19 - 10 - 2017

Von Heidesheim nach Bingen (29. Juli 2014)

Nach einem ausgezeichneten Frühstück packe ich meinen Rucksack und such den Binger Hauptbahnhof auf, um mit dem Zug wieder zurück nach Heidesheim zu fahren. Dort setze ich meinen gestern unterbrochenen Weg fort, indem ich zunächst durch die Bahnhofstraße bis zur katholischen Pfarrkirche St. Philippus und St. Jakobus gehe. Die Kirche ist bereits geöffnet und ich kann ein Blick hinein werfen und mich geistig auf den Tag vorbereiten. Über dem Portal schauen zwei Statuen der Kirchenpatrone auf den Ankömmling herab. Im naheliegenden Kindergarten erhalte ich meine Pilgerstempel. Mit dem Rücken zur Kirche stehend wende ich mich nun nach links auf die Binger Straße, die ich an der nächsten Gabelung ebenfalls nach links in die Berndesallee verlasse. Am Ende der Straße laufe ich direkt auf ein Haus zu und gehe links davon in einen mit Verbundsteinen gepflasterten, leicht ansteigenden Wirtschaftsweg in die Weinberge hinein. Nach einiger Zeit passiere ich die Überbleibsel einer karolingischen Wasserleitung und erreiche in Nieder-Ingelheim die Heidesheimer Straße, der ich immer geradeaus bis zur Kaiserpfalz und der Saalkirche. Die Kaiserpfalz wurde im ausgehenden 8. Jahrhundert durch Karl den Großen erbaut und diente ihm sowie weiteren einundzwanzig Regenten als repräsentativer Ort zur Ausübung ihrer Macht.

Von Mainz nach Heidesheim (28. Juli 2014)

Auf meinem Weg nach Santiago über die Route Strasbourg - Le Puy hatte ich eine Variante auf der rechten Rheinseite gewählt. Von Koblenz ging es bis Kaub auf dem Rhein-Camino entlang, den ich einfach über Lorch, Wiesbaden und Mainz fortsetzte. Da ich bereits den Jakobsweg Rheinhessen von Bingen bis Worms absolvierte hatte, wollte ich nun die Lücke zwischen Mainz und Bingen schließen. In der Zukunft soll es über Speyer in Richtung Strasbourg weitergehen. Der Weg von Mainz nach Bingen ist zwar mit der gelben Muschel beschildert, es existiert jedoch nur eine stichwortartige Wegbeschreibung. Daher habe ich mir vorgenommen, den Bericht über die Zwei-Tages-Tour so abzufassen, dass nachfolgende Pilger diesen als Führer verwenden können.

Von Geisenheim nach Mainz (10. Juli 2012)

Meinen Urlaub habe ich mir in diesem Jahr etwas anders vorgestellt. Schon frühzeitig stand fest, dass ich die ersten drei Wochen der Sommerferien frei haben werde. Mein Sohn wird davon zwei Wochen mit der Sportjugend in Obervellach in Österreich verbringen. Zwei Tage nach meinem letzten Arbeitstag ist meine Familie nach Hamburg gefahren, um dort meinen zwei Wochen zuvor verstorbenen Bruder Martin zu Grabe zu tragen. Auch wenn wir selten Kontakt zueinander hatten, ist mir sein Tod sehr nahe gegangen. In so einer Situation kommen einem wohl immer Gedanken, was man hätte besser machen können. So war für mich recht bald klar, dass ich noch einmal raus in die Natur, auf den Jakobsweg, musste, um diese Situation für mich zu verarbeiten. Ich wählte für mich die letzte Etappe auf dem Rhein-Camino von Geisenheim bis nach Mainz. Wie immer geht es früh mit dem Zug vom Koblenzer Hauptbahnhof los. Nach einer guten Stunde bin ich am Ziel und verlasse rasch den Bahnhof. Ich möchte direkt auf die Strecke.

Von Lorch nach Geisenheim (8. November 2011)

Nach vielen Wochen ohne einen Pilgertag beschließe ich kurzfristig, meinen Pilgerweg auf dem Rhein-Camino ab Lorch fortzusetzen. Diesen Tag widme ich meiner lieben Frau, die in einer guten Woche eine schwere Operation erwartet. Mit der Bahn fahre ich früh von Koblenz in den Rheingau und beginne den Weg an der katholischen Pfarrkirche St. Martin in Lorch, die im 14. Jahrhundert vollendet wurde. Leider ist die Kirche nur an den Wochenenden geöffnet, sodass ich sie nicht besichtigen kann. Damit entgeht mir der älteste und wohl auch erste monochrom konzipierte Schnitzaltar aus dem Jahre 1483, der somit eine herausragende kunstgeschichtliche Stellung innehat. Hinter der Kirche befindet sich das Pfarrhaus, wo ich meinen Pilgerstempel erhalte. Dann erklimme ich den Römerberg und befinde mich nach einem guten Kilometer hoch über Lorch, habe von dort einen schönen Ausblick. Ich passiere eine kleine Solaranlage und laufe hangparallel in Richtung Süden. Von hier oben erscheint der Rhein wie eine dampfende Suppe, der Nebel wird allmählich dichter. Dunkle Wolken verhindern zudem, dass die Sonne stärker zur Geltung kommt.

Von Lahnstein nach Osterspai (13. August 2011)

Seit November des vergangenen Jahres versammeln sich jeweils am ersten Donnerstag im Monat am Pilgern Interessierte zu einem zwanglosen Treff in der City-Kirche am Koblenzer Jesuitenplatz zum Gedankenaustausch. Schon bald wurde der Ruf laut, die Treffen nicht nur allein auf die Gesprächsrunden zu beschränken, sondern darüber hinaus gemeinsame Aktivitäten zu planen und durchzuführen. Die erste solche Gemeinschaftsveranstaltung sollte eine Pilgerwanderung auf dem Rhein-Camino von Lahnstein bis nach Osterspai werden. Michael und Ralf hatten sich im Vorfeld intensive Gedanken über die Wanderung gemacht und versprachen einige Programmpunkte auf dem Weg.

Von Kamp-Bornhofen nach St. Goarshausen (11. August 2010)

Für die letzte Woche der diesjährigen Sommerferien in Rheinland-Pfalz haben mein Sohn Christian und ich uns noch eine Etappe auf dem Rhein-Camino vorgenommen. Es geht von Kamp-Bornhofen nach St. Goarshausen. Unser Zug fährt um 7.00 Uhr am Koblenzer Hauptbahnhof ab. Nachdem wir unsere Fahrkarten am Automaten gelöst haben, begeben wir uns auf den im Fahrplan angegebenen Bahnsteig. Dort sind wir jedoch überrascht, dass weder ein Zug auf uns wartet noch dass die Anzeigetafel auf die Abfahrt hinweist. Zum Glück ertönt in dem Moment der größten Ratlosigkeit eine blechern klingende Durchsage per Lautsprecher. Wir werden informiert, dass wegen Bauarbeiten keine Züge zwischen Koblenz und Wiesbaden pendeln, dafür aber ein Schienenersatzverkehr mittels Bus eingerichtet ist. Wir verlassen daraufhin eilig den Bahnhof in Richtung Bussteige und finden rasch den passenden Bus. Nach wenigen Minuten geht die Reise los, eine gute halbe Stunde später erreichen wir unseren Startort Kamp-Bornhofen und werden auf der Höhe der katholischen Pfarrkirche abgesetzt.

Von St. Goarshausen nach Lorch (14. Dezember 2010)

Lange habe ich überlegt, ob ich mir noch einmal für einen Tag in diesem Jahr den (kleinen) Rucksack aufschnalle und eine Etappe auf einem Pilgerweg absolviere. Mitten in den Überlegungen erreichte mich eine Sendung mit der Post. Inhalt: ein Kalender für das Jahr 2011, erstellt vom Internet-Forum „Jakobus-Peregrino“. Der Kalender ist sehr gut gelungen, enthält unzählige Bilder von Forumsmitgliedern und hat mich derart motiviert, dass die Entscheidung schnell gefällt war. Es sollte die Fortsetzung des Rhein-Camino von St. Goarshausen nach Kaub werden. Wie immer begebe ich mich auf die ersten zwei Kilometer abwärts zum Bahnhof. Dort fährt mein Zug um 7:23 Uhr auf die andere Rheinseite zum Beginn der heutigen Etappe. Eine gute halbe Stunde später verlasse ich den Zug und besorge mir in dem nahe liegenden Supermarkt Getränke und Verpflegung für den Tag. Bevor es richtig losgeht, gehe ich zum katholischen Pfarramt an das andere Ende der Stadt, um einen Stempel für den Pilgerausweis zu erhalten. Dort treffe ich Pfarrer Königstein, den ehemaligen Jugendpfarrer von Lahnstein, der auch für unsere Gemeinde in Bad Ems zuständig war (das ist bestimmt schon dreißig Jahre her). Er ist  jetzt hier seit einiger Zeit als Gemeindepfarrer ansässig.

Von Koblenz nach Kamp-Bornhofen (15. März 2010)

Nach einem langen, kalten und weißen Winter sehne ich endlich den Frühling herbei, um wieder einmal raus auf den Weg zu gehen. Durch erste Pilgerberichte in diversen Internetforen aus dem compostelanischen Jahr 2010 animiert, packe ich mein kleines Bündel für eine Tagesetappe und starte bereits frühmorgens um 6.30 Uhr. Heute gehe ich direkt von zu Hause los auf die erste Etappe des Rhein-Caminos, die mich bis nach Kamp-Bornhofen führen soll. Die ersten sechs Kilometer laufe ich zum eigentlichen Startpunkt der Etappe, der Johanniskirche in Lahnstein. Zunächst geht es leicht bergab unter den Brücken der Bundesstraße 327 bis zum Koblenzer Stadion Oberwerth. Anschließend wird der Rhein über die Horchheimer Brücke überquert. Es ist feuchtkalt und grau, eigentlich kein schönes Pilgerwetter. Kaum habe ich die andere Rheinseite erreicht, beginnt es leicht zu regnen. Ich überziehe meinen Rucksack mit dem Regenschutz und gehe durch den Koblenzer Stadtteil Horchheim. Dabei komme ich an der katholischen Pfarrkirche St. Maximin vorbei. Deren Turm stammt noch aus dem späten 16. Jahrhundert, die Kirche selbst wurde mehrfach aus Kapazitätsgründen erneuert, letztmalig zu Beginn des 20. Jahrhunderts.