19 - 10 - 2017

Von Beilstein nach Zell (30. August 2012)

Heute bricht der letzte Tag unserer Pilgerwanderung an der Mosel an. Jörg und ich richten unsere Ausrüstung her. Die Wäsche von gestern Abend ist allerdings noch etwas klamm, aber das stört uns heute nicht. Nachdem wir selbst angezogen sind, begeben wir uns in den Frühstücksraum, wo uns ein reichhaltiges Büffet erwartet. Wir sind die ersten, doch der Rest trudelt nach einer Weile auch ein. Einige sehen nicht gerade frisch aus, könnten wohl noch ein wenig Schlaf gebrauchen. So zieht sich das Frühstück etwas in die Länge, was aber niemanden stört. Anschließend sammeln wir uns mit unserem Gepäck vor dem Hotel. Friedhelm hat bereits sein Fahrzeug geöffnet und verstaut das Gepäck. Unsere Zimmergemeinschaft bleibt weiter standhaft und behält den Rucksack auf dem Rücken. Bevor es wieder losgeht, singen und beten wir zusammen.

Vom Klickerterhof nach Beilstein (29. August 2012)

Ich habe auf dem Boden des Frühstücksraumes schlecht geschlafen. Es ist ungewohnt, im Schlafsack auf hartem Boden zu liegen. Bei jedem Drehen des Körpers wurde ich wach und versuchte in einer einigermaßen verträglichen Position weiter zu ruhen. Ich bin froh, dass es draußen hell wird und die Zeit gekommen ist, aufzustehen. Einige Pilgerbrüder sind bereits im Bad und machen sich frisch. Allmählich wird es im Frühstücksraum immer belebter und ich verlasse meine Schlafstätte in Richtung Bad. Nach der Morgentoilette verpacke ich meine Ausrüstung in den Rucksack und gehe zum Grillplatz. Dort habe ich einen wunderschönen Blick auf Treis-Karden. Die Sonne scheint bereits und über der Stadt liegt ein schmales Nebelband.

Von Alken zum Klickerterhof (28. August 2012)

Vor dem Frühstück gehen Jörg und ich in eine Bäckerei und besorgen uns den Pilgerstempel von Alken. Das Frühstück selbst ist sehr gut und reichhaltig. Anschließend treffen wir uns mit gepackten Rucksäcken am Moselufer zu unserer Morgenandacht. Es ist ein schönes Bild: die Sonne beleuchtet die Szene, Karsten steht auf einem Betonpodest zwei Meter in den Fluss hinein und wird von Enten umkreist. Er erzählt von Jesus, der in Kapharnaum in der Synagoge predigte. Dort wurde er von einem  Besessenen gestört. Jesus erkannte, dass Satan die Ursache der Verwirrtheit des Mannes war und ihn versuchen wollte. Er befahl ihm: „Verstumme und fahre aus von ihm!“ Und der unreine Geist gehorchte ihm und verschwand. Karsten ermuntert uns zum Nachdenken, ob auch wir einen „unreinen Geist“ in uns haben, dem Gott einfach sagen kann: „Verschwinde“.

Von Koblenz-Stolzenfels nach Alken (27. August 2012)

Heute treffen sich in der Koblenzer Kaserne einige Pilger, die mit unserem evangelischen Militärpfarrer Karsten einige Tage auf dem Mosel-Camino verbringen möchten. Ganz besonders freue ich mich, dass mein Pilgerbruder Jörg dabei ist. Mit ihm bin ich im Mai durch Frankreich unterwegs gewesen, Jörg war anschließend in Santiago. Mit dabei sind noch Jürgen, Roland, Jörg, Dirk und Holger von meiner früheren Dienststelle sowie zwei weitere Kameraden, deren Namen mir aber leider entfallen sind. Um 9.30 Uhr finden wir uns in der „Arche“ zu einem gemeinsamen Frühstück ein. Dabei stellen wir uns kurz vor. Karsten stimmt uns danach auf die Pilgertage ein und verteilt an jeden ein Blatt mit dem Labyrinth aus der Kathedrale in Chartres. Labyrinthe dienten wohl im Mittelalter zu Bußübungen. Wir folgen dem Weg durch das Labyrinth wie einem Lebensweg bis zur Rosette in der Mitte, die als Symbol Mariens gilt. Dort ist aber nicht das Ende des Weges erreicht, denn man kann wieder zurückgehen zum Ausgangspunkt. Dazu gibt es noch einen kurzen Auszug aus dem Matthäus-Evangelium.

Von Klüsserath nach Trier (6. Juli 2010)

Kurz nach 8.00 Uhr gehe ich zum Frühstück. Ich esse zwei Brötchen und einen Joghurt. Nachdem ich meine beiden Wasserflaschen aufgefüllt habe, bezahle ich und mache mich auf den Weg. Es geht natürlich wieder bergauf, entlang eines Kreuzweges bis zu einer Marienkapelle. Von hier hat man einen tollen Ausblick auf Klüsserath und die Weinlage „Bruderschaft“. Es folgt direkt danach ein sehr steiles Stück mitten in die Weinberge. Ich umrunde zwei Täler mit den üblichen Höhenunterschieden. Wenig später passiere ich das Zitronenkrämerkreuz. Hier soll im Jahre 1687 ein italienischer Zitronenhändler einen gewaltsamen Tod erlitten haben. Ich entferne mich etwas von der Mosel, die Weinberge werden von Getreidefeldern abgelöst. Auf dem Hummelsberg treffe ich auf das Landwehrkreuz, das von einer Schafherde umringt ist. Durch den Wald geht es jetzt beständig bergab.

Von Traben-Trarbach nach Klüsserath (5. Juli 2010)

Heute heißt es wieder sehr früh aufstehen. Der Wecker wirft mich um 6.00 Uhr aus dem Bett. Ich habe mir für die nächsten vier Tage ein Mammut-Programm vorgenommen, das man so eigentlich nicht absolvieren sollte. Geplant sind die letzten vier Etappen des Mosel-Camino, die ich allerdings in zwei Tagen bewältigen möchte. Im Anschluss daran sollen noch die ersten drei Etappen auf dem Jakobsweg von Trier nach Vézelay folgen, wiederum in zwei Tagen. Ich möchte einmal versuchen, an meine Grenzen zu gehen, Erfahrungen zu sammeln und daraus zu lernen. Nach einem gemeinsamen Frühstück mit der Familie mache ich mich mit einem 11 Kilo schweren Rucksack auf den Weg zum Bahnhof. Allerdings sind darin auch drei Liter Wasser enthalten. Ich kann nicht abschätzen, wie die Temperaturen sein werden und vor allem nicht, wo ich nachtanken kann. Um 7.22 Uhr setzt sich mein Zug in Richtung Mosel in Bewegung. In Bullay steige ich um und fahre wenige Minuten später weiter nach Traben-Trarbach.

Von Bullay nach Traben-Trarbach (14. Dezember 2009)

Zum Ende des Jahres will ich unbedingt noch eine Etappe auf dem Mosel-Camino gehen. Dienstliche und auch private Termine haben meine Pläne immer weiter nach hinten geschoben, doch heute ist es endlich soweit. Am vergangenen Wochenende sind die Temperaturen stark gesunken, sodass ich wohl oder übel mit deutlich extremeren Verhältnissen rechne, als bei meinen bisherigen Pilgertagen. Das hat allerdings auch etwas Gutes; ich habe die Möglichkeit, einmal verschiedene Bekleidungsstücke bei kalten Temperaturen zu testen. Bevor es losgeht, gibt es Frühstück mit der ganzen Familie. Die üblichen zwei Kilometer bis zum Bahnhof sind für mich inzwischen Routine. Ich erstehe meine Fahrkarte und begebe mich auf den Bahnsteig, wo schon unzählige Schüler auf den gleichen Zug wie ich warten. Um 7.40 Uhr geht es endlich los. Ich bin noch etwas schläfrig und schließe die Augen.

Von Treis-Karden nach Bullay (28. September 2009)

Heute steht eine weitere Etappe auf dem Mosel-Camino an. Wie immer muss ich dazu früh aufstehen und zum Bahnhof laufen. Mein Zug fährt um 7.22 Uhr in Richtung Treis-Karden, wo ich kurz vor acht Uhr eintreffe. Insgeheim hoffe ich, hier einen schönen Stempel zu erhalten, aber dafür ist es dann doch noch zu früh. Ich beginne meinen Weg an der ehemaligen Stiftskirche St. Castor im Ortsteil Karden. Der Bau der Kirche begann im ausgehenden 12. Jahrhundert und wurde rund einhundert Jahre später vollendet. Ich laufe zunächst entlang dem ausgeschilderten Weg durch den Ort, der nach wenigen Schritten in Richtung Moselufer abzweigt. Dabei passiere ich die evangelische St. Georg-Kapelle sowie eine lebensgroße Kreuzigungsgruppe. Ich überquere die Mosel und habe von der Brücke auf beide Stadtteile einen schönen Ausblick.

Von Alken nach Treis-Karden (31. Juli 2009)

Zum Abschluss meines Urlaubs sollte eine weitere Etappe auf dem Mosel-Camino absolviert werden. Christian hatte vor ein paar Tagen ein paar neue Outdoor-Schuhe bekommen, die er baldmöglichst austesten wollte. Heute lassen wir es im Vergleich zu den bisherigen Etappen sehr spät werden, bevor wir die ersten rund 2,5 Kilometer von unserer Wohnung bis zum Koblenzer Hauptbahnhof zu Fuß bewältigen. Es ist bereits kurz vor neun Uhr, unser Zug nach Löf an der Mosel fährt um 9:26 Uhr ab. Leider hat die Deutsche Bahn hinter einer Diesellok nur einen doppelstöckigen Wagen angehängt. Oben ist für 1.-Klasse-Passagiere reserviert und unten sind die sehr wenigen freien Plätze schnell belegt oder durch Fahrräder nicht nutzbar. Neben uns erzählt ein Mann einem älteren Paar aus Österreich einiges über seine Heimatstadt Kobern-Gondorf und die Mosel.

Von Lahnstein nach Alken (20. Juli 2009)

Christian und ich beginnen nach dem Abschluss des Lahn-Caminos direkt an der Hospitalkapelle in Oberlahnstein den nächsten Jakobsweg: den Mosel-Camino. Ich habe vor, diesen Weg nach dem Pilgerwanderführer von Ka-Jo Schäfer und Wolfgang Welter zu gehen. Dort beginnt der Weg zwar erst in Stolzenfels, da wir aber noch in Lahnstein sind, starten wir auch hier. Wir nutzen gleichzeitig die Gelegenheit, für unsere Mittagsmahlzeit zu sorgen. Christian hat sich ein halbes Hähnchen gewünscht, das soll er auch bekommen. Er marschiert frohgelaunt mit und hat immer einen Witz auf Lager. Ich hatte schon Befürchtungen, dass er irgendwann vor mir steht und sagt: „Ich habe keine Lust mehr.“ Aber diesen Satz habe ich bei unserem nunmehr dritten gemeinsamen Pilgertag noch nicht gehört. Auf der ausgewiesenen Strecke zur Johanneskirche in Niederlahnstein kommen wir bei Globus vorbei. Dort kaufen wir ein. Wir sehen aber zu, schnellstmöglich die Kirche zu erreichen. Dort befindet sich am Ufer der Anlegesteg der Personenfähre „Nixe“, die uns auf die andere Seite bringen soll. Hinter der Rudi-Geil-Brücke biegen wir an die Lahn ab. Dort bleiben wir bis zum Zusammenschluss von Rhein und Lahn, dann geht es noch einen guten halben Kilometer weiter in Richtung Norden und wir stehen vor der romanischen Johanneskirche.