weg nach Mainz. Im dortigen evangelischen Pfarramt werden wir herzlich von Militärpfarrer Alexander Liermann, seinem Pfarrhelfer und guter Seele der Rüstzeit Jörg Bertram sowie Kevin, Ralph, Gunter und Ralf begrüßt. Bevor es losgeht, gibt es noch einen Kaffee und ein Stück Kuchen.

10. August 2015: Von Mainz nach Weilbach

Der 10. August ist für mich ein besonderer Tag, und in diesem Jahr sogar ein ganz besonderer. Ich vollende heute nämlich mein fünfzigstes Lebensjahr. Meine Frau Susanne und mein Sohn Christian hatten mir im Vorfeld schon die Möglichkeit gegeben, mir etwas für diesen Tag auszusuchen. Da fiel die Wahl nicht schwer, um die Flucht von zu Hause zu ergreifen und Koblenz den Rücken zu kehren. Ich wünschte mir einen Tag auf der Bonifatius-Route, beginnend in Mainz. Nach einem gemütlichen Frühstück fahren wir nach Mainz und stellen das Auto in einem Parkhaus in der Nähe der Zitadelle ab. Wir gehen zunächst durch die Augustinerstraße in Richtung Dom. In der Dom-Information besorge ich mir noch ein paar Devotionalien von der Bonifatius-Route und lasse mir den ersten Stempel in den Pilgerpass geben.